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hat mir auch versprochen, dass für unsere Pferde gut gesorgt werden soll, und da ich mich auf ihn verlassen kann, so kann ich den ganzen Tag, wenn Sie mich nicht brauchen, auf seinem Zimmer sitzen und lesen, denn hier sind unermesslich viele Bücher.

Du und Dein neuer Freund, sagte der junge Graf, Ihr scheint zu glauben, dass mein Aufentalt hier sehr lange dauern wird, da Ihr solche Pläne darauf gründet.

Herr Dübois meint freilich, erwiderte der Knabe schüchtern, dass Sie eine Zeitlang hier bleiben würden, um einen so vortrefflichen Verwandten, wie er den hiesigen Grafen schildert, näher kennen zu lernen.

Das wird sich zeigen, sagte der Graf düster, indem er sich erhob, um sich anzukleiden. Während dieser Beschäftigung rief er sich die Ursache zurück, die ihn hieher geführt habe, und dass er gezwungen sei, diese schwere, drückende Pflicht gegen seinen Vater zu erfüllen. Nur kann ich es nicht auf seine Weise, schloss er in Gedanken seine Betrachtungen; ich verstehe es nicht, eine Begebenheit langsam herbei zu führen; ich kann Niemanden untergraben und, wenn er fällt, geschickt seine Stelle einnehmen, wie mir der Vater das Alles so weitläufig auseinandergesetzt hat. Der Franzose soll aus dem haus, und das auf die einfachste Weise von der Welt.

Mit diesen Gedanken beschäftigt, betrat er den Saal, wo er die Hausgenossen schon versammelt fand, auf die er einen bessern Eindruck machte, als am vergangenen Abend. Der kurze Schlaf hatte die leidenschaftliche Spannung gelöst, die den vorigen Tag zu bemerken war, er war höflicher, wenn auch Kälte und Zurückhaltung in seinem Betragen nicht zu verkennen war, und man es wohl bemerkte, dass seine Seele sich mit andern Gegenständen beschäftigte, als denen, die eben im Gespräch verhandelt wurden.

Er hatte einige Mal höflich das Wort an St. Julien gerichtet, so dass es Niemandem auffallen konnte, als er ihm endlich einen gemeinschaftlichen Spaziergang in den Garten vorschlug. Dem Grafen war es angenehm, dass die beiden jungen Männer sich zu nähern schienen, und auch St. Julien ergriff gern die gelegenheit, einem Verwandten seines väterlichen Freundes näher zu treten, dessen unhöfliche Kälte ihn den vorigen Tag empfindlich beleidigt hatte.

Beide durchschritten die dem haus zunächst liegenden Gänge des Gartens ohne zu reden, und als St. Julien ein Gespräch anzuknüpfen suchte, wurde er bald durch die einsylbigen Antworten des jungen Grafen davon abgeschreckt. So gingen sie stumm neben einander, bis sie einen einsamen, vom haus ziemlich entfernten Platz erreichten, und St. Julien fing eben an zu bemerken, dass mit dem Gange in dem Garten wohl kein harmloser Spaziergang beabsichtigt sei, als der junge Graf auf ein Mal still stand und seinen Begleiter also anredete: Ich habe Sie gebeten, Herr St. Julien, mich in den Garten zu begleiten, um ungestört Ihnen Eröffnungen machen zu können, deren Folgen die Art bestimmen wird, wie Sie meine Offenherzigkeit aufnehmen werden. St. Julien schwieg betroffen und erwartete mit Spannung, wie der junge Graf in seinen Mitteilungen fortfahren würde. Wenn von meinem Geschick allein die Rede wäre, hob dieser nach sichtbarem Kampfe von Neuem an, so könnte es sein, dass ich Ihren Plänen nicht in den Weg getreten wäre; da aber das Schicksal eines alternden Vaters, einer leidenden Mutter, die Zukunft jüngerer Schwestern auf dem Spiele steht, so sind mir dadurch Pflichten auferlegt, die ich erfüllen muss.

St. Julien glaubte zu träumen, er begriff nicht, wie er auf die entfernteste Weise auf das Schicksal aller dieser genannten Personen einwirken könne, und bat den jungen Grafen, fortzufahren, damit er diesen Zusammenhang begreifen möge. Sie könnten mich leicht verstehen, sagte der junge Graf mit Bitterkeit, ohne weitere Auseinandersetzung, da Sie es aber selbst so wollen, so will ich Ihnen eine genügende Erklärung geben. Das Vermögen, welches Ihr gönner, mein Oheim, besitzt, ist nicht so schlechterdings nach dem Rechte sein, sondern käme zum grossen Teile meinem Vater zu, dessen beschränkte Lage ihn zwingt, den Raub in den Händen seines Verwandten zu lassen. Die unglückliche Heirat des Grafen hat ihn von seiner Familie gänzlich entfernt, welche die Gräfin, wie wir aus sicherer Quelle wissen, hasst und von der sie den Grafen fern hält, damit er nicht etwa in einer schwachen Stunde, von seinem Gewissen angeregt, der Familie einigermassen Gerechtigkeit widerfahren lasse.

Hier nun übt der Graf, mein Oheim, Grossmut nach allen Richtungen aus fremden Mitteln, aber doch vorzüglich gegen die Feinde des Landes, die seine Freunde zu sein scheinen, und, schloss der Graf zornig, da die Gräfin eine Vorliebe für Sie empfindet, die sich nicht erklären lässt, und meinen schwachen Oheim beherrscht, so wissen wir, dass es im Werke ist, Ihnen das ganze Vermögen zuzuwenden, wie Sie auch schon grosse Summen empfangen haben. Desshalb wollte ich Ihnen raten, sich mit dem Empfangenen zu begnügen und nicht einer achtungswerten Familie zu entziehen, was ihr wenigstens nach dem tod des Grafen zufallen muss, wenn sie auch leidet, so lange er lebt, und ich fordre, um diesen Zweck zu erreichen, dass Sie das Haus meines Oheims verlassen, und werde von dieser Forderung nicht abstehen, so lange ich lebe. Ich hoffe, Sie verstehen mich nun vollkommen.

St. Julien war erstarrt bei dieser Rede des jungen Grafen. Ein instinktartiges Gefühl leitete seine Hand, nach der Waffe zu greifen, die