indem er beide arme nach dem Grafen ausstreckte, kennen Sie mich denn nicht wieder? Es ist ja unmöglich, teurer Freund, dass das Andenken an mich ganz bei Dir verlöscht ist; muss ich mich denn nennen, hast Du denn alle heitern Stunden in Paris vergessen? Clairmont! rief der Graf mit Erstaunen. Derselbe, bester Graf, erwiderte der General, indem er ihn herzlich in seine arme schloss.
Wir haben uns lange nicht gesehen, sagte endlich der Graf lächelnd, Vieles hat sich seitdem geändert, und es ist nicht leicht, in dem General Clairmont den heitern, schlanken, tanzenden Clairmont, meinen damaligen Freund, wieder zu erkennen, und gewiss hättest Du es damals wohl nicht geglaubt, dass Du jemals unter Umständen, wie die gegenwärtigen, mein Gast sein würdest. Gewiss, gewiss nicht, sagte der General und sah sich mit einiger Unruhe nach seinem Adjudanten um. Erlaube, sagte er drauf zum Grafen, ein kleines Dienstgeschäft. Der Graf zog sich zurück, und der General trug dem Adjudanten auf, jede Gewalttätigkeit zu verhindern, alle Vorräte unberührt zu lassen, Alles, so viel als möglich, in die Nebengebäude einzuquartieren und sich überhaupt so zu betragen, als ob sie zum Besuch bei einem Freunde wären.
Der Adjudant eilte, diese, den früheren so entgegen gesetzten Befehle zu erteilen, und der General wendete sich wieder zu dem Grafen. Hätte ich nur ahnen können, sagte er, dass diess Dein Schloss wäre, mein alter Freund, so hätte ich Dich zwar besucht, aber nicht mit so ansehnlicher Begleitung, nicht auf Kriegsfuss; aber man hat Dich mir nur immer als den reichen Grafen, ohne Dich zu nennen, bezeichnet, und da dachte ich dann, – ich dachte, man könne es sich hier etwas bequem machen, ohne dass ich nach Deinem Namen fragte.
Der Adjudant kehrte zurück; der Befehl zu schonen war etwas zu spät gekommen; die Vorräte waren schon unter die Truppen verteilt, noch etwas Wein hatte der Adjudant retten können, weil man ihn zum Gebrauch des Generals zurück gelassen hatte, und auch die Pferde des Grafen hatte er wieder nach dem Stalle zurück führen lassen. Die dem Prediger gehörigen hatten noch keinen Liebhaber gefunden und waren also ebenfalls gerettet.
Indem der General noch mit der Verlegenheit hierüber kämpfte, zeigte sich Dübois an der tür und winkte mit ängstlichen Mienen dem Grafen. Der General bemerkte es und fragte misstrauisch: Es gibt doch keine neue Unordnung durch meine Leute? Und als Dübois statt aller Antwort mit den Achseln zuckte, rief er: Reden Sie, wenn, was Sie zu sagen haben, Jemanden aus meinem Gefolge betrifft. Wenn es Ew. Excellenz denn befehlen, sagte der Haushofmeister zögernd, so muss ich berichten, dass die gnädige Frau Generalin die Zimmer der Frau Gräfin und des Fräuleins in Besitz genommen und unsere Damen daraus verdrängt hat, so dass Alle, auch die Frau Predigerin, nun in das kleine Zimmer der Haushälterin zusammen gedrängt sind, wo die Frau Gräfin krank auf dem Bette liegt; ich wollte nun um den Befehl des Herrn Grafen bitten, um zu erfahren, was zur Erleichterung und Bequemlichkeit der Frau Gräfin geschehen kann. Eine dunkle Röte, hervorgerufen von Scham und Zorn, verbreitete sich über das Gesicht des Generals. führen Sie mich nach dem Zimmer der Frau Gräfin, rief er dem Haushofmeister zu. Voran! ich folge Ihnen. Dübois tat, wie ihm befohlen worden, und schritt voran; der General folgte und der Graf schloss sich an, um wo möglich einen unangenehmen Auftritt zu verhindern. Dem Prediger wäre es unmöglich gewesen, zurück zu bleiben, auch wenn ihm Jemand diese Qual hätte auferlegen wollen; er folgte also ebenfalls den Uebrigen.
Als dieser Zug das Zimmer der Gräfin erreichte, fanden sie die junge Dame, welche den General zu Pferde hieher begleitet hatte, vor dem Spiegel sitzen. Sie hatte das Reitkleid schon ausgezogen, und hatte um den entblössten Busen und die Schultern einen durchsichtigen Musselin geworfen, der bei jeder Bewegung entüllte, was er scheinbar verhüllen sollte. Diese leichte Tracht erregte ihr keine Verlegenheit, obgleich drei bis vier Bediente im Zimmer waren, die Schachteln und Pappkasten aller Art herauf gebracht hatten, aus deren Inhalt ihre Gebieterin einen reizenden Anzug wählen wollte. Die eben gebrauchte Schminke stand noch vor ihr, und sie war damit beschäftigt, einen Zweig Rosen in ihre dunkeln Locken zu befestigen, als der General eintrat, dem sie zärtlich entgegen lächelte. Lassen Sie mich meine Kleidung vollenden, bat sie ihn, ehe ich Ihnen zur Tafel folge.
Nicht hier ist Ihr Ankleidezimmer, sagte der General mit Härte, folgen Sie mir dahin, wo Sie hingehören; und all der Kram uns nach! rief er den Bedienten zu. Er ergriff nach diesen Worten ziemlich unsanft die Hand seiner Freundin und führte sie mit Gewalt in ihrer leichten Tracht nach dem saal; die noch nicht recht befestigten Rosen hingen herunter, schlugen bei dem eiligen Schritte, zu welchem der General sie zwang, die Wangen der Schönen; die Bedienten rafften Reitkleid, Schminke, Blumen und Schachteln unordentlich zusammen, und folgten dem zug, der auf diese Weise in die Mitte des Saales gelangte, wo der General die Hand der Dame plötzlich los liess und dem Grafen sagte: Du wirst gewiss die Güte haben, dieser person ein Zimmer anweisen zu lassen.
Mit ungewissen Blicken betrachtete der Graf die junge Dame und sagte: Wenn Madame Deine Gemahlin ist, –