Leute aber sagten: 'Der versteht es, so muss man es machen.' Selbst der Heroismus erlahmte endlich an dieser Beharrlichkeit der Industrie; man liess die Fabrik zuletzt spulen und schnurren, ohne ferner Eingriffe in ihre tranduftigen Räder zu versuchen. – Aber in die Walhalla kommt er doch nicht, wenn sie fertig wird und ihre Bestimmung behält, und nicht mit der Zeit vielleicht in ein Bräuhaus verwandelt wird. Der Graf von Platen kommt hinein, und der gehört auch hinein, trotz aller seiner Torheiten und Missgriffe, aber Hirsewenzel kommt nicht hinein und schriebe er auch noch einundzwanzig Millionen Verse mehr. Doch ist es freilich noch ungewiss, ob er überhaupt sterben, und ob nicht vielmehr der Tod jedesmal einnicken wird, so oft er ihn sieht.
Nun, Gott bessre das deutsche Teater!
Melpomene sitzt, von der Szene verscheucht, unten im Keller, da wo die Arbeitsleute an den Versenkungen und Verwandlungen hantieren, der Dolch ist ihrer entkräfteten Hand entfallen und rostet im Moder, im Moder liegt die Maske, welche die gemeinen menschlichen Züge verschönernd bedecken soll; Schimmel überzieht dieselbe, und einer der Teaterarbeiter hat ihr die Nase platt getreten. Droben aber über ihrem haupt, auf dem Podium, scharrwerkt der lärmende Emporkömmling mit seinen breitgerührten und doch hölzern gebliebenen Jamben. Ach, die arme! Nicht einmal weinen kann sie mehr. Isidor hat sie mit dem Stockschnupfen angesteckt, und verlangt nun grausam spottend von ihr, sie solle Makuba schnupfen lernen, dadurch helfe er sich in allen Nöten.
Das alles ist weltbekannt. Nicht so bekannt ist aber der Umstand, dass der Tragöde alle die Stücke, die seitdem wie ein nie versiegender Spülicht zwischen den Kulissen hervorgebrodelt sind, bereits während seiner Beschäftigung mit Zöpfen und Frisuren in müssigen Nebenstunden verfertigte. Ja, meine Freunde, er hat sie sämtlich auf den Vorrat gearbeitet; die Manuskripte lagen in seinem Haaratelier geordnet zwischen den übrigen Fabrikaten und Sachen, ungefähr so: ein Zopf, 'Die Erdennacht', eine Perücke; 'Genoveva', Pomade; 'Rafaele', der Puderbeutel; 'Die Schule des Lebens', und so weiter. Daher es ihm leicht war, hernachmals den Markt von Sand-Jerusalem mit seiner Ware zu überführen.
Doch meine Farben reichen bei diesem Bilde nicht aus und mein Pinsel ist zu stumpf; ich fühle das wohl. Solche tiefsinnige ästetisch-poetische Seelenentwikkelungsgemälde abzuwickeln, dass sie jedem so klar werden, wie baumwollnes Garn, müsste ich Hoto sein, der in den 'Vorstudien des Lebens und der Kunst' an seiner eignen geschichte 'aufgewiesen' hat, dass man den 'Don Ramiro' schreiben, an den ästetischen Artikeln der 'Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik, herausgegeben von der Sozietät für wissenschaftliche Kritik', mitarbeiten, und dennoch sich wichtig vorkommen kann.
Man sang vorzeiten, als Don Ramiro zur Welt gebracht wurde:
Don Ramiro, Don Ramiro!
Langes Leben spinn' dir Kloto!
Rühmen werden dich die Weisen,
Und dich lesen wird Herr Hoto.
Ich ahme diesem Volksliede nach und singe:
Don Ramiro, Grand zu Hoto,
Du allein, du könntest schildern
Hirsewenzels trag'sches Werden
Dir gemäss mit Hegels Bildern.
Isidor näherte sich den sechs Gebrüdern Piepmeier mit Kamm und Nadel bewaffnet. Er kniete nieder, lösete die Bänder, welche die sechs Haarwüchse fesselten, so dass sie in sechs Fluten von sechs Nacken herniederwallten, und nachdem er mit seinem Geräte in diesem Sechsgelock Ordnung gestiftet hatte, ging er daran, zu strählen und zu flechten.
In diesem Augenblicke empfing er in seiner melancholischhumoristischen Weltanschauung die Gestalt des Till.
Sie erinnern sich gewiss dieser wundersamen Figur, mit welcher unser damaliger Wachtfriseur, nunmehriger Dichter, so vielen genialen Spass auszurichten sich bemüht hat. Meistens hat der Till es mit einem Barbierer, namens Schelle, er verschmäht aber auch Rätinnen und Polizeidirektoren nicht, nein! es ist zum Totlachen, was für Spässe der Till angibt, der durchtriebne Vogel, der Till ... und wenn ich an den Till denke, und an Till und Schelle, und Schelle und Till ... und an teil und Schille ... und an alle die Spässe von dem Till, so – – so – –" Der Freiherr brach bei der lebhaften Erinnerung an Tills Spässe in ein konvulsivisches lachen aus, welches so klang, als wenn hölzerne Klötzchen in einer Büchse von Blech hin und her geschüttelt werden. Der alte Baron klopfte ihm den Nacken, Münchhausen erholte sich wieder und fuhr fort:
" ... so kann ich nur bedauern, dass die 'Meerrettiche', die der Dichter auch in sechs Paar Trilogien auf seinem Krautfelde ziehen wollte, nicht fertig geworden sind. Doch vielleicht kommen sie noch nach, denn bei Hirsewenzel ist nichts unmöglich. Bis nun der Meerrettich zum Rindfleisch abgesotten sein wird, müssen wir uns mit dem Till behelfen, dem ich wohl eine Petersilie wünschen möchte, das gäbe eine Mariage von Küchenkräutern, worüber jeder Köchin das Herz im leib poppern würde.
Ich habe immer, wenn ich die Tille sah, an einen Menschen denken müssen, den ich einmal in einem dorf zwischen Jüterbog und Treuenbrietzen, mich dünkt, es hiess Knippelsdorf, oder so ungefähr, kennenlernte. Die Gegend um Knippelsdorf ist etwas unfruchtbar, nur bei grossen Überschwemmungen werden die Felder grün, dann gibt es grosse Festlichkeiten, wobei sich die Leute in Grütze satt essen. Aber hübsche Kiefern haben sie da, und Windhafer, soviel ihr Herz