Stolz mehr auf mich blicken wird, wenn ich mich auch noch so sehr anstrenge, kein Vater, keine Mutter, kein Bruder und keine Schwester, Alle sind dahin, Alles ist begraben!
Jetzt, sagte Dübois, gerührt von dem Schmerz des Knaben, musst Du Deinem Beschützer Ehre zu machen streben.
Ach! erwiderte dieser, der Graf ist so gut, so milde gegen mich, aber er ist ein vornehmer Herr, er wird immer mein Wohltäter bleiben, es wird ihn auch freuen, wenn ich etwas recht Tüchtiges lerne, weil er glaubt, dass es mir dadurch wohl gehen muss; aber welche Ehre kann ich ihm bringen? Welchen Stolz kann er empfinden, wenn er mich betrachtet, wenn ich auch alle Kräfte anstrenge und weit mehr als meine Kameraden leiste? Wenn Du ein recht grosser berühmter Gelehrter wirst, antwortete ihm Dübois, so dass andere Gelehrte einmal Deine Lebensgeschichte schreiben, wenn sie dann berichten, wie Du verloren gewesen wärest und die Welt niemals Deine Kenntnisse zu ihrem Segen hätte benutzen können, wenn nicht der Graf Hohental als Dein Beschützer aufgetreten und Dich vom Verderben errettet hätte, so dass die Welt seiner Grossmut die Erhaltung eines ausgezeichneten Geistes verdankt, glaubst Du nicht, dass dann der Graf mit Stolz auf Dich blicken wird, dass Du ihm Ehre machen kannst?
Und dann muss auch gesagt werden, rief der Knabe mit glühenden Wangen, indem er sich in die arme des Alten warf, wie Herr Dübois für mich gesorgt hat, wie er mich aus der Gemeinschaft mit den Bedienten errettet hat, und alles, alles, was Sie für mich getan haben, muss erwähnt werden.
Mache nur, dass ich es recht bald erlebe, sagte der gute alte Mann, dass mein Name so ehrenvoll genannt wird, dann werde auch ich Dich mit Stolz betrachten; aber bedenke, dass Du erst noch sehr Viel lernen musst, ehe wir alle diese Freude haben können.
Daran soll es gewiss nicht fehlen, rief der Knabe mit Begeisterung, das werden Sie schon sehen, so lange ich hier bin, wie ich Tag und Nacht studiren will. Er ging auch sogleich, aus der Bibliotek die nötigen Bücher zu holen, um diesen löblichen Vorsatz auszuführen.
Die Gesellschaft des Schlosses Hohental legte den Weg zum Baron Löbau in grosser Heiterkeit zurück, denn obgleich der Himmel bedeckt war, so war der Tag doch mild, warm, und der Weg führte durch anmutige Täler, die von klaren Bächen durchrieselt waren. Der blick auf die nahen Gebirge gewährte Mannichfaltigkeit, und das Geläute der weidenden Heerden erregte das Gefühl des Friedens ländlicher Einsamkeit.
Wenn ich mich auch ein wenig davor fürchte, sagte die Gräfin, einen grossen teil der Nacht für die Freuden der Geselligkeit aufopfern zu müssen, so ist es doch, als Spazierfahrt betrachtet, ein grosser Genuss, den Weg durch diese Täler zu machen.
Man gelangte endlich auf Heimburg an, und der Baron Löbau empfing seine Gäste mit sichtbarer Freude. Er hatte befürchtet, da sie später als die übrige Gesellschaft kamen, dass irgend ein Unfall sie überhaupt verhindern würde, ihr Versprechen zu halten, und diess würde ihm aus vielen Gründen höchst kränkend gewesen sein; denn erstens hielt er den Grafen für den vornehmsten und reichsten von allen seinen Nachbarn, dann hatte er die Absicht, dessen fest durch das seinige merklich zu überbieten, und endlich beabsichtigte er noch einen Plan auszuführen, von dem er hoffte, dass er ganz besonders zum Glanze seines Festes beitragen sollte.
Die Wolken von übler Laune also, die sich schon auf seiner Stirn gelagert hatten, zerstreuten sich, so wie der Graf mit seiner Gesellschaft den Saal betrat, und er wurde sehr heiter, als die Gräfin und Emilie aufrichtig die schönen Pflanzen und Blumen bewunderten, womit die Säle geschmückt waren; verdrüsslich wurde er zwar wieder etwas, als einige Tropfen Regen fielen, und trat mit sichtbarer Unruhe auf den Balkon hinaus; bald aber kehrte er beruhigt zurück, denn der Regen liess sogleich wieder nach. Seine näheren Bekannten schlugen nun der Gesellschaft einen Spaziergang in den Park vor. Die Damen betrachteten ihre Kleider und wären gern zurück geblieben; da aber die ganze Gesellschaft aufbrach, musste man sich fügen. Der Baron führte mit unendlicher Selbstzufriedenheit den Zug an, leitete die Gesellschaft in der Tat durch anmutige Anlagen, die wohl befriedigt haben würden, wenn man sie einfach, ohne immer zum Bewundern gezwungen zu werden, hätte besuchen dürfen; da er selbst aber sich bei einer jeden schönen Aussicht überrascht und entzückt zeigte, und behauptete, dass er sie jetzt zum ersten Male bemerkte, obgleich seine näheren Bekannten diese Ueberraschung schon oft mit ihm geteilt hatten, so wurde das Vergnügen der Gesellschaft sehr vermindert. Auf dem Bache, der den Park durchschlängelte, zeigten sich von Zeit zu Zeit Kähne mit Menschen, die beschäftigt waren zu fischen. Der Baron schalt auf die Freiheit, die sie sich genommen hatten, machte aber gegen seine Gäste die Bemerkung, dass die Unverschämteit dieser Menschen doch dazu beitrüge, in die Landschaft Leben zu bringen, und dass er sich gern seine Fische stehlen liesse, da dieser Umstand seinen Gästen zufällig den angenehmen Anblick des regen Lebens in den grünen Buchten verschaffte. Die Gäste lobten die wirkung, die die Fischerkähne machten, und bewunderten die Grossmut des baron, der sich den Diebstahl um der malerischen wirkung Willen gefallen lasse. Die Fischer liessen sich mit Ruhe schmälen und brachten, nachdem sie ihr Geschäft vollendet hatten, die Fische in