Man hatte unter diesen Gesprächen den zur Waffenübung bestimmten Platz erreicht, und der Graf bemerkte den jungen Gustav Torfeld, der mit grossem Eifer die Landleute einübte, und mit Vergnügen sah der Graf, dass er das, was er sich zu lehren bestrebte, selbst in höchster Vollkommenheit zu üben verstand.
Wenige Männer verlieren ganz die Neigung zu kriegerischer Tätigkeit, denn nur in der Brust weniger erstirbt das Gefühl gänzlich, dass es des Mannes Beruf ist, sein Vaterland zu verteidigen, seinen Heerd zu beschützen. Auch der Graf also überliess sich mit Lebhaftigkeit der Teilnahme an diesen Uebungen, und in seinen Augen leuchtete die Hoffnung, dass sich aus geringen Keimen viel Gutes für die Zukunft entwickeln könne.
Man war noch nicht lange auf dem Uebungsplatze versammelt, als man den Hufschlag von Pferden vernahm, und bald zeigten sich drei Reiter, von denen der eine voraus ritt, und dem die beiden andern in bunter Kleidung folgten, über die man einen Augenblick in Ungewissheit blieb, ob es kriegerische Uniformen waren oder der phantastische Putz, den Kunstreiter anzulegen pflegen. Bald klärten sich die Zweifel auf. Der Baron Löbau nahte und stieg ab, um den Grafen auf's Herzlichste zu begrüssen.
Ich dachte es wohl, sagte er lächelnd, dass ich Sie wenigstens hier auf dem Uebungsplatze finden würde, wenn Sie es auch verschmähen, Ihre alten Freunde und Nachbaren zu besuchen.
Der Graf entschuldigte sich mit der kurzen Dauer seines diessmaligen Aufentalts und mit den vielen dringenden Geschäften, die in dieser kurzen Zeit alle abgemacht werden müssten.
Da Sie Teilnahme für unsere kriegerischen Uebungen beweisen, erwiderte der Baron selbstgefällig lächelnd, so müssen Sie doch wenigstens einem Manoeuvre beiwohnen, das morgen auf meinem Marsfelde Statt finden wird, denn es ist doch billig, dass Sie auch meine Truppen in Augenschein nehmen, da die ganze Sache, die jetzt so allgemein mit Eifer getrieben wird, von mir ausgeht; denn ich machte Ihren Herrn Vetter zuerst darauf aufmerksam, wie vorteilhaft es sein würde, wenn man die jungen Leute abhielte, sich Sonntags in den Schenken zu versammeln, wo der Trunk oft zu Raufereien führte, und dass es in unserer jetzigen Zeit eine Wohltat sei, wenn sie mit den Waffen umzugehen wüssten, um im Notfalle sich und die Ihrigen beschützen zu können. Der Graf sah seinen Vetter an, der das lachen mit Mühe unterdrückte. Der Baron aber fuhr mit grosser Behaglichkeit fort: Versprechen Sie mir morgen zu kommen. Ihr Herr Vetter kennt den Weg zu meinen Uebungsplätzen, und ich gebe Ihnen mein Wort, Sie sollen eine Kavallerie sehen, die auch den Kenner befriedigen würde. Die Leute haben Pferde, deren sich ein Prinz nicht schämen dürfte; Sie können hier eine probe davon sehen. Er deutete bei diesen Worten auf die beiden bunten Leute, die ihn begleitet hatten, und bezeichnete sie auf diese Weise als Kavalleristen, die zu seiner Miliz gehörten.
Beide Grafen hatten Mühe ernstaft zu bleiben, versprachen aber den Baron zu befriedigen und seinem Manoeuvre des andern Tages beizuwohnen, worauf er sich, in seiner gutmütigen Torheit beglückt, nach dem herzlichsten Abschiede von ihnen trennte.
Auf dem Rückwege nach dem schloss, nachdem sie sich von dem Prediger getrennt hatten, erzählte der Graf Robert seinem Oheim, dass, nachdem er angefangen habe die jungen Leute unter demselben Vorwande, den der Baron ihnen als seine Gründe aufgestellt habe, zu Waffenübungen zu versammeln, der Baron mit lebhaftem Eifer sogleich gestrebt habe ihn zu überbieten, indem er dem Fussvolke eine uniformirte Reiterei beigefügt habe, die aus zehn bis zwölf Mann seines Hofgesindes bestände, die freilich alle schöne Pferde aus des baron Ställen ritten. Die Hauptkunst bei ihren Manoeuvres bestände aber darin, sagte er, die Pferde zu schonen, die auf keine Weise erhitzt oder angestrengt werden dürften, so dass alle Evolutionen im ruhigsten Schritt ausgeführt werden müssten.
Der Graf lachte und sagte, die Torheit des guten baron, die gewiss in der Gegend den meisten Lärm verursacht, ist sehr nützlich, denn sie dient dazu, die Aufmerksamkeit von Andern ab und auf ihn zu lenken, und die Manoeuvres auf seinem Marsfelde werden keine Art von Misstrauen erregen.
So ist es, erwiderte der Graf Robert, weil er selbst so weit davon entfernt ist, einen höheren Zweck zu ahnen. Wenn sich französische Officiere in der Nähe befinden, so ladet er sie jedes Mal feierlich ein, um sie darauf aufmerksam zu machen, welche trefflichen Hülfstruppen sie aus den preussischen Landen im Fall des Bedürfnisses zu erwarten hätten, seit auf seine Veranlassung an mehreren Orten Waffenübungen Statt fänden, und also künftig statt vorher ungeschickter Rekruten nun völlig eingeübte Streiter ausgehoben werden könnten.
Die Sache ist unter den Franzosen ein Gegenstand des Scherzes, und wenn junge Officiere gegenwärtig sind, so bemerken sie leicht seine Schwachheit für seine Kavallerie, und er ist mehr als ein Mal dadurch geängstigt worden, dass diese sich dann zu Kommandeurs seiner Kavallerie aufwerfen und sie Bewegungen machen lassen, die ganz von dem sanften Schritte der Gewohnheit abweichen.
So dient er doch auch dem vaterland, sagte der Graf, und wenn es einmal Ernst wird, so wird derselbe Ehrgeiz, der jetzt töricht erscheint, ihn auch zu ernsten Anstrengungen vermögen.
Man erreichte das Schloss und beide Grafen besuchten die Kranken, deren Zustand sich sehr verbessert hatte und die der Arzt ausser Gefahr erklärte. Das bleiche Gesicht des Herrn von Werteim rötete sich flüchtig, als er den Grafen erblickte. Es ist eine eigene Strafe meiner Rohheit, sagte er mit bewegter