obgleich er meine besten Eigenschaften für Torheiten eines Franzosen hält, eben so einst beide Völker in aufrichtiger Freundschaft einander gegenüberständen? Diese friedlichen Gesinnungen wurden jedoch bald aus der Brust des französischen Kriegers verscheucht, indem er den feindlichen Truppen begegnete, die so gleichgültig auf französischem Boden wandelten, als wäre es gar nichts Besonderes für sie, sich hier als Sieger zu bewegen, und es gereichte ihm nur diess zu einigem Troste, dass alle wenigstens auf dem Wege waren Frankreich zu verlassen.
Unter den rückkehrenden Kriegern war auch der Graf Robert und seine Freunde, und wenige Tage, nachdem der General das Haus des Grafen verlassen hatte, wurde dieser auf's Angenehmste durch die Ankunft seines Vetters überrascht, der diess Mal in Begleitung aller seiner Freunde kam, denn auch Werteim und der Baron Lehndorf kehrten nach Deutschland mit ihren Truppen zurück, und natürlich mit ihnen der Arzt und Gustav Torfeld.
Die Freude Aller wurde erhöht, als sie erfuhren, dass Evremont lebe, und dass man nun, da alle Kriegsgefangenen frei gegeben wurden, seine baldige Rückkehr erwarten dürfe. Der Graf bemerkte mit Wohlgefallen, dass das scheue, finstere Wesen Werteims sich verloren hatte, und dass seine Sitten milder, als sonst erschienen. Der Graf Robert löste dem Oheim diess Rätsel, indem er ihm die glückliche Veränderung mitteilte, die in der ganzen Lage des jungen Mannes eingetreten sei. Durch eine weitläuftige Verwandte war ihm eine Erbschaft zugefallen, und zwar hatte ihn diese zum einzigen Erben eingesetzt und die entlaufene Schwester gänzlich ausgeschlossen. Diess Vermögen setzte ihn in den Stand, das kleine Gut kaufen zu können, welches der Graf früher dem Obristen Talheim eingeräumt hatte; und wenn er sich nun dazu entschliessen wolle, diess dem jungen mann zu überlassen, so könne er, bemerkte der Graf Robert, dessen Lebensglück begründen, denn alsdann sei er entschlossen, sich dort niederzulassen und sich mit der ältesten Schwester des Grafen zu verbinden, indem Beide, von gegenseitiger Neigung bestimmt, diess sehnlichst wünschten.
Da Sie, mein lieber Vetter, erwiderte der Graf, Hohental als Ihr künftiges Eigentum betrachten müssen, so ist es mehr Ihre, als meine Sache, und ich gebe im Voraus zu jeder Einrichtung, die Sie dort treffen, meine Einwilligung.
Der Graf gab es nicht zu, dass sein Vetter sich in Danksagungen ergoss, indem er scherzend bemerkte, dass er noch zu lange zu leben hoffe, als dass er jetzt schon Dank für ein Erbe verdiene, das er erst so spät zu überlassen gedenke, und er führte bald seinen Vetter auf das Schicksal seines Freundes zurück. Wodurch er völlig zur Milde gestimmt wurde, fuhr der Graf Robert in Beziehung auf Werteim fort, war, dass, als wir nicht weit von Paris in ein artiges Landhaus einquartirt wurden, er in der Besitzerin seine entflohene Schwester erkannte, die hier mit ihrem Gatten, der, in Spanien schwer verwundet, zum Dienst untauglich wurde, in glücklicher Ehe lebte. drei schöne, in Gesundheit blühende Kinder umgaben diess Paar, und die Versöhnung war bald gemacht, da Werteim seine Schwester als Gattin dessen fand, der sie entführt hatte, und da man ihn versicherte, dass der französische Offizier sie in Deutschland schon förmlich geheiratet haben würde, wenn man nicht überzeugt gewesen wäre, der Bruder werde diess nicht zugeben und im Gegenteil darauf bestehen, dass die Schwester dem Baron Lehndorf ihr übereilt, bloss um seinen Wunsch zu erfüllen, gegebenes Wort halten solle, wodurch sie sich für ihr ganzes Leben höchst unglücklich gefühlt haben würde. Da Werteim sich gestehen musste, dass er allerdings so gehandelt haben würde, und da Lehndorf über den Verlust der früheren Braut längst durch die Hoffnung getröstet war, sich mit meiner jüngeren Schwester zu verbinden, so war die Versöhnung von allen Seiten leicht, und Werteim, der es früher für die Aufgabe seines Lebens hielt, diesen Franzosen von der Oberfläche der Erde zu vertilgen, schied als dessen aufrichtiger Freund von ihm. Er hatte nämlich die Schwester mit dem tod ihrer gemeinschaftlichen Verwandtin bekannt gemacht, ohne ihr zu sagen, wie feindlich die sie auch im tod vom Mitgenusse ihres Vermögens ausgeschlossen habe, deren Geiz ihr und der Mutter, als sie noch lebte, auch in der dringendsten Not selbst die kärglichste Unterstützung versagt hatte. Mein Freund wollte also, fuhr der Graf Robert fort, sein Erbe mit der Schwester teilen, doch deren Gemahl gab diess nicht zu, indem er dem Bruder seiner Gattin bewies, wie sein Vermögen bedeutend genug sei, dass er leicht diesen Zuwachs entbehren könne, und nach einem gegenseitigen Kampfe der Grossmut blieb mein Freund der einzige Besitzer dss Vermögens, indem er gern als Gabe des Wohlwollens den Vorteil annahm, den ursprünglich nur der Hass ihm hatte zuwenden wollen. Der Baron Lehndorf, berichtete der Graf Robert weiter, hat bei unserer Rückkehr die sichere Aussicht auf eine sehr gute Anstellung bei dem Forstwesen, wodurch er ebenfalls in die Lage kommt, einen Hausstand begründen zu können, was er in Vereinigung mit meiner jüngeren Schwester zu tun beabsichtigt.
So haben Sie ja bei Ihrer Rückkehr, bemerkte der Graf lächelnd, die Aussicht auf eine Reihe von Festen, auf viele fröhliche Hochzeiten.
Gewiss, gewiss, rief der Arzt, der mit seinen grossen Sporen im saal umherklirrte. Sobald ich zurückkehre, wird das grosse, das heilige fest begangen. Alle meine Gedanken richten sich nach der Heimat; das Bild meiner geliebten Braut folgte mir überall, und ich habe selbst in Frankreich mancherlei Tand für sie eingekauft,