1836_Bernardi_007_227.txt

, so gewährte er uns auch keine, um verlorne Güter zu betrauern, und die Bildung des neuen Heeres, das dem Feinde entgegengestellt werden musste, entriss auch mich meinem Kummer. Ich sorgte in Paris für meinen Sohn, und indem ich seine Erziehung nach bester Einsicht ordnete, gab ich ihm den Sohn des Unteroffiziers, des braven Bertrand, zum Gespielen und befahl, ganz dieselbe Sorgfalt der Pflege und Erziehung auf dessen Kind wie auf das meine zu wenden. Diese Anordnung fesselte die treue Seele noch inniger an mein Geschick und er ward mir ganz das, was der alte Dübois Dir ist, nur, möchte ich sagen, nach Art eines Soldaten, da im Gegenteile Dein alter Freund immer den würdigen Hofmann zu spielen sucht.

Wir waren wieder über den Rhein gegangen, wir kämpften wieder, wenn auch blutige, doch glückliche Schlachten, und die stolze Hoffnung hatte uns nicht verlassen, unsere Macht in ihrer ganzen Ausdehnung wieder herzustellen. Da endeten endlich die unglücklichen Tage bei Leipzig diese ehrgeizigen Träume und der Kaiser musste nach Frankreich zurück. Bei Hanau musste noch ein Mal gekämpft werden, und unter den kleinen Abteilungen, die von der Hauptarmee hinweggedrängt wurden, war auch ich mit einem Teile meines Corps. Der alte Bertrand wich nicht von meiner Seite; er hatte in kleinen Gefechten mehrmals mein Leben gerettet, und wenn ich ihn ermahnte, sich nicht so tollkühn in alle Gefahren zu stürzen, so sah er mich mit glänzenden Augen an und sagte: Was habe ich zu fürchten? Sie haben mein Kind gerettet, Sie erziehen meinen Knaben, wie Ihren Sohn; Napoleon und Eugen, unter diesen mit Ruhm bedeckten Namen werden künftig unsere Kinder fechten. Alles diess danke ich Ihnen und Ihnen gehört bis zum letzten Tropfen mein Blut. Ich stand oft beschämt vor diesem braven Soldaten; er hielt meine Handlungen für den Ausfluss hochherziger Menschenliebe, er ahnete nicht, welches Band mich früher an seine Gattin gefesselt hatte, und ich fühlte mich gegen ihn einer fortwährenden Falschheit schuldig. Mein kleines Corps war nach und nach zusammengeschmolzen, wir hatten mehrere Gefechte bestanden, Viele waren geblieben und Viele hatten mich verlassen, um, wie sie vermochten, über den Rhein zurückzukehren; und so geschwächt wurden wir gestern von Preussen angegriffen, an einer Stelle, wo die Wege in zwei verschiedene Bergschluchten führten. Ein teil meiner kleinen Macht wurde von mir hinweggedrängt, und ich wurde mit den Wenigen, die mich umringten, heftig von den Feinden bedrängt. Der brave Bertrand sah unsere Kameraden fallen, er sah mein Blut fliessen und kämpfte mit einer Erbitterung, die ihn nicht mehr auf die stimme der Vernunft hören liess. Ein junger Offizier forderte uns auf uns zu ergeben; statt der Antwort führte Bertrand, der sich zwischen uns geworfen hatte, einen wütenden Streich auf die Brust des jungen Mannes, und dieserich weiss, es war Gegenwehr, ich weiss, er konnte nicht anders, aber es ist entsetzlicher hieb meinen alten Freund nieder, so nahe vor mir, dass das treue Blut auf meine Kleider spritzte und sich mit dem meinigen vermischte, das so heftig aus meinen Wunden floss, dass mir die Kräfte entschwanden. Der brave Bertrand starb sogleich. Die Wunde, die sein Leben endigte, war mit jugendlich kräftiger Hand zu tief geschlagen, als dass er lange daran hätte leiden können; ein halb lächelnder zärtlich stolzer blick traf mich noch und schien zu sagen: Siehst Du, dass ich nicht prahle, all mein Blut habe ich für Dich vergossen. Mir wurde es dunkel vor den Augen, und nur wie im Traume bemerkte ich, dass ein Eisen über mir funkelte, und wie aus der Ferne hörte ich, dass eine rauhe stimme rief: So fahre auch Du zur Hölle! Zurück Werteim! rief der junge Offizier, der meinen Freund getödtet hatte, sie sehen, er kann sich nicht verteidigen, und sein Schwert schlug die Waffe, die über meinem haupt blinkte, zurück. Diess alles war die Sache weniger Augenblicke. Ergeben Sie sich mir, sagte der junge Mann darauf zu mir; Sie sehen, Sie können nicht mehr fechten. Ich reichte ihm meine Waffen und sank ermattet zu Boden. Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich unter den Händen eines Mannes, dessen Gesicht mich an ferne zeiten erinnerte. Seine Hand war sanfter, als seine rauhe Zunge, denn indess er mit schonender Sorgfalt meine Wunden verband, verletzte seine kreischende stimme mein Ohr mit barbarischem Französisch, und doch begreife ich nicht das wunderbare Gefühl; ich fühlte mich so schwach durch Trauer, Schmerz und Blutverlust, ich kam mir so verloren vor, und diese rauhen Töne berührten verletzend und tröstend mein Ohr. Es stieg in meiner Seele bei ihrem Klange das Bild Deiner Bäume, Deines Hauses auf, und Dein edles Antlitz blickte mich tröstend an durch die dunkle Verwirrung meiner Gedanken hindurch.

Der General schwieg und heftete den traurigen blick auf eine stark mit Blut befleckte Uniform, die über der Lehne eines Stuhles hing. Endlich sagte er seufzend: Das Uebrige weisst Du; ich bin nun hier, und finde Liebe und Beistand bei Dir. Trost wird vielleicht die Zukunft gewähren.

Der Graf war selbst zu bewegt, als dass er es hätte versuchen sollen, die Gefühle seines Freundes durch die gewöhnlichen Trostgründe zu bekämpfen, und vielleicht trug seine wahre Teilnahme mehr dazu bei, dessen Gemüt wieder zu erheben, als es Worte vermocht hätten. Da die Wunde des Generals nicht gefährlich