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grossen hof, der nach der Strasse zu gewendet vor dem Eingange des Hauses lag, grosse Pflanzungen von Bäumen, blühenden Sträuchern und Blumen angelegt werden, zwischen denen hindurch ein Weg für die Wagen frei gelassen werden sollte, so dass dieser Hof künftig zur Zierde des Hauses dienen könnte, und die ganze Familie war auf demselben versammelt, wo der Graf und Evremont eben nach ihrem Plane die verschiedenen Plätze ihrer Bestimmung gemäss abstecken liessen. Man hatte mit Teilnahme dieser Arbeit zugesehen, bis ein auf den Hof rollender Wagen die Aufmerksamkeit Aller auf den Ankommenden lenkte. Die leichte von zwei Postpferden gezogene Equipage hielt vor dem Eingange des Hauses, und hinaus schauten unter weissen Augenbrauen die freundlichen Augen Dübois. Ein allgemeiner Ausruf der Freude bewillkommnete den zurückkehrenden Greis. Aller hände streckten sich ihm entgegen und auch die Bedienten eilten, die Teilnahme ihrer herrschaft nachahmend, herbei; doch Evremont drängte sie zurück und er selbst bot dem Greise die Hand zur Stütze, der mühsam aus dem Wagen stieg, sich entzückt in dem freudigen Kreise umschaute und dann sagte: Hier ist mein Frankreich, ich habe es jenseits des Rheins nicht gefunden.

Wie im Triumph wurde der alte Mann in's Haus geführt und er konnte seine Rührung nicht bewältigen, als Adalbert an seinem Halse hing, die von Alter gebleichten und gefurchten Wangen mit den frischen Rosenlippen zärtlich küsste, und sagte: Endlich habe ich Dich alten Papa Dübois wieder, nun darfst Du nicht wieder fort, und ich hoffe, Du hast mir schöne Sachen aus Deinem Frankreich mitgebracht. Ja wohl habe ich das, sagte der Alte, die Tränen von den grauen Wimpern trocknend, das wollen wir alles nachher auspacken.

Man bemerkte jetzt erst einen zehn- bis zwölfjährigen Knaben, der dem alten Dübois gefolgt war und nun, verlegen an der Tür stehend, mit den grossen schwarzen Augen im saal umher blickte. Dübois erinnerte sich jetzt auch seiner. Er machte sich von Adalbert los, näherte sich ehrerbietig dem Grafen und sagte: Ich habe vielleicht das Vorrecht eines alten Dieners gemissbraucht, indem ich mir die Freiheit genommen habe, diesem edlen haus einen neuen Diener zuzuführen. Ich habe mich dieser hülflosen Waise angenommen und glaube ihn um so sicherer Ihrem Schutze empfehlen zu dürfen, als ich diesen selbst im haus des alten Grafen Evremont fand, der mich als hülflosen Knaben bei sich aufnahm und mich zum Diener seines Sohnes, meines seligen Herrn, bestimmte. So, dachte ich, könnte nun dieser Knabe seinem Urenkel, dem kleinen Grafen, dienen, wozu ich ihn selbst noch anleiten kann, wenn Sie ihn Ihres Schutzes würdigen.

Wen Sie, guter Dübois, sagte der Graf, für würdig Ihres Beistandes halten, der ist mir ein willkommener Hausgenosse, und es freut mich, wenn ich für Ihren Schützling etwas tun kann.

Diess arme Kind, sagte Dübois, hat bei seiner Geburt schon die Mutter verloren. Der Vater ist bei den Verfolgungen der Protestanten kürzlich umgekommen, und es wagte Niemand aus Furcht vor den Geistlichen, die im südlichen Frankreich ihr Wesen treiben und sich Missionäre nennen, sich des armen Kindes anzunehmen, das, den Ermahnungen seines sterbenden Vaters gehorchend, seinem Glauben treu bleiben und nicht zur katolischen Kirche übertreten wollte. Die Geistlichkeit dort wollte ihn mit Gewalt in ein Kloster bringen, um, wie sie sagten, seine Seele zu retten, und diess wäre auch wirklich geschehen, wenn ich mich nicht zum Erstaunen aller dasigen Einwohner seiner angenommen hätte. Um mich und ihn den Verfolgungen zu entziehen, gegen die mich auch mein graues Haar nicht geschützt haben würde, beschleunigte ich unsere Abreise, denn mich hielt nichts mehr in Frankreich zurück. Alle, die mir durch die Bande des Blutes jemals angehört hatten, waren teils in der blutigen Revolution, teils in den furchtbaren Kriegen umgekommen, und Frankreich selbst ist durch die unglückliche Revolution so entstellt worden, dass es seinen alten liebenswürdigen Charakter nicht wieder gewinnen kann, und der König selbst will das Alte auf eine Weise, dass es gar nicht mehr das Alte wird. Doch Gott behüte mich davor, dass ich meinen rechtmässigen König tadeln sollte. Aber an die Stelle der Irreligiosität, die während der Revolution mein Herz erschreckte, soll nun eine Religionsunduldsamkeit treten, von der ich nicht glaube, dass sie Gott gefällig sein kann. Ich hoffe, fuhr der alte Mann mit Wärme fort, als ein ächter Katolik zu sterben, aber ich habe so viel Tugend bei Andersglaubenden gefunden, dass ich nicht befürchten kann, Gott werde sie verstossen, wenn sie auch in manchen Punkten irren sollten, und desshalb kann ihm die Verfolgung nicht wohlgefällig sein.

Der Graf lobte die milde Frömmigkeit des alten Mannes und versprach für das Fortkommen des mitgebrachten Knaben zu sorgen. Als Dübois sein Zimmer betrat, rührte es ihn von Neuem, hier Alles in der Ordnung zu finden, wie er es verlassen hatte, als wenn seine Rückkehr täglich wäre erwartet worden, und als er sich von der Reise etwas erholt hatte, musste er dem Dringen Adalberts nachgeben und die für ihn mitgebrachten Geschenke auspacken. Sehen Sie, sagte der alte Mann bei jedem Stück, das er dem neugierig zuschauenden kind vorzeigte, diess ist französisches Spielzeug, diess sind französische Farben, hier sind französische Bilderbücher, diess sind französische Confituren, und als alle Herrlichkeiten vorgezeigt waren, deutete er auf den fremden Knaben, der bei dem Auspacken geholfen hatte, und sagte: Und diess ist Ihr französischer Kammerdiener. Der grosse Nachdruck, den der Alte auf das