stimme, dass ich Ihnen mehr als ein Mal Schutz, Rettung meines Lebens und Unterstützung verdanken muss, die man nur mit Widerstreben aus der Hand des vertrautesten Freundes empfängt, und aus der grossmütigen Hand eines beleidigten Mannes nicht anders als mit tiefer Beschämung empfangen kann.
Vergessen Sie doch endlich eine jugendliche Unbesonnenheit, sagte der Graf gütig, die ohne Ihre Erinnerung mein Gedächtniss mir nicht zurückgerufen hätte, und denken Sie nur daran, dass Ihre und Ihres Freundes Gesundheit wieder hergestellt werden muss.
Der Baron Lehndorf wagte die Frage, ob sie sich im schloss Hohental wohl als gesichert betrachten könnten, und der Graf erkundigte sich nun nach ihrem Verhältnisse zu Schill und nach den näheren Umständen ihres Unglücks.
Beide Freunde waren tief erschüttert, als sie an das unglückliche Ende ihres hochverehrten Anführers erinnert wurden, doch beherrschte der Baron Lehndorf zuerst seine Rührung und sagte, dass sie Schill als Freiwillige und als Freunde gefolgt wären, und ihre Namen sich in keiner Liste befänden, die man hätte auffinden können.
Dann begreife ich nicht, sagte der Graf, wie Sie sich nicht mit einiger Behutsamkeit sogleich hieher gewendet haben.
Die schreckliche Niederlage bei Stralsund, sagte Werteim, hatte uns aller Mittel beraubt, uns zu zeigen. Wir besassen nichts als die Uniform, die wir an uns trugen, und einige Silbermünzen von unbedeutendem Wert. Es stand also nicht in unserer Gewalt, die Kleidung abzulegen, die uns kenntlich machte, und wir verbargen uns am Tage in Wäldern und Sümpfen, um dem Schicksale unserer gefährten zu entgehen, von denen wir zuweilen von unserm Verstecke aus einzelne von den feindlichen Truppen Eingefangene bemerkten, die einem schmählichen Loose entgegengeführt wurden. Wir hatten die Absicht uns dennoch, trotz der Gefahr hieher zu wenden. Da wir aber nur bei Nacht wandern konnten, so verirrten wir uns oft und erkannten nach langer Anstrengung zuweilen dieselben Orte wieder, von wo wir vor mehreren Tagen ausgegangen waren. Da wir uns nur die allernotwendigste Nahrung erlauben durften, so wurden unsere Kräfte erschöpft, und doch musste auch diese Nahrung noch beschränkt werden, denn wir hatten bald gar keine Mittel mehr. Zwei Tage, ehe Sie uns fanden, war es uns schon nicht mehr möglich, ein wenig Brodt von den Bauern einzuhandeln, denn wir hatten auch nicht das kleinste Stück Geld übrig. Wir versuchten es, uns durch Beeren und Wurzeln zu ernähren, und wir wären gewiss verloren gewesen, hätte der Zufall Sie nicht zu unserem Beistande herbei geführt.
Der Graf Robert umarmte seine Freunde in heftiger Bewegung, und sein Oheim wendete sich ab, um seine Rührung zu verbergen. Er sagte den beiden jungen Männern, dass er hoffe, sie seien auf Schloss Hohental in vollkommener Sicherheit, dass er aber zu ihrer Beruhigung noch nähere Erkundigung einziehen wolle.
Da die Erzählung der geschichte ihres Unglücks die Kranken sehr aufgeregt hatte, so riet ihnen der Graf dringend, den Schlummer zu suchen, damit sie nicht, wie er lächelnd hinzufügte, sich den Tadel des Arztes und ihrer strengen Wärterin zuzögen.
Er führte darauf den Grafen Robert mit sich hinweg und sagte: Ich bin vollkommen überzeugt, dass beide junge Männer ohne Gefahr hier bleiben können, wenn es nicht verraten wird, dass sie mit Schill in Verbindung waren. Desshalb müssen wir auf eine bestimmte Erklärung des jämmerlichen Zustandes sinnen, in dem wir sie fanden, denn glauben Sie mir, der Prediger wird nicht mit allgemeinen Antworten zufrieden sein. Und wenn er auch täte, als wäre er es, so wird er so viele misstrauische, spöttische Winke fallen lassen, dass er unfehlbar Argwohn erregen wird, und doch möchte ich auch ungern ihm das Geschick Ihrer Freunde aufrichtig vertrauen, denn er würde diess Vertrauen zwar um keinen Preis missbrauchen, sie unglücklich zu machen, aber er würde dadurch ein solches Uebergewicht erlangt zu haben glauben, dass er Ihnen, bester Vetter, oft unerträglich lästig sein würde.
Der Graf Robert, der die Menschen nicht immer so milde betrachtete, wie sein Oheim, und der daher dem Prediger nicht sonderlich geneigt war, sah die Wahrheit des Gesagten ein. Nach langer Beratung kamen die beiden Verwandten überein, dem Prediger zu vertrauen, die beiden jungen Männer hätten sich nach Frankreich gewagt, um das Schicksal der Schwester des Einen und der ehemaligen Braut des Andern zu erforschen, und wären auf den französischen Obristen gestossen, mit dem Werteim das Duell der Schwester wegen gehabt habe. Die eingeleitete Verfolgung habe die jungen Männer zur Flucht genötigt und sie gezwungen, sich ängstlich zu verbergen. Dadurch wären ihnen die Hülfsmittel ausgegangen und sie endlich in den kläglichen Zustand geraten, worin man sie gefunden. Dass das französische Regiment abgelöst war, gab der Fabel einige Wahrscheinlichkeit, und da der Pfarrer bei seiner Neugierde im grund leichtgläubig war, so liess sich hoffen, er würde die Unwahrscheinlichkeiten in dieser Erzählung übersehen. Der Graf Robert übernahm es, seine Freunde davon in Kenntniss zu setzen, auf welche Weise ihre Erscheinung auf dem schloss erklärt würde, damit sie im stand wären, die fragen gehörig zu beantworten, die der Geistliche unfehlbar an sie richten würde.
Der grosse Tag war erschienen, an welchem das glänzende Manoeuvre des Baron Löbau Statt finden sollte. Er hatte alles getan, um die Waffenübung des Grafen Robert zu übertreffen, den er mit einigem Verdruss als seinen Rebenbuhler betrachtete, ohne zu bedenken, dass er niemals auf die idee gekommen wäre, Beschäftigungen der Art anzuordnen, wenn ihm nicht die Einrichtungen des Andern dadurch, dass sie das Streben ihn zu