lächelte, verriet mehr Tiefe des Gemüts, als man bei gewöhnlichen Dienern findet. Es war bekannt, dass er die französische Revolution mit allen ihren Folgen verabscheute, und er dehnte diesen Abscheu auf Alles, sogar auf die jetzige Kleidertracht aus, die, wie er meinte, auch eine Folge der Revolution sei. Er also war der alten guten Zeit getreu geblieben, wie in seinem inneren, so auch in seinem Aeussern, und ihn schmückte noch ein brauner Rock mit seidenem Futter und goldgesponnenen Knöpfen, wie es sich für einen Haushofmeister aus dieser guten Zeit ziemte. Seine Haare waren frisirt und gepudert und hinten in einem zierlichen Haarbeutel vereinigt, er steckte, wenn er vor seine herrschaft trat, drei Finger seiner rechten Hand in die mit Seide und ein wenig Gold gestickte, atlassne Weste, indess er den Hut unter dem linken arme hielt, auch erlaubte er sich nie anders, als in seidnen Strümpfen, vor der Gräfin zu erscheinen. So belehrte er die Bedienten des Hauses, mit solcher Ehrerbietung behandelte man ehedem seine herrschaft und zeigte dadurch öffentlich der Welt, dass man Leuten von hoher Geburt diente, die durch ihre edlen Eigenschaften unsere tiefste Verehrung verdienten. Aber jetzt, seufzte er dann oft, jetzt ist freilich Alles anders, seit der unglücklichen Revolution kümmert sich kein Diener mehr darum, von welcher Geburt seine herrschaft ist, auch sind ihm ihre Eigenschaften gleichgültig, Geld und Lohn wird jetzt allein berücksichtigt. Wahrhaft gekränkt konnte der alte Mann sein, wenn auf solche Rede ein leichtsinniger Bedienter antwortete: natürlich, was geht mich die herrschaft an, Wer am Besten bezahlt, dem diene ich am Liebsten, und mich kümmert es wenig, was er ist oder wie er ist. Wenn er solche Antworten auf seine wohlgemeinten Reden erhielt, dann zog er sich gewöhnlich auf sein Zimmer zurück und las Anekdoten aus der guten alten Zeit, von treuen Dienern und edlen Herren, und Niemand würdigte so sehr, als er, den bekannten Haushofmeister des grossen Condé, der sich in Verzweiflung selbst entleibte, weil er glaubte, er würde den König nicht so bewirten können, wie es die Ehre seines Herren erforderte.
Diesem Dübois näherte sich nun die Gräfin und fragte, indem sie ihn mit ihrem gewöhnlichen durchdringenden blick ansah, mit etwas leiser stimme: Haben Sie den verwundeten Officier schon gesehen? Ja, gnädige Gräfin, erwiderte der alte Mann, indem er sich verbeugte, ich habe ihn gesehen. Er richtete einen schnellen traurigen blick auf die Gräfin, indem er diese wenigen Worte sagte, der Niemand sonst auffiel, der aber die Gräfin so bewegte, dass sie mit wankender stimme sagte: Der Graf wünscht, lieber Dübois, Sie möchten die sorge für den Kranken übernehmen, wenn es Ihre Kräfte und Ihre Gesundheit erlauben, das heisst, fügte sie erklärend hinzu, Sie möchten die Oberaufsicht führen, damit ihm nichts mangle, und da er wahrscheinlich nur französisch reden wird, und folglich Niemand von der Dienerschaft ihn verstehen kann, seine Wünsche von ihm erfahren und dann den Bedienten die nötigen Befehle geben. Ich habe den gnädigen Herren Grafen schon um die erlaubnis bitten wollen, antwortete der alte gutmütige Mann, für die Pflege des Kranken zu sorgen; denn, sezte er mit einem Seufzer hinzu, wenn ich auch sonst keine Teilnahme für ihn hätte, so ist er doch ein Franzose, zwar ein Franzose aus der jetzigen Zeit, aber doch immer ein Sohn meines Vaterlandes, und das ist für mich hinreichend, um für ihn wie für einen eigenen Sohn zu sorgen. Ich wusste, dass Sie so denken, sagte der Graf, indem er ihm freundlich auf die Schulter klopfte, und Sie erzeigen mir eine wahre gefälligkeit dadurch, dass Sie die Pflege des jungen Mannes übernehmen, denn nun kann ich völlig sicher sein, dass nichts versäumt wird, und in seiner gefährlichen Lage alle Vorschriften des Arztes genau befolgt werden. Dieser war nun auch hinzugetreten, und da er vernommen hatte, dass Dübois die Krankenpflege übernehmen wollte, so behandelte er ihn von diesem Augenblicke an halb als einen Amtsgenossen, halb als einen Untergebenen; er gab ihm ohne Umstände eine Menge Aufträge, was er alles für den Kranken tun sollte, und fügte bei jedem Auftrage die Ursache hinzu, warum Dieses und Jenes geschehen müsse. Dübois hörte Alles geduldig an und blieb in seiner höflichen Fassung, doch als der Arzt endlich im Eifer der Rede einen Knopf der atlassenen Weste fasste, und indem er heftig daran zog, ihm einschärfte, alles Sprechen des Kranken zu verhindern, wurde der alte Mann ungeduldig, entzog sich mit einer geschickten Bewegung den Händen des Arztes und verliess mit einer Verbeugung das Zimmer, indem er sich kaum entalten konnte zu bemerken, dass ehedem, vor der Revolution, auch die ärzte besser erzogen gewesen wären, und nur die eigene gute Lebensart ihm die Kraft gab, diese unfeine Bemerkung zu unterdrücken.
Der Graf wendete sich nun an den Prediger mit der Bitte, die Nacht auf dem schloss zu bleiben, um ihm am andern Morgen beizustehn, den nötigen Bericht an die Regierung über den Verwundeten aufzusetzen; mein Beamter, sagte er, ist in diesem Augenblicke abwesend, und ich, fügte er lächelnd hinzu, bin erst seit so kurzer Zeit hier, dass ich völlig fremd in den Geschäften bin. Der Prediger war sehr gern bereit, allen Beistand zu leisten, und nachdem auch seine Sache abgemacht war, und man den Befehl erteilt hatte, den Schulzen und die Bauern auf