1836_Bernardi_007_53.txt

Bemerkung mit: Jetzt kommen sie aus der Schlucht heraus; Wer kann sie diesen Weg geführt haben? Das muss ein Einheimischer sein, ein Fremder hätte ihn nie gefunden. Es sind Reiter, fuhr er fort, im Sonnenschein sehe ich es deutlich; jetzt biegen sie hier herum; sie kommen zum Schloss; am Ende hätte ich besser getan, meine Familie nicht hieher zu bringen. Auch Equipagen sind in dem zug; Der dort mit dem grossen Federbusch wird wohl der General sein. Was? Auch eine Dame zu Pferde und ein schwarzgekleideter Herr neben dem General? Wo soll das Alles unterkommen, und Gott weiss, ob nicht schon unterwegs Viele untergebracht sind; am Ende ist mein Haus schon voll wilder Menschen, die mir Alles zerschlagen und verzehren, und wie soll ich nun durch den Haufen zurück? Er sprach immer fort, das Fernrohr noch lange vor sein Auge haltend, ob es gleich nicht mehr nötig war, denn Jedermann konnte schon längst ohne dessen hülfe bemerken, wie ein bedeutender Zug Kavallerie sich dem schloss näherte. Der Anführer ritt jetzt an der Spitze, zu seiner Rechten eine Dame in Reitkleidern, die mit grosser Sicherheit zu Pferde sass und den Kopf nach allen Seiten hin wendete, so dass der Wind mit den wallenden Federn ihres Hutes spielte. Zur Linken des Anführers ritt ein junger Mann in schwarzer Kleidung, der, als der Zug sich schon dem Baumgange näherte, der zum Schloss führte, sich zurückzog, indem er sich vor dem Anführer ehrerbietig neigte; als er desshalb den Hut abnahm, wurde sein dunkel gelocktes Haar sichtbar, und der Graf glaubte den jungen Mann zu erkennen, den er damals auf dem Meierhofe bei dem Verwalter antraf, mit dem er des Obristen Talheims Rechnung berichtigte. Die den französischen Anführer begleitende Dame und der junge Mann begrüssten einander mit grosser Vertraulichkeit, als der Letzte sich von dem zug trennte.

Der Graf wendete sich jetzt nach dem saal zurück und bemerkte, dass die Gräfin bleich und bebend auf die ankommenden Feinde schaute, und Emilie sich ängstlich an sie schmiegte. Lassen Sie uns nicht die Fassung verlieren, meine Lieben, sagte der Graf, und eilig beraten, was nun geschehen muss. Diese, ach! diese Truppen, sagte die Gräfin mit dumpfer, kaum hörbarer stimme; auch Dübois, der in den Saal getreten war, schien ungewöhnlich bleich und blickte ängstlich auf die Gräfin. Der Graf hatte nicht Zeit über den Eindruck nachzudenken, den die ankommenden Feinde auf seine Hausgenossen machten. Er rief der Gräfin zu, sich zurück zu ziehen, die stumm Emiliens Arm nahm und mit ihr hinauswankte. St. Julien konnte nicht begreifen, wie die Annäherung der Franzosen einen so entsetzlichen Eindruck machen könne, wie er ihn an der Gräfin bemerkte, wenn er auch begriff, dass sie als Feinde unwillkommen sein mussten. Auch Sie bitte ich, sagte der Graf zu ihm, fürs Erste mit Dübois den Saal zu verlassen, ich und der Herr Prediger, wir wollen die neuen Gäste empfangen.

Kaum hatte man diese wenigen Anordnungen treffen können, als der französische General, von seinem Gefolge umgeben, die Dame zu seiner Rechten, in den Hof einritt. Man konnte wohl bemerken, dass die Feinde gut unterrichtet sein mussten, denn sie hatten den Verwalter des Guts schon in ihrer Mitte und zwangen ihn, ihnen die für die Pferde nötigen Vorräte anzuzeigen; auch gab ihm der General selbst in gebrochenem Deutsch den Befehl, die vorhandenen Pferde auszuliefern, damit der Wagen der Dame neu bespannt werden könnte; das Schloss, so endigte sein Befehl, nehme ich in Besitz, so lange ich hier verweile. Der Verwalter, ein ziemlich unterrichteter Mann, stellte dem General in französischer Sprache vor, da der Graf und seine Familie hier sei, so würde seine Excellenz doch gewiss darauf Rücksicht nehmen. So lange ich hier bin, bin ich Ihr Herr, antwortete der General ebenfalls französisch, und Sie haben dafür zu sorgen, dass alle meine Befehle pünktlich befolgt werden. Ihr Graf mag es lernen, sich in dieser Zeit ohne sein Schloss und ohne seine Diener einzurichten. Er war mit diesen Worten abgestiegen; ein Adjudant bot der Dame die Hand, und der General rief diesem zu: Sorgen Sie zunächst für die Zimmer von Madame. Ich werde selbst für mich sorgen, erwiderte die Schöne mit dreistem Lächeln und hüpfte an der Hand des Adjudanten die Treppe hinauf.

Der General stieg nun ebenfalls, langsam, von vielen Offizieren umgeben, mit Würde die Treppe hinauf. Der Pfarrer fühlte, wie sein Herz innerlich bebte, als das Klirren der vielen Sporen sich dem saal näherte. Er hatte vom Fenster aus bemerkt, in welcher Schnelligkeit die Feinde von allen Nebengebäuden und allen Vorräten, die sie entielten, Besitz genommen hatten; er fürchtete nun für sich, für seine Familie und auch für den Grafen und dessen Hausgenossen.

Die Flügeltüren des Saales wurden geöffnet, der General trat herein und der Graf ihm mit Anstand entgegen. Ich weiss es, Herr General, dass der Krieger im Kriege oft genötigt ist, mit Härte seine Bedürfnisse zu fordern, doch bin ich von französischen Kriegern überzeugt, dass sie jeden Druck vermeiden werden, den nicht die Umstände gebieten.

Der General schwieg einen Augenblick und betrachtete den Grafen zweifelhaft. Ihr Name, sagte er endlich, ist Ihr Name nicht Hohental? Der bin ich, sagte der Graf und blickte nun ebenfals verwundert auf den General. Mein Gott! rief dieser,