um sie damit zu schmücken, und auch für meine Schwiegermutter, die sich eigentlich noch lieber putzt und bunter kleidet, als es sich, wie mich bedünken will, für ihr Alter ziemt. Aber unschädlichen Torheiten gibt der Weise nach, und besser zu viel Schmuck an den Bewohnern und im haus, als dass die Grazien darin fehlen sollten.
Man gab dem arzt, der diese Rede mit grosser Selbstzufriedenheit gehalten hatte, von allen Seiten Recht, und die Frauen verlangten die Geschenke zu sehen, die er für die Braut und Schwiegermutter bestimmt hatte, um, wie sie sagten, seinen Geschmack zu bewundern. Der gutmütige Arzt, der auf Alles eitel war, wurde durch diese Aufforderung erfreut und brachte nur zu gern alle Gegenstände zum Vorschein, die er, wie er sagte, in Frankreich rechtlich eingehandelt und nicht, wie ihm diess von Manchem bekannt sei, ohne weitere Zahlung an sich gebracht habe; und die Frauen rühmten scherzend jedes Stück und lobten den zarten Sinn des glücklichen Arztes, der, die Vorliebe seiner Schwiegermutter für alles Bunte kennend, ihren Geschmack beinah auf eine übertriebene Weise zu befriedigen gesucht hatte. –
Die Freunde blieben einige Tage bei dem Grafen, der sich ernstlich für den jungen Torfeld zu verwenden versprach, um ihm eine Stelle als Justizamtmann in der Nähe von Hohental zu verschaffen, deren Besitz er so heftig wünschte, wie der Arzt auf seine Weise mit feinem Scherz bemerkte, um in der Nähe zu bleiben und sich gegen Eingriffe in seine Eigentumsrechte auf das Herz der Tochter des Predigers zu bewahren. Der junge Mann schwieg errötend, und es liess sich also annehmen, dass der oft wiederholte Scherz des Arztes nicht grundlos war.
Die Gräfin bemerkte während dieser Zeit gegen den Grafen Robert, dass es wunderbar sei, wie verschieden Glück und Unglück auf verschiedene Charaktere wirke. Viele Menschen, sagte sie, werden durch Unglück erzogen. Es macht sie ernster, milder, teilnehmender gegen Andere, wenn sie selbst die Schmerzen kennen gelernt haben, mit denen diess Leben uns verfolgt. Andere macht dagegen das Unglück hart, störrisch und roh, wie wir diess an Ihrem Freunde Werteim bemerken mussten, und nur das Glück vermag diese zu erziehen, ihren Charakter edler, ihre Sitten milder zu machen. Graf Robert errötete, denn er erinnerte sich daran, dass auch er zu denen gehörte, die das Glück edler gebildet hatte, und dass sein erstes Auftreten im haus seines Oheims keinen vorteilhaften Begriff von seinen Sitten erregt haben konnte. Er sagte endlich verlegen: Auffallender ist es noch, wie sehr der unaussprechliche Hass gegen Frankreich und gegen Franzosen in der Brust meines Freundes gemildert ist, seitdem er in dem Entführer seiner Schwester deren rechtmässigen Gemahl und einen braven, achtungswerten Mann kennen gelernt hat.
Es ist überhaupt schwer, bemerkte der Graf, genau zu bestimmen, in wie weit sich Persönlichkeit in unsere Gefühle mischt, wenn wir das Vaterland lieben oder dessen Feinde hassen, und ich glaube, wenn wir recht scharf sondern wollten, würde nicht immer so viel Tugend übrig bleiben, wie man in neuester Zeit in diesen Empfindungen zu suchen gewohnt ist.
Während des Aufentaltes der Freunde beim Grafen gewann der Graf Robert den kleinen Adalbert so lieb, dass er im Scherze behauptete, er müsse noch einst durch eine Verbindung mit seinem jüngst gebornen Töchterchen sein Sohn werden, und er wiederholte diesen Scherz so oft, dass man leicht bemerken konnte, wie der Wunsch sich ganz ernstaft in seiner Seele ausbildete.
Die Heiterkeit des Beisammenseins wurde den Freunden nur auf Augenblicke getrübt, wenn sie daran dachten, dass Evremont in ihrem Kreise fehle, und jedes Mal, indem sie über seine Abwesenheit seufzten, stieg zugleich ein Dankgebet zum Himmel empor dafür, dass er ihnen erhalten war.
Endlich war der Augenblick der Trennung erschienen, und wenn auch ein Gefühl der Wehmut Alle beim Abschiede ergriff, so eilten doch der Graf Robert und seine Freunde mit freudigem, hochklopfendem Herzen ihren heimatlichen Bergen zu, denn Jeder wusste, dass ihn dort ein sehnsüchtiges Herz erwartete und zärtliche Blicke ihn begrüssen würden. Der alte Dübois wollte seinen Sohn, wie er den jungen Torfeld nannte, nicht entlassen, ohne ihm ein Geschenk aufzudringen, worin der junge Mann mit Rührung von Neuem die väterliche Liebe des Greises erkannte. Der Arzt verhehlte sein Gefühl höchster Glückseligkeit beim Abschiede nicht. Ich werde, rief er, indem er sich die Tränen der Rührung abtrocknete, die ihn zugleich bewältigte, den Lohn aller der Opfer empfangen, die ich dem vaterland gebracht habe. Die erhöhte Liebe und achtung meiner Braut wird meine Anstrengungen belohnen, und die Lorbeern werden mich ehren, die ich im Kriege gewann, nicht indem ich Menschen tödtete, sondern indem ich manchen braven Mann erhielt.
Es ist wahr, sagte der Graf Robert, mit wahrer Tollkühnheit wagte sich der Doktor jedes Mal auf das Schlachtfeld, wenn kaum der Feind sich zurückzog, und die Kugeln noch herüber und hinüber flogen; wie ein Geier auf seine Beute stürzte er sich auf die Verwundeten, und Viele danken ihr Leben und die Erhaltung ihrer Glieder nur der schnellen hülfe, die er ihnen durch diesen Mut gewährte, und da unter den Geretteten mancher bedeutende Mann ist, so glaube ich, dass diese seltene Tapferkeit eines Arztes noch durch eine Auszeichnung belohnt werden wird.
Das eiserne Kreuz, sagte der Arzt, indem er sich sehr in die Brust warf und dadurch einige Aehnlichkeit mit einem indianischen Hahne gewann, das eiserne Kreuz kann mir nicht entgehen, wenn man nicht