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die Gesundheit des Königs getrunken werden, der Lärm, das Jubeln dabei muss so laut als möglich getrieben werden, um eine bedeutende wirkung hervorzubringen. Bei mir bleibt es ein Friedensfest, ich beabsichtige damit mancherlei, worüber ich mich jetzt noch nicht erklären kann. Mit schlauem Lächeln entfernte sich der Baron, nachdem er seine Absicht erreicht hatte. Der Graf hatte nur ungern nachgegeben, ihm schien es nicht anständig, eine laute Freude zu bezeigen bei so viel Ursache zum Kummer; auch glaubte er, selbst die Summe, die für ein solches fest aufgewendet werden müsste, könne im gegenwärtigen Augenblick besser benutzt werden; indess, da nun einmal das Versprechen gegeben war, so wurden Einladungen weit und breit versandt. Die Gräfin und Emilie ordneten mit Dübois an, wie die Genüsse dieses Festes aufeinander folgen sollten, und der alte Haushofmeister sorgte viel zu eifrig für die Ehre des Hauses, als dass nicht durch ihn die Wirtschafterin und die Köche gehörig in Tätigkeit gesetzt worden wären. Während der Beschäftigungen des Schlachtens, Backens und aller anderen Vorbereitungen, die ein grosses fest auf dem land erfordert, konnte es der Graf nicht lassen, seinem Missmute dadurch Luft zu machen, dass er zuweilen mit St. Julien darüber scherzte, wie mühselig diese Anstalten zur Freude wären, bei denen doch am Ende Alles auf Essen und Trinken hinaus liefe. Der junge Mann gab ihm Recht, und die Gräfin bemerkte: Es gibt überhaupt sehr wenige Festlichkeiten, bei denen der Genuss im verhältnis zu der Mühe stände, die die Anstalten dazu verursachen. Die Aufmerksamkeit wurde auf einen andern Gegenstand gelenkt, als der Prediger kam und dem Grafen einen Brief brachte. Ich kann es mir nicht erklären, sagte der Geistliche, ich habe hier noch einen Brief, der ist von dem alten Lorenz, worin er mich ersucht, ihm seine Pension, die Sie ihm auszahlen, zu übermachen; er fügt zu diesem Zwecke auch die Quittung bei, und mit demselben Boten kommt der Brief an Sie, und dieser Bote ist ein Bauer von dem Gute Ihres Herren Vetters, der mir versichert, der alte Lorenz sei dort auf dem Schloss; auch ist der Brief an Sie mit dem Hohentalschen Wappen gesiegelt.

Der Graf öffnete diess Schreiben, und es fand sich, dass es von seinem Vetter, dem jungen Grafen, war, der ihm meldete, dass er schon lange das Verlangen gehegt habe, ihm, als seinem Verwandten, seine Hochachtung zu bezeigen, und da nun durch die grosse Reduktion der Armee er für jetzt verabschiedet sei, so glaube er, die Musse, die ihm dadurch geworden, nicht besser benutzen zu können, als wenn er diesen lang genährten Wunsch befriedige, und so kündigte er sich hiemit für einen der nächsten Tage auf Hohental an.

Der Brief war mit so grosser Zurückhaltung und trockner Kälte geschrieben, dass er keine gute Meinung für den Verfasser bei dem Grafen erregte, denn er dachte: Ist es für ihn ein so lästiger Zwang, mich zu besuchen, so hätte er es ja unterlassen können, da ihn Niemand dazu aufgefordert hat; macht er aber die Reise trotz seines Widerwillens, so muss eine Absicht damit verbunden sein. Indess verschwieg der Graf diesen Gedanken und äusserte bloss gegen den Prediger, dass es ihn freue, seinen jungen Vetter kennen zu lernen, der ihm seinen Besuch ankündigte. Ich konnte nicht darauf kommen, setzte er hinzu, ihn zu unserm Feste einzuladen, da ich nicht wusste, dass er schon bei seinen Eltern ist, und auch die Entfernung zu gross ist, als dass man ihn zu den Nachbaren rechnen könnte; der Weg, den er zu machen hat, muss schon eine Reise genannt werden, und ich hoffe desshalb, er wird sich länger bei mir aufhalten wollen, wenn er auch noch zu unserm Friedensfeste kommen sollte.

Ich begreife nur nicht, was der alte Lorenz dort macht, sagte der Geistliche. Da er kein Dokument mehr verkaufen kann, sagte der Graf mit einiger Bitterkeit, so lassen Sie ihn treiben, was er will. Er händigte hierauf dem Geistlichen die halbjährige Pension des ehemaligen Kastellans gegen dessen Quittung ein, der darauf den Boten am andern Tage zurückzusenden versprach.

Es war am Vorabende des grossen Festes, alle Anstalten waren beendigt, und man konnte nun dem verständigen Dübois die Ausführung ruhig überlassen. Jetzt, sagte die Gräfin scherzend zu Emilie, die eben etwas erhitzt und ermüdet eintrat, fängt das fest für uns schon an; nun brauchen wir für nichts mehr zu sorgen, jetzt ruht die Bürde allein auf Dübois Schultern, der das grosse Werk gewiss zu unserer Zufriedenheit ausführen wird; also setze Dich nun zu uns und lass uns einmal wieder ein vernünftiges Gespräch führen, wozu seit gestern kein Mensch hat kommen können.

Emilie wollte eben antworten, als man einen Wagen vorfahren hörte. Um Gottes Willen! rief St. Julien, es kommt doch wohl nicht ein voreiliger Gast schon heute. Man eilte zu den Fenstern; der angekommene Fremde war schon ausgestiegen, indess der leichte, kleine, mit zwei unansehnlichen Pferden bespannte Reisewagen, der Knabe von funfzehn bis sechszehn Jahren, der zugleich Kutscher und Bedienter zu sein schien, diess Alles deutete auf keinen vornehmen Gast. Die Gesellschaft wendete sich eben nach dem saal zurück, als Dübois die Flügeltüren öffnete und mit ehrerbietiger stimme in den Saal hinein rief: der Herr Graf von Hohental. Der Angekündigte trat ein, und Aller Augen waren auf einen jungen Mann gerichtet, dessen edler