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, sich bereit zu halten, damit er nach wenigen Augenblicken wieder fahren könne. Wir wollen eine halbe Stunde von hier füttern, setzte er mit leiser stimme hinzu, dort ist eine gute Schenke, wo wir uns auch selbst eine Güte antun können. Der Bauer war es gern zufrieden. Des Pfarrers Pferde waren abgespannt, und dieser rief nun dem alten Lorenz zu, er solle kommen und sein Versprechen erfüllen.

Beide stiegen nun die grosse Treppe hinauf, der Pfarrer mit einem Ausdruck von Verachtung gegen Lorenz im Gesicht, und dieser mit Seufzern, die ihm die Erinnerung erpresste, wie er sonst diess Schloss beinah als sein Eigentum betrachtet hatte; die glänzenden Tage gingen schnell vor den Augen seines Geistes vorüber, wo sonst zuweilen der Pfarrer als sein Gast auf dieser Treppe von ihm war bewillkommnet worden, dem er nun so demütig und mit so bösem Gewissen folgte. Sie hatten das Archiv erreicht, und der Geistliche war mit dem ehemaligen Kastellan eingetreten, nachdem er die tür geöffnet hatte. Lorenz blickte ihn befremdet an und sagte: "Ich hatte mir ausgemacht, hier allein und ungestört zu suchen." Der Pfarrer verschloss gleichgültig von innen die Tür, steckte den Schlüssel zu sich und sagte dann sehr gelassen: meine Gegenwart wird Sie nicht stören, ich werde hier ruhig am Tische sitzen bleiben und das versprochene Geld aufzählen, damit Sie es gleich in Empfang nehmen können, sobald Sie mir die Urkunde einhändigen. Er fing dies Geschäft auch sogleich an, und die hundert Dukaten waren aufgezählt, ehe Lorenz noch wusste, was er tun sollte, ob er auf die Entfernung des Geistlichen dringen oder in dessen Gegenwart seine Schelmerei ausüben solle. Der Glanz des Goldes, der ihm in die Augen leuchtete, bestimmte ihn zu letzterem, und er näherte sich entschlossenen Schrittes den Schränken, worin die Urkunden aufbewahrt wurden, aber eine neue Verlegenheit machte, dass er gedankenvoll stehen blieb; er sah die Schränke aufgeräumt, alle Schriften darin in der besten Ordnung, er begriff nicht, wie er den Schein retten sollte, und sah auch keine Möglichkeit sich zurückzuziehen, ohne vorher sein Versprechen erfüllt zu haben. Ein blick auf das funkelnde Gold, das eben recht in den Sonnenstrahlen glänzte, die durch ein hohes Fenster grade auf den Tisch fielen, gab ihm neuen Mut, und er näherte sich herzhafter einem der Schränke. Der Pfarrer bewachte mit den Augen alle seine Bewegungen. Lorenz blätterte ein wenig in den Papieren, hob einige Pergamente auf und legte sie wieder nieder, trat dann ein wenig von dem Schranke zurück, und sagte mit gepresster stimme: Ei, was liegt denn hier? Er bückte sich tief auf den Boden, und der Pfarrer sah deutlich, wie er ungeschickt mit zitternden Händen die Urkunde aus dem Busen zog und dann tat, als habe er sie zwischen dem Schranke und der Wand hervorgezogen. Was finde ich hier? rief er mit erleichterter Brust und reichte dem Pfarrer, der zu ihm getreten war, die Schrift hin.

Der Geistliche nahm schweigend das Dokument, um es schnell durchzusehen, ob es das Gesuchte und ob es auch vollständig sei. Lorenz hatte sich nun völlig gefasst und sagte in seinem gewöhnlichen, heuchlerischen Tone: Gott sei gedankt, der mich das Gesuchte hat finden lassen und nicht hat zugeben wollen, dass der Name eines alten, redlichen Dieners der Verläumdung Preis gegeben würde. Er vergebe denen, die leichtsinnig ihre Augen nicht gehörig brauchen, und wenn sie dann nicht finden, was sie suchen, redliche Greise verlästern.

Der Pfarrer hatte sich während dieser Rede vollkommen überzeugt, dass er die Schrift in seinen Händen hielt, an deren Besitz dem Grafen so viel liegen musste; er faltete sie zusammen, steckte sie in den Busen, und nachdem er den Rock sorgfältig zugeknöpft hatte, sah er dem alten Sünder mit Zorn und Verachtung in die Augen, der diesen blick nicht ertragen konnte, sondern schüchtern vor sich nieder blickte. Glauben Sie, hub der Geistliche nach einem augenblicklichen Stillschweigen an, dass ich so blödsinnig bin, mich von Ihnen täuschen zu lassen? Glauben Sie, dass ich nicht gesehen habe, wie Sie die Urkunde aus dem Busen zogen, die sie mich nun bereden wollen, hier gefunden zu haben? Hätten sie nicht verdient, dass der Graf Sie für Ihren schändlichen Diebstahl den Gerichten überlieferte und Sie der öffentlichen Schande Preis gäbe? Können Sie es vor Gott verantworten, dass Sie einen Herren zu grund richten wollten, dessen Brod sie funfzig Jahre gegessen haben, auf dessen Kosten Sie sich verheiratet und Ihre Kinder erzogen haben, und der trotz Ihrer Schlechtigkeit Erbarmen mit Ihrem Alter hat und Sie weder der Schande, noch dem Mangel Preis geben will? Denken Sie nicht daran, alter Sünder, dass Ihr grauer Scheitel bald von der Erde bedeckt im grab ruhen wird, dass Sie dann vor Gott stehen und Rechenschaft von Ihrem Sünderleben geben müssen?

Herr Pfarrer, stammelte der ehemalige Kastellan, wollen Sie mir Ihr Wort brechen, wollen Sie mich zu grund richten?

Nein, elender Mensch, rief der Pfarrer mit grosser Verachtung, nehmen Sie Ihr durch Diebstahl und Betrug gewonnenes Gold und eilen Sie, Sich aus dem haus zu entfernen, dessen Bewohnern Sie so vielen Dank schuldig sind und so schändlichen Undank gezeigt haben. Der Geistliche öffnete die tür, indem er diese Worte sagte. Lorenz raffte mit gierigen und doch vor Furcht zitternden Händen das Gold zusammen, und war so eilig, sich zu entfernen, dass er Hut