dass sein Zustand mir nicht gefahrlos scheint. Gelobt sei die heilige Mutter Gottes! rief sie und zog ihre hände zurück, die meinen Arm noch immer hielten. Ich teilte ihr nun mit, dass der Verwundete über den nahen Berg getragen werde, um ein Kirchdorf eher zu erreichen, und fragte sie, ob sie sich Kräfte genug zutraute, den Weg einer halben Stunde zu Fuss mit mir zu machen, oder ob sie es vorzöge, das Dorf auf dem Fahrwege zu erreichen und so etwas später einzutreffen. Sie wählte ohne Bedenken das Erste und sagte, indem sie sich zitternd an meinen Arm lehnte, ihre Kräfte seien völlig wieder hergestellt. Wir setzten uns sogleich in Bewegung, und auch die Kammerjungfern schlossen sich uns an. Wir bemerkten bald, dass die jungen Landleute, den Verwundeten tragend, sich schon den Berg hinaufbewegten, und wir eilten, so sehr es die Kräfte meiner Begleiterin gestatteten, ihnen zu folgen.
Mit einiger Beschwerde war der Weg bald zurückgelegt, und der würdige Geistliche, den einige voraneilende Landleute schon von dem Unglück unterrichtet hatten, kam uns am Eingange des Dorfes entgegen, und bot sein Haus und alles, was er vermöge, den Reisenden freundlich an. Wir erreichten bald seine bescheidene wohnung, und ein altes Mütterchen, seine Haushälterin, empfing uns in reinlicher Kleidung eben so freundlich als ihr Herr. Der Verwundete wurde sogleich in ein kleines schon für ihn bereitetes Zimmer gebracht, und wie ein Sterbender, bleich mit mattem blick, fast bewegungslos, von der Bahre gehoben und auf ein reinliches Lager gesenkt. Der erste nur flüchtig angelegte Verband musste jetzt verbessert werden, und als der Unglückliche alle diese unvermeidlichen Qualen überstanden hatte, irrten seine Blicke im Zimmer umher, als ob er Jemanden suche, den er schmerzlich vermisse. Ich erriet ihn und eilte seine Gemahlin aufzusuchen, die der Geistliche in ein anderes Zimmer geführt und der Vorsorge der Haushälterin überlassen hatte, indess er selbst sich bemühte, alles herbei zu schaffen, was zur Erleichterung des Kranken dienen konnte. Ich fand die Dame mit ihren Kammerfrauen im eifrigen Gebet vor einem Muttergottesbilde auf den Knieen liegen; sie erhob sich bei meinem Anblick, und ihr grosses schwarzes Auge blickte mir ängstlich fragend entgegen. Ich fragte sie, ob sie jetzt, da der Verband gehörig angelegt sei, ihren Gemahl besuchen wolle. Sie nahm schweigend meinen Arm und ich führte sie an das Lager des Kranken. Ein Strahl der Zärtlichkeit dämmerte auf im erloschenen Auge des Verwundeten; kraftlos bemühte er sich die Hand zu erheben und sie der Gattin entgegen zu strecken. Da löste sich die Starrheit ihrer Züge; die glänzenden Augen wurden feucht, und Tränen träufelten wie Perlen über die bleichen Wangen; sie senkte sich auf ein Knie neben das Lager des Leidenden, fasste mit ihren beiden Händen dessen dargebotene Hand und presste sie mit leidenschaftlichem Ausdruck an ihren Busen, indem sie rief: Ich vergebe Euch, Don Fernando, wie der Himmel mir in meinen letzten Stunden vergeben möge. Ein schwaches, seltsames Lächeln zuckte um den Mund ihres Gatten, indem die Dame fortfuhr: Ja, und ich bete inbrünstig zu Gott und allen Heiligen, dass der Himmel Euch erhalten, und die gnadenreiche Mutter Euch zum Heile und mir zum Trost Euern Sinn ändern möge.
Da ich fühlte, dass jeder Zeuge den beiden Gatten lästig sein müsse, verliess ich das Zimmer und führte den Wundarzt mit mir hinaus. Wir betraten beide den kleinen Garten des Pfarrers, und ich fragte ihn, was er von dem Zustande des Verwundeten halte? Er zuckte die Achseln und erwiderte: Er wird die Nacht nicht überleben, und es wäre gut, wenn ihn der Pfarrer darauf vorbereitete, damit, wenn er noch Verfügungen zu treffen hat, die kostbare Zeit nicht verloren geht. Ich hörte mit Schrecken diese bestimmte kaltblütige Zusicherung eines Mannes, dessen geübter blick sich schwerlich täuschen konnte. Ich werde ihn mit keinem Verbande mehr quälen, fügte er hinzu, denn es ist völlig unnütz; auch werde ich ihm nicht untersagen zu sprechen, denn sein Schweigen könnte sein Leben höchstens einige Stunden verlängern, die keinen Wert für ihn haben können, und er hat vielleicht noch Anordnungen zu treffen, die sein Gewissen beruhigen oder für seine Familie wertvoll sein können. Ob mich gleich die tiefe Ruhe empörte, mit welcher der Wundarzt alles diess aussprach, so sah ich doch das Vernünftige seines Verfahrens ein und kehrte zu dem Kranken zurück, bei dem ich seine Gattin und den Pfarrer antraf. Es schien, als ob er mich mit sehnsucht erwartet hätte, denn er liess, so wie er mich erblickte, die Hand seiner Gattin los, die er auf seine verletzte Brust gedrückt hielt, und gab durch Zeichen zu verstehen, dass er mit mir allein zu sein wünsche. Der Pfarrer verliess mit der Dame das kleine Gemach, und ich setzte mich neben das Lager des Leidenden hin. Es schien, als suche er Kraft ein Gespräch zu beginnen, das ihm notwendig däuchte und ihm doch in jedem Sinne quälend zu werden drohte. Ich suchte seinen Zustand zu erleichtern, und indem mir die Worte des Wundarztes einfielen, begann ich das Gespräch und sagte: Sie werden mich gewiss nicht für so roh halten und glauben, dass ich Sie auch nur auf die entfernteste Weise beleidigen wolle, wenn ich einige fragen an Sie richte über einen Gegenstand, über den, wie es scheint, Sie selbst sich mitzuteilen wünschen. Ich verbinde mit diesen fragen keine andere Absicht, als Sie