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in Gefahr uns beide zu erweichen, und wenn Sie das für meine Gesundheit nachteilig finden, so kann es Ihnen bei Ihrem Alter nicht anders als höchst schädlich sein.

Der Haushofmeister folgte dem Winke seiner Gebieterin und schwur bei sich, dass niemals eine Königin auf Frankreichs Trone ihre Diener edler behandelt habe, als die Gräfin ihn.

VII

Der Pfarrer lebte ganz in dem Archive, er kam nur zum Abendessen zur übrigen Gesellschaft. Frühstück, Mittagessen und Tee liess er sich dort hinbringen, und durchsuchte mit der grössten Genauigkeit Alles. Endlich war die Nachforschung geendigt, und er hatte nichts gefunden. Er stützte sich gedankenvoll auf den grossen Tisch, der in der Mitte des Zimmers stand, und bedauerte wahrhaft den Grafen, für den er in demselben Grade seine Freundschaft zunehmen fühlte, als er mit seinen Geschäften und Verhältnissen bekannter wurde. Willenlos zog er die Schublade des Tisches auf, in der er noch einige Papiere bemerkte, die aber von keiner Wichtigkeit zu sein schienen, und unter denen das Dokument gewiss nicht verborgen sein konnte, denn es waren Umschläge von Briefen, alte Recepte zu Arzneien, kleine, zum teil zerrissene Rechnungen. Auch der Graf hatte diese Schublade geöffnet, aber sich gleich überzeugt, dass sie nichts entalte, was schon der Grösse nach die gesuchte Schrift sein könnte, also den Inhalt nicht weiter beachtet; der Pfarrer aber, der dergleichen Dinge gründlicher betrieb, sezte sich noch einmal vor den Tisch nieder, entfaltete und betrachtete jedes Blatt, und so fielen ihm zwei kleine, unordentlich zusammengedrückte Stücke Papier in die hände, in denen er, als er sie entfaltete, bald einen Anfang der Abschrift der gesuchten Urkunde erkannte. Es war deutlich, dass der Abschreiber sich beide Male verschrieben, das Papier verdrüsslich zusammengedrückt und in die Schublade geworfen hatte, wo es gewiss nicht hatten bleiben sollen. Freudig über seine gemachte Entdeckung, liess der Geistliche sogleich den Grafen rufen und teilte ihm die gefundenen Papiere mit; der Graf erkannte die Hand des alten Lorenz; er holte Briefe herbei, die er früher von ihm erhalten hatte, und auch der Pfarrer überzeugte sich durch die Vergleichung, dass kein Anderer, als er, der Abschreiber der Urkunde gewesen sein könnte.

Was ist nun zu tun? sagte der Graf. Hat er die Urkunde meinen habsüchtigen Verwandten verkauft und kommt es zum Prozess, so kann ich zwar durch diese Blätter die Entwendung derselben wahrscheinlich machen, aber dann mache ich im besten Falle den Menschen unglücklich, der meinem Vater so lange gedient hat, und beschimpfe die Mitglieder meiner eignen Familie, die sich aus Eigennutz so niedrige Schritte erlaubt haben.

Ich glaube nicht, dass das Dokument schon verkauft ist, sagte der Pfarrer, nach einigem Nachdenken. Es ist klar, dass der alte Schelm die Urkunde abgeschrieben hat, und das lässt sich nur auf e i n e Art erklären, nämlich, man hat mit ihm unterhandelt und sich vorerst überzeugen wollen, ob er in der Tat im stand wäre, eine so höchst wichtige Schrift zu überliefern. Da wir diese Blätter hier gefunden haben, so ist es klar, dass die Abschrift nicht lange vor Ihrer Ankunft gemacht worden ist, und dass der Alte gewiss die Absicht gehabt hat, alle Spuren dieser Arbeit zu vertilgen. Daher können Sie sich auch seine üble Laune erklären, als Sie ihm bei Ihrer unvermuteten Ankunft sogleich die Schlüssel des Archives abforderten, und sein Gewissen trieb ihn, sich so bald als möglich davon zu machen.

Wohl, sagte der Graf, aber was kann ihn gehindert haben, nun, seitdem er sich aus dem schloss entfernt hat, die Urkunde meinen Gegnern zu überliefern?

Die Angst, erwiderte der Pfarrer, vor den möglichen Folgen; vielleicht auch ist der Handel noch nicht abgeschlossen, vielleicht fordert er mehr, als man ihm bietet. Kurz, da ich bestimmt glaube, dass die Schrift vor Ihrer Ankunft nicht verkauft war, so zweifle ich mit Recht daran, dass sie es jetzt ist, denn auf den Fall würde er noch Geld haben, ob er gleich locker lebt, und er hat keins, denn er hat mich noch kürzlich schriftlich gebeten, ihm Geld auf seine Pension, die er von Ihnen zieht, vorzuschiessen.

Was wollen Sie daran wenden, fragte der Pfarrer nach einer kleinen Pause, um die Urkunde wieder zu bekommen?

So viel Sie für nötig halten, sagte der Graf, bin ich gern bereit zu zahlen, um diese geschichte auf eine anständige und für mich beruhigende Art zu endigen.

Sie lassen mir also völlig freie Hand, sagte der Pfarrer, wenn es Ihnen auch hundert Dukaten kosten sollte?

Ich würde Ihnen Zeitlebens dankbar bleiben, rief der Graf, wenn Sie mich für ein so geringes Opfer von dieser sorge befreien könnten.

Das hoffe ich gewiss, versicherte der Pfarrer. Ich habe zugleich, fuhr er fort, da ich alle Papiere durchgehen musste, das Archiv für Sie geordnet, und wenn Sie es nun in dieser Ordnung lassen, so kann es Ihnen niemals mehr Beschwerde machen, eine Urkunde, die Sie nötig haben, aufzufinden. Bei diesen Worten reichte er dem Grafen ein kleines Heft, worin dieser alle Lehnbriefe, Schenkungen, Prozesse, FamilienAbmachungen, die das Archiv entielt, numerirt und chronologisch geordnet fand. Wenn wir nun das Dokument vom alten Lorenz wieder bekommen, bemerkte der Pfarrer, so brauchen wir es nur hier in diese Rubrik einzutragen; er deutete mit dem Finger darauf.

Der Graf konnte sich nicht der