ich später von rückkehrenden, wie ich verstümmelten Kriegsgefährten erfuhr, Du widersprächest dem von Camillo ersonnenen Mährchen nicht, so glaubte ich, Du schwiegest bloss, weil Dir die Beweise wider uns mangelten, und als ich nun endlich auch Antonios Ende erfuhr, und nun meine Seele durch beichte und Busse erleichtern durfte, legte ich mein furchtbares geheimnis auch auf meiner Mutter Herz, die mit der liebevollen Lucretia hieher gekommen war, wo ich kümmerlich vom halben Sold lebte, um das Leben eines Sünders zu erleichtern. Seit der Zeit habe ich mich auf Deinen Anblick vorbereitet und den Entschluss gefasst, durch ein vollkommenes geständnis Dir jeden nötigen Beweis gegen mich zu liefern; seit der Zeit lebe ich nur der Reue und Busse.
Ja und einer so furchtbaren Busse, sagte die Mutter klagend, dass meine letzte Hoffnung darüber schwindet. Wir hatten sein Unglück erfahren und seine weinende Braut, meine brave Lucretia, sagte: Um so mehr bedarf er einer treuen Begleiterin durch das Leben, die ihn sein Unglück vergessen lehrt. Wir kamen nach Paris, und das Bekenntniss seines Verbrechens erfüllte das Herz des armen Mädchens mit Schauder. Sie rang mit Tränen und Gebet vor Gott und der heiligen Jungfrau, und sagte: Wenn er sich selbst verabscheut, wenn die Menschen ihn meiden, Wer soll ihn nach und nach mit sich selbst und mit Gott versöhnen, wenn nicht die treue Freundin seiner Jugend? Aber er legte sich so harte Bussen auf, dass sie seine Seele immer zaghafter machten, und finster entfernte er sich von der Liebe und überlieferte sich gänzlich der Qual, der Geisselung und jeder Marter. Sein strenges Fasten zehrt jede Lebenskraft auf und führt ihn an den Rand des Grabes, und ich, die ich mich lange eine glückliche Gattin eines geachteten Mannes wähnte und mich endlich als die Genossin eines Räubers fand, die die stolze Mutter dreier in Jugendkraft blühender Söhne war, verlor zwei davon, kaum wurde mir der letzte verstümmelt erhalten, und dieser letzte wird vor mir, die ich krank und elend bin, in's Grab sinken und meine arme Lucretia wird zum Lohne ihrer endlosen Liebe einsam vergehen, wenn sie endlich auch die Mutter, die ihr Fleiss ernährt, begraben haben wird.
Das schweigende Mädchen erhob sich jetzt, und indem sie zum ersten Male die Lippen öffnete, sagte sie, ruhig um sich blickend: Ich schäme mich meiner treuen Neigung nicht und ich läugne sie nicht. Ein verächtlicher Bösewicht wird gewiss das Herz des Weibes, das ihn aus Täuschung liebte, von sich entfernen, wenn sie ihren Irrtum erkennt. Aber was bleibt dem Menschen auf dieser armen Erde, wenn das Herz seiner Lieben ihm nicht bleibt, die das seinige vollkommen kennen und es wissen, wie vieler schönen Empfindungen es noch fähig ist, wenn der schwache Mensch sich auch zu einem Verbrechen hat hinreissen lassen. Ich will, fuhr sie fort, Franceskos Tat nicht beschönigen, ich erkenne in ihr ein grosses Verbrechen, das die gesetz der Menschen mit dem tod bestrafen, aber Gott, der die Tiefen seines Herzens kennt, wird sie ihm dennoch vergeben, und so bleibt auch meine Liebe ihm selbst im tod treu, denn ist er auch ein Verbrecher, er ist kein Bösewicht, und wenn ihn Alles verlässt, so wird mein Herz ihm noch Trost, meine Seele noch achtung bieten.
Nicht ohne Rührung sagte Evremont, sich an Francesko wendend: Du siehst die Milde der ewigen Liebe abgespiegelt in einer Menschenbrust, aber wie uns dieser Anblick auch innig bewegt und uns zur Ehrerbietung zwingt, glaubst Du nicht, dass Gottes Liebe dennoch milder ist, als die auch der besten Menschen? Darum ermanne Dich Francesko und gelobe mir Eins. Er bot dem reuigen Sünder die Hand, die dieser heftig ergriff, in demselben Augenblicke schmerzlich zusammenzuckend. Was hast Du wieder? fragte Evremont mit edler Ungeduld.
Es schmerzt und entzückt mich, sagte Francesko, dass Deine reine, grossmütige Hand so arglos in der Mörderhand ruht, die feindlich Dein edles Herz zu treffen suchte. Lass das, antwortete Evremont, ihm die Hand schüttelnd, und antworte mir, willst Du mir geloben, was ich von Dir fordere?
Ich will, sagte Francesko, und Gott sei mein Zeuge, ich will es noch treuer halten, als meinen freventlichen Eid.
So gelobe mir, sagte Evremont feierlich, Dir selbst zu vergeben, wie ich Dir von ganzem Herzen verzeihe. Gelobe mir Deine künftige Busse nur in Werken der Liebe zu üben und es zu unterlassen, Dich selbst zu martern, damit Du den Deinen ein Trost sein und ihre Leiden mindern kannst, statt ihren Jammer zu vermehren. Gelobst Du mir diess?
Ja, ich gelobe es Dir, sagte Francesko mit hervorbrechenden Tränen; Du hast in dieser Stunde die Qualen der Hölle von meiner Seele genommen, und ich werde mir wieder ein Mensch unter Menschen und nicht mehr ein ausgestossener Verbrecher scheinen.
Evremont trat zu dem Tische, an dem das Mädchen gearbeitet hatte, und indem er zwei schöne Rosen nahm, sagte er zu ihr: Nicht wahr, Sie geben mir diese, dass ich sie meiner Gattin als ein Andenken an eine schöne Stunde bringe? Lucretia neigte bejahend das Haupt, denn sie vermochte vor Rührung nicht zu sprechen, und Evremont verliess, von den Segenswünschen der Familie begleitet, die enge wohnung, worin nun lauter beruhigte Gemüter zurück blieben.
Auf der Strasse angelangt nahm Evremont den ersten Mietwagen, der ihm aufstiess, weil er durch diess Labyrint von