, mein teurer Freund, fürchte ich, wird noch vieles Unglück herbeiführen, denn durch diese Anstrengung werden unzählige Familien verarmen, und doch sind sie durchaus notwendig, damit die Feinde aus Berlin weichen und der König wieder in der Mitte seiner Untertanen sein kann.
Ach mein armer König! rief der Obrist, wie muss sein edles Herz bluten, wenn er all das Elend betrachtet, das auf seinen Kinder ruht, denn er liebt sein Volk; er hat das Herz eines Vaters für unsere Leiden, und mit welchen Schmerzen fühlt gewiss die Königin die allgemeine Not.
Wir müssen, sagte der Graf, das edle Beispiel nachahmen, das unser Königshaus uns gibt. Der König hat seinen Haushalt auf's Aeusserste beschränkt, um die allgemeine Last so viel als möglich zu erleichtern. Wenn wir Alle uns auf das Notwendigste beschränken und alles Ueberflüssige zum Besten des staates verwenden, so lässt sich hoffen, dass vielleicht den drückenden Verpflichtungen genug getan werden kann.
Der Obrist betrachtete den Grafen mit einem traurigen blick, fasste dann seine hände und sagte mit bebender stimme: Der König kann nichts mehr für den Einzelnen tun, es wäre Wahnsinn, es noch zu hoffen; also, teurer Graf, werden Sie niemals den kleinsten teil aller für mich gemachten Auslagen zurückerhalten.
Sind wir denn noch so kalte Freunde, sagte der Graf in dem Tone sanften Vorwurfs, dass Sie an diese Armseligkeit denken und sich darüber sorge machen? Lassen Sie uns jetzt den Kummer über unser Vaterland teilen, aber auch die Hoffnung für die Zukunft nicht ganz aufgeben.
Die Freunde trennten sich, und obwohl der Obrist tief über sein Vaterland trauerte, so segnete er doch sein Geschick, das ihm einen Freund zugeführt hatte, der ihn mit starker Hand von dem Abgrunde zurückgezogen hatte, in welchen er beinahe versunken wäre, und dessen Liebe nun sein Alter mild schirmte. Unwillkührlich wurden seine Gedanken Worte, und er rief, indem er die Hand der Tochter drückte: Ja, er handelt gegen mich wie ein liebender Sohn! Die Tochter verstand sein Gefühl und drückte einen Kuss auf die väterliche Hand.
Wenige Tage, nachdem der Friede allgemein bekannt geworden war, erschien der Baron Löbau auf Schloss Hohental, um den Grafen, seinen Nachbar, wie er sagte, freundschaftlich zu besuchen. Man bemerkte aber bald, dass mit diesem Besuche noch eine Absicht verbunden sei, und dass er das Gespräch mannigfach wendete, um mit diplomatischer Feinheit seinem Zwecke näher zu rücken; endlich äusserte er, da doch nun der Friede dem land wiedergeschenkt sei, so schiene es ihm passend, eine anständige Freude darüber zu bezeigen.
Und aus welchem grund, fragte der Graf, kann uns dieser Friede erfreulich scheinen?
Einmal, sagte der Baron mit Verlegenheit, ist doch das Blutvergiessen geendigt, und dann, teurer Graf, bester Nachbar, die Klugheit fordert es, dass wir uns erfreut darüber zeigen, dass wir unsern König behalten. Welcher preussische Untertan, entgegnete der Graf, hat hierüber wohl ein anderes Gefühl, und welcher Mann von Ehre wird ein anderes bei uns voraussetzen?
Ganz gut, sagte der Baron mit wichtiger Miene, aber leider trifft man nicht auf lauter Männer von Ehre. Ich muss es sagen, ob es mich gleich schmerzt, man hat nur zu viel darüber gesprochen, dass Sie, mein bester Nachbar, ein heimlicher Anhänger der Franzosen wären, des guten Herren St. Julien wegen, der bei Ihnen im haus lebt. Mir ist der Zusammenhang dieser Sache zu genau bekannt, ich habe also allentalben widersprochen, überall Ihre Partei genommen, aber was ist die Folge davon gewesen? Nichts anderes, als dass man mich für Ihren Mitschuldigen erklärt. Wir müssen also durchaus etwas tun, die Gemüter zu versöhnen, wenn uns diese Ansicht nicht höchst nachteilig sein soll; kurz, wir müssen ein Friedensfest veranstalten, zuerst mag diess bei Ihnen geschehen, dann bei mir.
Ich bin gern bereit, sagte der Graf mit Heftigkeit, alle meine Nachbaren und Freunde bei mir zu sehen, aber unmöglich kann ich sie unter dem Vorwande versammeln, als wolle ich mich mit ihnen über einen Frieden erfreuen, der mein Herz mit dem tiefsten Kummer erfüllt.
Tun Sie es unter welchem Vorwande Sie wollen, sagte der Prediger, der zu der Gesellschaft hinzugekommen war, aber ich glaube selbst, dass es gut ist, wenn Sie sich Ihren Nachbarn mehr nähern, denn ich kann nicht läugnen, dass die nachteiligen Gerüchte, welche der Herr Baron erwähnte, wirklich bestehen, und es ist das letzte Mittel, um zu zeigen, dass man nichts Verdächtiges in seinem haus hegt, wenn man es einer grossen Gesellschaft öffnet.
Wenn es denn sein muss, sagte der Graf empfindlich, dass ich, um mich von Verdacht zu reinigen, meine Nachbarn bewirte, so mag ein solches Reinigungsfest in des himmels Namen stattfinden, ich will mich nicht weigern; aber als Freudenfest wegen dieses Friedens will ich es nicht betrachtet wissen.
Bedienen Sie sich eines andern Vorwandes, sagte der Prediger, man wird Ihnen auf jeden Fall dankbar sein, wenn Sie anfangen, die Gesellschaft wieder zu vereinigen, wodurch den Menschen ein Uebergangspunkt von der langen drückenden Traurigkeit während des Krieges zu neuer Heiterkeit gegeben wird.
In einigen Tagen, sagte der Graf, fällt der Geburtstag der Gräfin ein; ich werde also an diesem Tage ein fest veranstalten, so gut es auf Hohental gehen will.
Schön, sagte der Baron; dabei kann auf jeden Fall unter Trompetenschall