überzeugt gewesen war, dass sie mit diesem Könige wiederkehren würde, noch von Seiten der Regierung ein ernstaftes Streben, die Wünsche der Nation zu befriedigen, und die Art, wie die Religion nach Frankreich zurückkehrte, konnte den von natur milden und edlen Geist des Greises am Wenigsten befriedigen. Die heftig streitenden Parteien, die er allentalben traf, verletzten sein Gefühl für Schicklichkeit, und nachdem er jeden Tag missvergnügter geworden war, überraschte er Evremont eines Abends mit der Erklärung, dass er den andern Morgen nach dem südlichen Frankreich abreisen werde, um sich nach einigen entfernten Verwandten zu erkundigen, die sich dortin zurückgezogen haben sollten. Evremont konnte ihn von diesen Nachforschungen nicht zurück halten und musste mit Betrübniss den Greis scheiden sehen, denn er hatte gehofft ihn zu bewegen, mit ihm nach dem deutschen Ufer des Rheins zurückzukehren, und war durch das sichtliche Missfallen seines alten Freundes an dem jetzigen Zustande der Dinge in Paris in dieser Hoffnung bestärkt worden, und nun musste er ihn zu seinem Kummer gänzlich aus den Augen verlieren.
Um sich von diesen und andern unangenehmen Eindrücken durch Zerstreuung zu erholen, war er in eins der glänzenden Kaffeehäuser getreten, wo er eine zahlreiche Gesellschaft fand, die, wie diess damals gewöhnlich geschah, laut die begebenheiten des Tages beurteilte und die Schritte der Regierung auf's Heftigste tadelte. Evremont bemerkte bald, dass er sich an einem Versammlungsorte der leidenschaftlichsten Bewunderer und Anhänger Napoleons befand, und nur der aufgeregte Zustand dieser Männer machte es erklärlich, wie ihnen entgehen konnte, was dem Unbefangenen sogleich auffiel, dass viele Mitglieder der Gesellschaft, die am Heftigsten sich zu ereifern schienen, im grund nur da waren, um die übrigen zu beobachten.
Kaum hatte Evremont einige Augenblicke hier verweilt und von dem dienstfertigen Aufwärter eine Erfrischung gefordert, als er von mehreren Anwesenden bemerkt wurde, die ihn erkannten, und als einen Mitgenossen entschwundenen Ruhms und vorübergegangener Gefahren begrüssten. Es waren diess verabschiedete Offiziere, die unter Napoleon mit ihm in Spanien gedient hatten. Zu ihnen gesellten sich mehrere Spanier, die damals die Partei der Franzosen ergriffen und dem König Joseph gedient hatten, und die nun nach der Rückkehr des Königs Ferdinand sich den Verfolgungen im vaterland entziehen und unter Frankreichs Himmel Schutz für ihr Leben suchen mussten. Die gegenseitige Wiedererkennung war von manchem Ausrufe der Ueberraschung und der Freude begleitet. Erinnerungen an mit einander bestandene Gefahren und kleine Abenteuer, wie ein solcher Krieg sie bietet, folgten diesen, und einige Spanier erinnerten ihn daran, dass sie ihn im haus der witwe Don Fernandos kennen gelernt hätten, und in dem so fortgeführten Gespräch erfuhr Evremont, dass diese schöne witwe sich mit einer Verwandten gegenwärtig in Paris befinde und dass ihr Haus wieder, wie früher in Madrid, der Versammlungspunkt einer glänzenden Gesellschaft sei. Er liess sich ihre wohnung sagen und entfernte sich, so bald es sich tun liess, aus diesem lauten Kreise, weil er bemerkte, dass er seinerseits ein Gegenstand der Aufmerksamkeit der beobachtenden Mitglieder geworden war.
Ein gemischtes Gefühl von Teilnahme und Neugierde trieb ihn an, noch denselben Morgen einen Besuch bei Don Fernandos witwe zu machen. Er hörte, als er gemeldet wurde, einen Ausruf der Freude, und als er eintrat, kam ihm die schöne witwe mit allen Zeichen freudiger Ueberraschung entgegen und begrüsste ihn herzlich als einen Verwandten, worauf sie ihn ihrer Freundin vorstellte, die ebenfalls witwe geworden war und noch die Trauer für ihren verstorbenen Gatten trug, und als Evremont auch diese begrüsst hatte und sich nun im saal umsah, bemerkte er den General Clairmont, der ihm herzlich die Hand drückte, und ihm zum Genusse der Freiheit und wiedergewonnenen Lebensfreude Glück wünschte. Doch was führt Sie hieher? fragte der General im Laufe des Gesprächs. Ich dächte, Paris könnte Ihnen jetzt nichts bieten, was Sie aus den Armen Ihrer Freunde, worunter wunderschöne arme sind, über den Rhein zu uns hinüber locken könnte.
Evremont teilte ihm die Ursache seines Hierseins mit, und der General sagte: Sie haben Recht sich völlig zurückzuziehen, auch ich habe es getan. Als unser Stern noch ein Mal aufleuchtete, hoffte ich, er würde von Neuem seine kühne Bahn durchlaufen, und schloss mich ihm mit vielen tausend braven Herzen an; seit er aber bei Waterloo sich neigte und alsdann auf St. Helena sank, halt ich ihn für völlig untergegangen, und wenn selbst durch ein Wunder Napoleon noch ein Mal erschiene, würde ich mein Schicksal nicht mehr an das seinige schliessen. Seine ersten Erfolge waren so glänzend, dass er die Mitwelt in Erstaunen versetzte und sie blendete, seine zweiten gränzten an's Wunderbare und rissen alle Herzen mit ihm fort, günstige Erfolge eines dritten Erscheinens aber halte ich für unmöglich, und da ich gewiss weiss, dass ich ihm nicht mehr dienen kann, so will ich auch meine Ruhe nie wieder aufgeben, ob ich gleich nicht so philosophisch durch den langen Aufentalt bei Ihrem Vater, meinem alten Freunde Hohental, geworden bin, wie ich glaubte, denn ich habe die Einförmigkeit des Landlebens nicht lange ertragen können, und ich denke, ich werde meine beiden Knaben in Paris noch besser als in der Einsamkeit erziehen können.
Da Evremont durch den Grafen das Ende des alten Bertrand und seiner Gattin kannte, für die er lebhafte Teilnahme behalten hatte, weil er sich dankbar erinnerte, wie sehr sie sich bemüht hatten, selbst an Allem Mangel leidend ihm die Beschwerden des Rückzuges zu erleichtern, so äusserte er gegen den General seine Freude darüber, dass der verwaiste