das Sprechen so viel als möglich vermeiden zu lassen, denn Sie brauchen meine fragen nur durch Zeichen zu beantworten, und eben so wird ein Zeichen mich davon belehren können, wenn Sie diese Erklärungen überhaupt zu vermeiden wünschen. Erwartungsvoll richtete der junge Mann die dunkeln Augen auf mich, und ich fuhr fort, indem ich meiner stimme einen so sanften Ton gab, als ich nur vermochte: Nicht wahr, Sie sind der Sohn des alten Lorenz, des ehemaligen Kastellans des Grafen Hohental? Ein schmerzhaftes Gefühl machte die blassen Lippen beben, aber der Verwundete gab ein bejahendes Zeichen. Und der Baron, fragte ich weiter, dessen Namen Sie führen, ist bei Bayonne im Duell geblieben, und Sie benutzten seine Papiere? Auch diese Frage wurde bejahend beantwortet. Ich habe Ihre Schwester entfernt, fuhr ich fort, um der Dame, die Ihre Gemahlin ist, unnützen Kummer zu ersparen, der durch eine rohe Zudringlichkeit hätte veranlasst werden können. Ein dankbarer blick belohnte mich für diese Aufmerksamkeit. Haben Sie mir aber nichts für diese Schwester aufzutragen? fragte ich weiter. Er deutete auf ein Kästchen, das auf einem kleinen Tisch neben dem Bette stand. Ich öffnete es auf sein Verlangen; er deutete auf eine schwere Börse voll Goldstücken. Wollen Sie, dass ich ihr diese Summe einhändigen soll? Er bejahte auch diess. Ich nahm die Börse zu mir und versprach diese Pflicht zu erfüllen. Und nun, sagte ich, wie soll ich es beginnen, um meine fragen so einzurichten, dass mir ein Zeichen andeuten kann, was ich, um Ihre Wünsche zu erfüllen, für Ihre Gemahlin tun soll? Wie kann ich dieser Pflicht genügen und Ihre Brust dabei schonen?
Die Schonung ist unnütz, sagte er mit leiser stimme, ich weiss, dass ich sterben muss, und ich habe die wenigen Lebenskräfte, die mir noch bleiben, für edlere Gegenstände bewahren wollen. Ich beobachtete durch diess Fenster Ihr Gespräch mit dem Wundarzte, und ich sah es Ihren und seinen Mienen an, dass ich sterben muss. Ich wollte Hoffnungen aussprechen, die ich selbst nicht hegte. Ein Zeichen der Ungeduld legte mir Stillschweigen auf, und der Kranke fuhr mit Anstrengung fort: Wenn ein Richter über den Sternen lebt, wenn der Gebrauch, den wir hier von unserem Dasein machten, unsere Zukunft dort bestimmt, so wird das Wesen, das wir anbeten, unsern wahren Wert wägen und nicht wie ein Polizeioffiziant dieser armen Erde Untersuchungen anstellen, ob wir es gewagt haben, einen andern als den uns zukommenden Namen zu führen, um ein solches Vergehen zu bestrafen. Eine solche Furcht kann mich nicht beunruhigen, gleichgültig erscheint mir der Unterschied der grossen und unbedeutenden Namen, eine Kinderei, die bald für mich ganz geendigt sein wird; aber versprechen Sie mir alle Vorsicht anzuwenden, damit meine Gemahlin nie über diesen Gegenstand aufgeklärt werde. Sie hat mich sehr geliebt, mit höchster leidenschaft, fuhr er fort, aber doch nicht so sehr, dass der kastilianische Stolz die Neigung nicht überwunden haben würde, wenn sie nicht überzeugt gewesen wäre, sich mit einem der ältesten Freiherrn des römischen Reiches zu verbinden, und sie würde völlig elend werden, wenn Sie ihr den unschädlichen Wahn rauben wollten. Er sah verlangend nach mir auf. Ich reichte ihm die Hand und gelobte auch diess, und ich glaube ich habe mir nichts dabei vorzuwerfen. Warum sollte ich das Herz einer unschuldigen Frau durchbohren, um sie über einen Irrtum aufzuklären, der Niemandem in der Welt Nachteil zuziehen kann. Ein unverkennbarer Ausdruck der Dankbarkeit leuchtete matt in den verlöschenden Augen des Verwundeten. Nachdem er wieder einige Kräfte gesammelt hatte, fuhr er fort: Auch ich habe diese Frau auf's Innigste geliebt – eine schwache Röte färbte auf einen Augenblick die bleichen Wangen – aber freilich sah ich auch diess Gefühl anders an, als die heftige, leidenschaftliche Frau. Ich glaubte, für den geliebten Gegenstand sei jedes Opfer ohne Ausnahme möglich, und hielt mich für berechtigt, alle zu erwarten, die es in meinen Plänen liegen könnte zu fordern. Die Irrungen, die hiedurch zwischen uns entstanden, straften mich für diese falsche Ansicht schrecklich; doch auch diess ist vorbei. Mir bleibt noch eine Pflicht zu erfüllen. Rufen Sie den Pfarrer und den Alkalden des Orts herbei, und setzen Sie in ihrer Gegenwart spanisch und französisch eine Erklärung auf, dass alle Wechselbriefe, die sich in meiner Chatoulle befinden, das unbestreitbare Eigentum meiner Frau sind, ob sie gleich auf meinen Namen gestellt sind, und ich werde die letzten Kräfte daran wenden, diess Blatt zu unterschreiben. Eilen Sie aber, ehe es zu spät wird, und wenn ich tot bin, schaffen Sie meine Frau sicher nach Frankreich hinüber.
Die lange Rede hatte die Kräfte des Kranken erschöpft und mich erschreckte sein schwaches Husten. Ich rief den Wundarzt eilig; doch ging der Anfall diess Mal vorüber, ohne sein Leben zu endigen, und ich eilte den Alkalden herbeizuschaffen, um der Frau, die bald witwe sein würde, wenigstens ihr Eigentum nach dem tod des Mannes zu sichern. Auch diess Geschäft wurde rechtsgültig geendigt, und ich richtete den Kranken behutsam in meinen Armen auf, damit seine zitternde Hand die Urkunde unterzeichnen könnte. Ganz erschöpft lehnte er sich auf die Kissen zurück, nachdem er diess vollbracht hatte, und sagte mir dann in deutscher Sprache: Da ich, um meine Frau zu heiraten, zur katolischen Religion übergetreten bin, so wünsche ich noch zu beichten, damit die