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, sagte der General kalt, die Sache scheint nicht solcher natur zu sein, dass sie sich aufrichtig mitteilen lässt. geben Sie mir morgen Ihren Brief. Hiemit entliess er den jungen Mann, der, aufs Tiefste verletzt, sein einsames Zimmer suchte, um den Schmerz zu verbergen, der sein Herz zerriss, da er sah, wie er von dem General verkannt wurde, der offenbar zu glauben schien, dass wenig ehrenvolle Gründe ihn zum Schweigen bestimmten.

Der Arzt war indessen auf dem schloss angekommen und berichtete, dass das Unglück viel gelinder vorüber ginge, als man hatte vermuten können. Anfangs, rief er, ja Anfangs, da sah es freilich übel aus; die Franzosen kamen wütend wie die Tigertiere; Der forderte Wein, Jener wollte Braten und fisch, und die Verwirrung war grenzenlos, denn die armen unvernünftigen Bauern verstanden nicht einmal, was ihre Gäste wollten; diese nahmen ihre Zuflucht zu Prügeln, um sich verständlich zu machen; die Weiber fingen an zu heulen; die Kinder kreischten dazwischen; kurz, es war ein Getöse, als ob die Welt untergehen sollte. Zum Glück war ich gegenwärtig, fuhr der Arzt mit Selbstzufriedenheit fort; ich, der niemals seine Pflichten versäumt, wenn die Erfüllung derselben auch mein Leben in Gefahr bringen sollte, ich besuchte heute wie immer meine Kranken, und auch zu dem Schmerzenslager drang das wüste Geschrei. Da ich nun französisch verstehe, so konnte ich wie eine wohltätige Gotteit zwischen Feinde und Bauern treten; ich bewirkte, dass die Franzosen ihre Forderungen herabstimmten, indem ich ihnen die Unmöglichkeit zeigte, dass der Bauer nicht geben könne, was er nicht hat; und ich erklärte den Bauern die Bedürfnisse ihrer Gäste; diese hörten auf zu prügeln, und die Weiber, statt zu heulen, deckten die Tische. Die Feinde wurden guter Laune und die Gemüter näherten sich; dabei fand es sich, dass einige Franzosen krank sind, die Feldapoteke ist aber schlecht versehen, und der junge Arzt der Franzosen war sehr in Verlegenheit; auch hier kann ich heilbringend dazwischen treten; ich habe, was er bedarf; ich werde ihm selbst die nötigen Arzneien hinbringen, und er wird meinen Rat benutzen; den Bauern aber habe ich befohlen, für Kraftbrühen für die Kranken zu sorgen.

Auch dafür, sagte der Graf, wird besser hier im Schloss gesorgt werden können.

Das ist wahr, rief der Arzt, auch Feinde sind Menschen, die Wissenschaft macht keine Unterschiede, ich muss sie wieder herzustellen suchen, und wollen sie so undankbar sein, wenn sie durch meine hülfe ihre Glieder wieder brauchen können, sie zu unserem Schaden zu benutzen, so ist das ihre Sache, die sie verantworten mögen.

Der General war wieder zur Gesellschaft zurückgekehrt und hatte des Arztes Bericht, von diesem unbemerkt, gehört. Er verstand im Ganzen seine Mitteilung und lächelte über die seltsamen Geberden, womit er seine Rede begleitete. Jetzt, rief der lebhafte Arzt, muss ich erst sehen, wie es mit Herrn St. Julien steht, und dann zurück zu meinen Franzosen. Er wendete sich schnell und bemerkte nun, dass der General dicht hinter ihm gestanden hatte, und da er, nachdem er sich gewendet hatte, in die Augen des feindlichen Anführers blickte, so sprang er vor Schrecken, St. Juliens erwähnt zu haben, drei Schritte zurück. Ich Unglücklicher! rief er aus, welche Unvorsichtigkeit habe ich begangen! Der General, der ihn erriet, sagte: Beruhigen Sie sich, ich lasse Ihnen Ihren Kranken, Sie sind ein braver Mann, wenn auch etwas sonderbar, lächerlich würden wir in Paris sagen, aber hier in Deutschland werden Sie vielleicht bloss etwas seltsam genannt werden.

Der Arzt war erstaunt und empört zugleich, dass man ihn lächerlich finden könnte, und die dunkle Röte seines Gesichts wie seine funkelnden Augen zeigten, dass er etwas Heftiges antworten wollte; der Graf, der ihn erriet, lenkte jedoch seinen Zorn ab, indem er ihn erinnerte, dass er heute St. Julien noch nicht besucht habe, und ihn auch bat, sich nach dem Befinden der Gräfin zu erkundigen. Der Arzt eilte hinaus, diese doppelte Pflicht zu erfüllen, und der General sagte, als er den Saal verlassen hatte, zum Grafen: Das scheint eine gutmütige Karrikatur. Du hast Deinen Haushalt recht vollständig auf den Fuss der guten alten Zeit eingerichtet, denn Du besitzest in diesem Deinem trefflichen arzt, wie es scheint, zugleich einen Hofnarren.

Wir müssen es unsern Besiegern gestatten, sagte der Graf lächelnd, unsere gelehrten Freunde mit Namen zu bezeichnen, wie es ihnen gut scheint, und haben kein Recht oder wenigstens keine Macht, ihre Freimütigkeit zu beschränken.

Nimm es nur nicht übel, sagte der General gutmütig, dass ich meine Meinung ohne Umstände aussprach; aber gewiss muss man sich erst an die wunderlichen Manieren Deines Arztes gewöhnen, ehe man seine guten Eigenschaften gehörig würdigen kann, und mit einem Französisch ist der Mann behaftet, dass ich es, in welcher Gegend der Welt ich auch war, noch niemals barbarischer vernommen habe.

Und grade diess, sagte der Graf, ist sein Stolz. Er ist überzeugt, dass er wie ein geborner Pariser spricht; sein Ohr hört gar keinen Unterschied.

Nun siehst Du, erwiderte der General, Du musst seine Narrheit ja selbst zugeben.

Der Prediger konnte sich in der Nähe des Generals gar nicht behaglich fühlen, und es war ihm also sehr erwünscht zu vernehmen, dass die Rückkehr nach