sammelnden Wespen jeden, auch den Ruhigsten mutwillig anzufallen pflegen. Weshalb der Fleiss ein Freund seiner selbst und anderer genannt werden darf, die Faulheit aber als Feindin an sich und jedermann handelt. Und darum ist es mir so lieb, dass meine letzten Tage nunmehr aus dem müssigen Schwärmen, welches mich ganz aushöhlte und vernichtigte, in eine rühmliche Tätigkeit sich retten, bei welcher ich mit gutem Gewissen und starkem Bewusstsein geduldig die Rückkehr der alten Verhältnisse und meinen Eintritt in das höchste Gericht erwarten kann. Auch dass der Wohlstand sich wieder hebt, ist keinesweges gering zu schätzen. Sechsmalhunderttausend Luftsteine sind ein schönes Einkommen, denn wenn ich das Tausend Steine auch nur auf zehn Taler anschlage, so gibt das eine jährliche Revenue von sechstausend Talern. Von diesen will ich viertausend verzehren, und den Rest zurücklegen, halb für meine Tochter und halb für mein Pflegekind Lisbet zu einer Aussteuer."
Achtes Kapitel
Rechtsfälle und Auseinandersetzungen
Als der Syndikus und Luftverdichter diese Rede vollendet hatte, hörte er jemand auf den Söller kommen, rief ihn an und sah, dass es Karl Buttervogel war, der, wie er seinen Namen rufen hörte, ein Stück Wurst, welches ihm zum Frühstück dienen sollte, schnell in die Jackentasche steckte. Der begünstigte Diener pflegte nämlich auf dem Söller seine heimlichen Mahlzeiten zu halten, weil ihm das fräulein dieses ausdrücklich vorgeschrieben hatte, solange sein verlarvter Zustand dauern würde.
"Sieh, sieh, mein Freund!" rief der alte Baron, der für Esswaren ein scharfes Auge bekommen hatte, seitdem er sich so überaus mager behelfen musste, "was hat Er da? Schmecken Ihm so früh schon die fetten Bissen?" – "Ja", versetzte Buttervogel, "ich hab' die Wurst der Katz' abgejagt, die damit aus der Küche sprang." – "Nun, dann sei Ihm dieselbe gegönnt", antwortete der alte Baron, "es ist mir lieb, dass das Ungeheuer auch einmal merkt, wie es tut, wenn einem der Brocken vor dem mund weggeschnappt wird."
Karln war es gar nicht recht, dass der Söller seine Einsamkeit verlieren sollte. Er stand, kratzte sich im kopf, seufzte und sagte endlich: "Werden der gnädige Herr von nun an hier öfters sitzen?" Auf die bejahende Antwort des Alten seufzte der bisher wohlverköstigte Prätendent noch lauter, so dass der Schlossherr neugierig wurde die Ursache dieses Grams zu erfahren, jedoch aus dem Bedienten nur eine Rede von stiller Beschäftigung, gegenseitiger Störung, gutem Brote, vornehmer Liebe und Heiratserbieten, wenn fernerweite Verköstigung zugesagt werde, bringen konnte – ein Gemengsel, in welchem er sich nicht zurechtzufinden wusste. – "Was will Er eigentlich und warum sieht Er mich immer so sonderbar an?" fragte er Karln, der keinen blick von ihm verwandte.
"Gnädiger Herr", sagte der Schmetterling mit der Wurst in der tasche, "es geht nun und nimmer mit zwei Verrichtungen an einem Orte! Wo ein Webstuhl steht, kann keine Hobelbank stehen. Wofern Sie hier sitzen bleiben, ist's aus mit all meiner Freude auf Schnick-Schnack-Schnurr, und Schwiegerväter haben sonst auf Schwiegersöhne einige Rücksicht genommen und ihnen nicht ihr Brot verdorben, besonders wenn Schwiegersöhne mit dem gehörigen Respekt sich betragen, und ich kann sagen, dass noch kein unrechter Gedanke gegen Sie in dieses mein Herz gekommen ist, und neulich verstanden Sie mich nicht, als ich Ihnen die Stiefeln auszog und Sie bedeutsam anblickte, und heute wird's auch wohl noch dunkel bleiben zwischen uns, das tut aber nichts, wenn das Herz nur was taugt, und Gott sieht nicht den Rock an, sondern den Mann, und ich wollte Sie so gern schon einmal vorläufig kindlich verehren, und deshalb bitte ich, reichen Sie mir Ihre Hand zum Kusse und dann tun Sie mir den Gefallen, vom Söller zu gehen!"
"Von allem Seinem Gewäsche verstehe ich bloss, dass Er mich so gern von hier fort haben will, von welchem Verlangen ich nun aber wieder den Grund nicht einsehe", sagte der Baron. "Hier hat Er indessen meine Hand. Er scheint mir dennoch ein guter Kerl zu sein, und spricht vermutlich so dummes Zeug, weil Er auch nicht geschlafen hat, denn die Nacht war unruhig." Der Alte reichte dem Bedienten die Hand zum Kuss, dieser ergriff sie seufzend und drückte mit den halblauten Worten: "Was hilft mir die Hand, wenn ich den Söller nicht behalte?" einen Kuss darauf, worüber der Schlossherr gerührt wurde und einige Tränen vergoss. Er befahl hierauf seinem Verehrer, den Herrn zu ihm zu rufen, da er notwendig mit diesem sprechen müsse, und er solle auch wieder mitkommen. Karl Buttervogel ging die Söllertreppe hinab und murrte: "Das weiss ich schon, auf all mein Glück legt der Teufel seinen Schwanz; wo soll ich nun in Zukunft meine stillen Mahlzeiten halten?"
Er suchte seinen Herrn in der stube, im hof; endlich fand er ihn im Garten in der Taxuslaube hinter dem Genius des Schweigens. Dort hatte Münchhausen, um dem unermüdlichen Sägen des Schulmeisters zu entrinnen, seinen Kaffee getrunken, und war dann auf der Moosbank etwas eingenickt. Abermals erweckt, machte er ein erbarmenswürdiges Gesicht und hatte nicht einmal mehr die Kraft, den Diener auszuschelten. Denn er konnte keine Nachtwachen vertragen; der Schlaf war sein einziges Bedürfnis, ausser diesem hatte er fast keins. Als er die Bestellung gehört, rief er