1836_Bernardi_007_211.txt

jeden Fall seinen Zweck zu erreichen.

Abscheu und Verzweiflung erfüllten meine Seele,

als ich diesen Charakter in ihm erkannte, und dennoch gab es Stunden, wo die Täuschung zurückkehrte und das Gefühl der Liebe von Neuem meine Brust belebte, wo mich der törichte Wahn ergriff, ich könne diess Herz vielleicht läutern, diese Seele auf eine edlere Bahn leiten; aber bald sollte für mich auch die letzte Täuschung verschwinden. Einen Augenblick schwieg die schöne Kastilianerin, eine tiefe Röte glühte auf ihren Wangen und die Flamme des Zornes brannte in den dunkeln Augen bei der Erinnerung erlittener Schmach. Nach kurzem Schweigen fuhr sie mit unterdrückter Bewegung fort: Nicht bloss mein Vermögen wollte er benutzen, um seine ehrgeizigen Plane zu erreichen, sondern mich selbst. Ich sollte ihm dazu dienen, die Machtaber aller Parteien zu fesseln, zu blendendoch genug über meine Erniedrigung, die jedes Band der Seele zwischen uns löste, ohne die Fesseln zerreissen zu können, die mich unauflöslich an seine person schmiedeten. Ich glaubte nun, ich hätte den Kelch des Elends bis auf die Hefen geleert, aber zu diesem im Herzen nagenden Unglück drängte sich noch ein Leiden von aussen herein. Die Intriguen Don Fernandos waren nicht mit Feinheit geleitet, sie wurden von allen Seiten durchschaut, und wir wurden bei der französischen Partei ein Gegenstand der Verachtung. Der Hof war uns so gut als verboten, und mein Haus, das Sie als den Sammelplatz der glänzendsten Gesellschaft gekannt haben, war eine Einöde. Die Gegner der Franzosen betrachteten uns mit dem reinsten, ganz unverhehlten Abscheu und wir wurden wie Verpestete gemieden. Unter solchen Umständen fand ich es natürlich, dass Don Fernando Spanien verlassen wollte, und ich weigerte mich nicht ihm nach Italien zu folgen, das er mir als künftigen Aufentaltsort vorschlug. Er hatte sich gleich nach unserer Verbindung mit liebender Zudringlichkeit der Verwaltung meines Vermögens bemächtigt, und in der Stimmung, in der sich meine Seele nun befand, achtete ich zu wenig auf die Güter des Lebens. Aber ein wahrhaftes Entsetzen ergriff mich, als ich nach unserer Abreise aus Madrid durch ihn selbst erfuhr, dass er alle eingezogenen Gelder auf seinen Namen hatte stellen lassen und dass ich also in eine Abhängigkeit von ihm geraten war, die mich beinah zu seiner Sklavin machte. Er machte mich mit der grössten Ruhe mit dieser Einrichtung bekannt und sagte lächelnd, er habe diese Vorsicht beobachtet, damit die Grillen, die mein Herz von ihm entfernt hätten, mich niemals bestimmen könnten, mich gänzlich von ihm zu trennen, und damit er, wie es ihm seiner ruhigeren Vernunft wegen gebühre, Herr meines Schicksals bleiben könne und meine leidenschaftliche Seele nie das seine zu bestimmen vermöchte. Im Innersten empört machte ich ihm die bittersten Vorwürfe über diese niedrige Art zu handeln, und es entschlüpfte meinen Lippen die Aeusserung, dass ich schon lange bemerkt habe, dass ich von ihm betrogen sei, dass ich an sein grosses Vermögen in Deutschland nicht glaube, weil er so eifrig bemüht sei sich das meinige anzueignen. Die Erfahrung meines Lebens, erwiderte er ruhig, hat mich vorsichtig gemacht. Durch den Gemahl meiner Schwester, den Grafen Hohental, wurde ich in früher Jugend aus einer ruhigen, sorglosen Lage gedrängt, und er hat es zu verantworten, wenn dadurch ein Schatten auf meinen Charakter fällt, dass ich nun vielleicht zu ängstlich jedes Besitztum, das mir erreichbar wird, mir zu sichern strebe, denn durch seine Schuld habe ich früh mit dem Missgeschick kämpfen müssen und in den Jahren der Jugend, die dem Genuss hätten geweiht sein sollen, habe ich die Bitterkeit des Lebens erfahren.

Es war mir höchst überraschend zu sehen, dass ein Mensch so sehr ein Lügner gegen sich selbst werden kann, und es lag zugleich etwas Komisches darin, wie er die Wahrheit, dass Sie, mein teurer Vater, einem Sie unverschämt beraubenden Bedienten in seinem frechen Beginnen Einhalt taten, in seine Erfindungen hinüber spielte, durch die er sich für Ihren nahen Verwandten ausgab. Mich überwältigte der Eindruck des Komischen und ein unwillkührliches Lächeln zuckte mir um die Lippen.

Die Dame schwieg verwundert und beleidigt einen Augenblick, und eilte dann sichtlich ihre Erzählung zu beendigen. Aehnliche gespräche, sagte sie, hatten wir oft auf der Reise, und nicht immer hielt ich die Ausbrüche meines Zornes zurück, und eben hatte ich Don Fernando beteuert, dass ich ihm nie vergeben, und fortan nur Hass und Abscheu gegen ihn empfinden würde, dass mein Fluch seine Sterbestunde belasten solle, als wir überfallen wurden und nur durch Ihren Beistand einem noch schrecklicheren Loose entrannen.

Wir schwiegen nun beide verlegen. Endlich sagte die Dame mit etwas trockenem Tone: Da ich vielleicht in meinem Vertrauen zu weitläuftig geworden bin, so bitte ich Sie diess zu verzeihen und zugleich mir so viel Wohlwollen zu beweisen, als zu einiger Erwiederung meines Vertrauens gehört. Sagen Sie mir aufrichtig, fuhr sie lebhaft fort, was konnte Sie zum lachen reizen, als ich erwähnte, wie es Don Fernando rechtfertigen wollte, dass er auf eine so unwürdige Weise mich gänzlich von sich abhängig gemacht hatte?

Gewiss lachte ich nicht, sagte ich mit Verwirrung. Nun, worüber lächelten Sie denn? fragte die witwe ungeduldig. Dass Ihr Gemahl Ihnen ein so gänzlich falsches Bild von dem Grafen Hohental entworfen hat, sagte ich endlich, um nur etwas zu sagen. Wie, Sie kennen den Grafen Hohental? rief sie höchst verwundert. Die Gräfin ist meine Mutter, sagte ich in der Ueberraschung. Erstaunt liess die Dame die