's Beste zu bewirten, begab sich die Gesellschaft nach dem Speisezimmer, um sich nach den Beschwerden des Tages bei einer wohl zubereiteten Abendmahlzeit zu erholen.
Da wir nun ein wenig zur Ruhe gekommen sind, sagte die Gräfin, so bitte ich Sie, uns doch mitzuteilen, wo Sie den Verwundeten in so kläglichem Zustande gefunden haben.
Sie wissen, erwiderte der Graf, dass unser guter Nachbar, der Baron Löbau, nicht mit mir über die Grenzen unserer Besitzungen einig ist, und dass ich, da mir der Zustand der Ungewissheit im Grossen, wie im Kleinen zuwider ist, und ich Streitigkeiten verabscheue, mich entschloss, trotz der ungünstigen Witterung, mit ihm nach der Gegend hinzureiten, um wo möglich an Ort und Stelle Alles auszugleichen. Wir machten den Ritt mit einander, und auf einer kleinen, von waldbewachsenen Hügeln umgebenen Fläche, mitten im streitigen Grenzlande, fanden wir den unglücklichen jungen Mann; wir entdeckten, da wir untersuchten, noch Spuren des Lebens, ich hüllte ihn in meinen Mantel und ritt nach dem nächsten dorf, um hülfe herbei zu rufen; der Herr Prediger war so gut mich zu begleiten, wir boten den Schulzen und die Bauern auf, und eilten, so schnell es sich tun liess, nach dem wald zurück. Der gute Baron war indess bei dem Verwundeten geblieben, er hatte ihn mit hülfe des Bedienten auf eine trockene Stelle gebracht und suchte ihn gegen den Regen so viel als möglich zu schützen. Der Kranke hatte die Augen einigemale aufgeschlagen, und ein dumpfes Stöhnen zeigte, dass er noch lebte; der Herr Pfarrer verband in der Eile seine Wunden, wir legten ihn auf Kissen und hüllten ihn in Decken, und ich nahm meinen Mantel zurück. Als der Verwundete auf der Bahre lag, trat der Baron davor, und indem er feierlich um sich blickte, fragte er, wohin nun mit ihm? Es käme dem zu, für ihn zu sorgen und der Regierung darüber zu berichten, auf dessen Grund und Boden er gefunden worden, allein wessen ist der Grund und Boden? Ich bemerkte, da meine wohnung näher liege, als das Schloss des baron, so wollte ich mich der Pflege des Verwundeten annehmen. Sehr wohl, erwiderte der Baron, aber ohne dass dadurch ein Recht auf diesen Grund und Boden entsteht; wenn Sie es bloss als eine Handlung der Menschlichkeit und nicht als eine Possess-Ergreifung betrachten wollen, so bin ich zufrieden, dass Sie ihn fortbringen lassen. Ich gab feierlich mein Wort, auf die Handlung kein Recht zu begründen; der Herr Pfarrer war Zeuge unseres Vertrags, und danach sezte sich der Zug in Bewegung. Wir hielten im dorf an, der Herr Pfarrer suchte dem Kranken einige stärkende Mittel einzuflössen, wir versahen uns mit Lichtern, und so erreichten wir endlich nach manchen ängstlichen Augenblicken das Schloss.
Und hier, rief der Arzt mit Hastigkeit, wird nun der junge Mann unter meinen Händen entweder genesen oder sterben.
Eines von beiden, erwiderte der Graf, wird wahrscheinlich eintreten, doch hoffe ich von seiner Jugend und Ihrer Geschicklichkeit das Beste.
Es steht schlimm um ihn, bedenklich schlimm, sagte der Arzt, indem er die Augen fest zudrückte und den Kopf auf die linke Schulter senkte. Aber warum, fuhr er nach einem kurzen Schweigen den Pfarrer an, warum haben Sie ihn nicht lieber in ihrem haus behalten? Der lange, beschwerliche Weg über das Gebirge hat die Kräfte des armen Kranken noch vollends erschöpft und gewiss seinen Zustand sehr verschlimmert.
Ich dachte, sagte der Pfarrer mit einiger Verlegenheit, da Sie hier im haus sind, und ärztliche hülfe das Wichtigste für den jungen Mann ist, dass es am Besten sei, wenn er unter Ihren Augen wäre.
Nichts, nichts! rief der Arzt, Sie selbst verstehen recht viel von der Kunst, Sie hätten ihn gut pflegen können, Sie hätten die Einsichten gehabt, alle nötigen Mittel richtig anwenden zu können, es wäre dem Kranken nichts bei Ihnen abgegangen.
Aber, sagte der Pfarrer verdrüsslich, Sie hätten nicht so oft nach ihm sehen können, und das ist doch das Wichtigste.
Ich hätte mir, rief der Arzt, mein Pferdchen satteln lassen, schnell wäre ich des Morgens bei Ihnen gewesen; was mach ich mir aus Beschwerde! Und hätte ich hier keinen Kranken gehabt, und das Wetter wäre zu schlecht gewesen, so wäre ich die Nacht bei Ihnen geblieben, das hätte sich Alles machen lassen, und Sie haben immer unrecht daran getan, den armen Menschen so weit, auf so schlechten Wegen, bei solchem Wetter und in einem so elenden Zustande fortschleppen zu lassen.
Der Arzt ahnte nicht, wie sehr er den Pfarrer quälte, denn er wusste nicht, dass dieser zwar höchst dienstfertig war und alle hülfe leistete, so lange bloss seine Tätigkeit in Anspruch genommen wurde, dass er sich aber augenblicklich zurück zog, wo seine Hülfsleistungen ihm Kosten verursachten oder Verantwortlichkeit zuziehen konnten. Als man desshalb vor seinem haus mit dem Verwundeten anhielt, kämpfte er in der Tat mit sich, ob er ihn nicht aufnehmen sollte, denn er sah das Gefährliche seines Zustandes wohl ein, indess die Furcht vor Kosten und Verantwortlichkeit trug den Sieg über seine Menschenliebe davon, und er folgte dem zug mit banger sorge, denn ihn quälte die Furcht, der Kranke möchte unterwegs sterben, und es war ihm eben so peinlich, daran zu denken, was auf den Fall alle seine Pfarrkinder von ihm sagen möchten, als