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über die Mässigkeit des Grafen mit in dem Grade erhöhter Munterkeit scherzte, wie der reichlich genossene Wein seine Lebensgeister immer mehr anregte. Endlich, als der Pfropfen der Champagnerflasche sprang und der schäumende Wein in den Gläsern perlte, sagte er: Nun, alter Freund, sprich es aus, was begehrst Du, was soll ich für Dich bei unserm Kaiser auswirken?

Es ist mir unmöglich, sagte der Graf, Dir meine Wünsche bei der Flasche mitzuteilen, denn ich muss Dich, damit Du mir gefällig sein kannst, mit zu ernstaften Gegenständen bekannt machen.

So lass uns denn ernste Gegenstände ernst behandeln, sagte der General, indem er sich mit dem Freunde von der Tafel erhob und ihn in ein anderes Zimmer führte. Es wurde dem Grafen schwer, die nötige Mitteilung zu beginnen, weil er bei einem ihm an sich peinlichen gegenstand die Weinlaune des Freundes fürchtete. Aber diese Besorgniss war ungegründet, denn so wie der Graf den Namen Evremont nannte, war jede Spur der ausgelassenen Heiterkeit verschwunden, die der General bei Tafel gezeigt hatte, und er hörte alles, was der Graf ihm mitteilte, mit der ernstesten Aufmerksamkeit und innigsten Teilnahme an. Was Du wünschest, sagte er endlich, als der Graf schwieg, ist eine Kleinigkeit, die der Kaiser ohne Frage sogleich gewähren wird. dafür könnte ich mich verbürgen, aber Du wirst es mir vergeben, dass das Erstaunen über das wunderbare Schicksal, das Dich zum Gemahl von Evremonts witwe machte, alle meine Sinne fesselt. Armer Evremont! rief er klagend, und doch, fuhr er erheitert fort, habe ich Recht, jedes Böse bringt sein Gutes. Unser unglücklicher Freund wurde eigentlich das Opfer seines Vaters, das kannst Du nicht läugnen, bei aller Liebe, die der alte Herr für ihn hatte; aber diess Unglück hat Dein Glück herbeigeführt durch die Verbindung mit seiner liebenswürdigen witwe, und dass Du ihren Sohn ganz als den Deinen betrachten willst, daran tust Du recht, und nur Gewinn wird Dir dabei zu teil, denn ich sage Dir, er ist einer der bravsten Offiziere in der Armee und Du kannst noch die Ehre erleben, Dich den Vater eines Marschalls von Frankreich zu nennen.

Der Graf bemühte sich nicht seinem Freunde auseinander zu setzen, wesshalb er diese Ehre nicht zu geniessen wünschte. Er begnügte sich, ihm für das bestimmte Versprechen zu danken, welches er gegeben hatte, diesem geliebten Sohne die Rechte seines wahren Namens wieder zu verschaffen, und lud ihn nun ein, den Abend bei ihm zuzubringen und ihm zu erlauben, ihn mit der Gräfin bekannt zu machen. Missverstehe mich nicht, sagte der General zögernd, wenn ich Dich bitte, diese Ehre zu verschieben, bis ich sie länger geniessen kann, als es diess Mal möglich wäre. Du weisst, in welcher Begleitung ich auf der Burg Deiner Väter erschien. Unter Männern hat diess nichts zu sagen, bei Feinden auch nicht, wo man wie ein Ungewitter vorüberzieht und keine achtung erwecken, kein wohlwollendes Andenken zurücklassen will. Aber bei der Gemahlin meines Freundes ist diess eine andere Sache. Kann ich mich künftig des Umganges in Deinem haus länger erfreuen und durch ein fortgesetztes anständiges Betragen die übeln Eindrücke wieder auslöschen, so wirst Du mich dankbar Deiner Einladung folgen sehen. Aber jetzt auf eine halbe Stunde hinzugehen, gleichsam um die Frau Gräfin mit dreister Stirn daran zu erinnern: Hier ist der Mann, der sich in Ihrem haus so unklug aufführte, und mich dann gleich wieder zu empfehlen, nein, verzeih, das geht über meine Kräfte.

Der Graf bekämpfte die Gründe seines Freundes nicht mehr, als es die Höflichkeit forderte. Ihm selbst war es angenehm, ihn der Gräfin nicht, ohne sie darauf vorbereitet zu haben, vorzustellen, denn mit welcher Dankbarkeit er es auch anerkannte, dass sein Freund mit der Feinheit eines Mannes von Welt es nicht auf die fernste Weise bemerken liess, dass er errate, die weibliche Gestalt, die er bei der Hinrichtung Evremonts bemerkt habe, möge die Gräfin gewesen sein, so würde doch schon jeder neugierige blick, den vielleicht, sich unbeachtet glaubend, der General auf seine Gemahlin gerichtet hätte, den Grafen tief verwundet haben. Er folgte also der Einladung des Generals, noch einige Stunden der Freundschaft zu weihen, bis diesen Geschäfte abriefen, die er noch mit den Ministern vor seiner Abreise nach Wien hatte. Beide Freunde fühlten durch diesen mit einander verlebten Tag die Gefühle ihrer Jugend neu belebt und trennten sich mit herzlicher gegenseitiger Zuneigung.

VIII

Es waren mehr als zwei Jahre verflossen, seit der Graf mit seinem Freunde Clairmont in München zusammen getroffen war; längst war dessen Versprechen erfüllt, St. Julien war als Evremont anerkannt und führte schon lange diesen Namen. Das Glück, den geliebten Sohn zu umarmen, war genossen und schon lange wieder entschwunden. Napoleons heftig bewegte Seele gestattete seinen Kriegern keine lange Waffenruhe, und es hatte die Verbindung der Liebenden beschleunigt werden müssen, wenn sie nicht die Qual der Trennung von Neuem erdulden sollten. Die reizende Emilie war in München mit dem schönen Sohne der Gräfin vereinigt worden, und wenige Tage darauf musste der Graf, schmerzlich seufzend, das beglückte Paar entlassen, und die bittersten Tränen benetzten von Neuem die Wangen der einsamen Mutter. Die Gräfin erkannte jetzt erst, wie viel ihr Emilie gewesen war, als sich auch diese von ihrem Herzen losriss, um dem geliebten Gemahle zu folgen, der neuen Gefahren entgegen eilte, denn seine Bestimmung war, sich mit den