Er ist zwar ein eigensinniger, hochmütiger Mann, der sich auf seine Aussprache des Französischen viel zu viel einbildet, aber einen trefflicheren Krankenwärter habe ich niemals kennen gelernt. Und Wer wird nun diese hier bewachen, dass sie meine Vorschriften genau befolgen, woran doch ihr Leben hängt.
Nun, nun, rief die Frau Professorin, ich will den Herrn Dübois nicht lästern, aber ich werde doch wohl auch im stand sein, Kranke zu pflegen, und ich will den sehen, der mir was Böses nachredet, wenn ich diese Christenliebe an jungen Männern ausübe.
Der Arzt war hoch erfreut, dass seine Base sich zu diesem Dienste erbot, und er dankte ihr mit einer Innigkeit, als habe sie ihm die grösste Wohltat erwiesen. Na, was sind das nun für Weitläuftigkeiten, sagte die guterzige Frau barsch, um ihre Rührung zu verbergen. Was geschehen muss, das darf man mir nur sagen, und ich bin gewiss, dass sich Keiner unterfangen wird, um ein Haar breit davon abzuweichen.
Der Arzt war nun beruhigt. Seine Mittel stärkten die Kranken sichtlich, und er konnte schon am folgenden Tage ein stärkendes warmes Bad wagen, wodurch zugleich die Spuren des Elends von den Unglücklichen abgewaschen wurden, die nun wieder das Ansehen von zur besseren Gesellschaft gehörigen Menschen gewannen. Nach einigen Tagen der aufmerksamsten Behandlung schienen auch ihre geistigen Fähigkeiten zurückzukehren, denn sie gaben zusammenhängende Antworten auf die an sie gerichteten fragen, und der Arzt verkündete mit lauter Freude, dass er Beide mit hülfe seiner Base wieder herzustellen hoffe, die für die Befolgung seiner Vorschriften eben so eifrig, wenn auch nicht eben so sanft, wie Dübois, sorge.
Der Graf Robert hatte während dieser Zeit viel mit seinem Oheim über die Sicherheit seiner Freunde gesprochen, die ihm gefährdet schien, da sie zu den Truppen Schills gehörten, die so unglücklich endeten. Der Graf suchte ihn zu beruhigen, indem er ihm vorstellte, dass die preussischen Behörden gewiss keinen Eifer anwenden würden, die Teilnehmer an dieser Unternehmung auszuspüren, wenn sie ihnen nicht bestimmt als solche angezeigt würden, dass es also nur der Klugheit bedürfe, jede Teilnahme der Unglücklichen an Schills Plänen vorsichtig zu verschweigen und für die müssigen Nachbarn, die nicht ermangeln würden, mit fragen einzustürmen, eine wahrscheinliche Fabel zu ersinnen, um ihren kläglichen Zustand genügend zu erklären.
Der Arzt hatte den Prediger gleich den nächsten Tag in der Bewegung seines Gemüts mit dem traurigen Zustande bekannt gemacht, in welchem die beiden jungen Edelleute, ehemalige preussische Offiziere, nach dem schloss waren gebracht worden, und jener erschien sogleich, um das Wie und Warum zu erfahren, und als ihm der Graf Robert mit einiger Verlegenheit antwortete, die Kranken wären noch so schwach, dass man sie nicht um ihr Geschick befragen könne, und dass es überhaupt menschlicher sein würde, schmerzliche Erinnerungen aus ihrem Gemüte zu entfernen, als durch fragen zu erregen, erwiderte der Prediger verdrüsslich und spöttisch: So wird es uns damit vielleicht gehen, wie mit der Begebenheit des Herrn St. Julien, der beinah in demselben Zustande in diess Schloss gebracht wurde, und niemals hat man die Veranlassung seines Unglücks erfahren.
Des Grafen Wangen rötete der Zorn. Sie wissen, Herr Prediger, sagte er mit einiger Heftigkeit, wie nah mit mir der Obrist St. Julien verbunden ist, und wenn ich die Gründe ehre, die ihn bestimmen, über diesen Gegenstand zu schweigen, so dächte ich, diess könnte eine Regel für alle meine Freunde sein.
Der Prediger fühlte, er war zu weit gegangen. Ein verdrüssliches Schweigen herrschte im saal. Endlich begann der Geistliche von Neuem: Beinah hätte ich es vergessen, Ihnen mitzuteilen, dass der alte Lorenz einen so schändlichen Gebrauch von dem ihm durch des Sohnes Tod zugefallenen Vermögen gemacht hat, dass ich glaube, er wird bald wieder in drückender Armut sein.
Woher schliessen Sie das? fragte der Graf gleichgültig.
Weil mir diesen Morgen ein jüdischer Handelsmann einen Brief von ihm brachte, in dem er mich ersuchte, Sie dahin zu vermögen, ihm eine schriftliche Zusicherung der Pension auszustellen, die Sie ihm bewilligt haben, wie er schreibt, um Lebens und Sterbens Willen, wie mir der Israelit vertraute, damit er sie diesem verkaufen könne. Man wendete sich an mich, fügte der Prediger hinzu, weil man nicht wusste, dass Sie sich jetzt gerade hier befinden. Ich riet dem jüdischen Kaufmann, sich mit diesem Gesuch gerade an Sie zu wenden, und ich zweifle nicht, dass er bald auf dem schloss erscheinen wird.
In der Tat wurde, nachdem kaum eine Viertelstunde verflossen war, Herr Moses gemeldet, der dem Grafen des alten Lorenz Gesuch vortrug, mit der Versicherung, dass er aus Menschenliebe bereit sei, dem Greise die Pension abzukaufen und ihm den Ertrag einiger Jahre voraus zu bezahlen; obgleich es möglich sei, dass der Alte früher stürbe und er sich Verlust dadurch zuzöge, so wollte er es auf die Gefahr hin wagen, damit nur der Greis nicht des Obdachs beraubt würde, denn er könne sich bei diesen schweren zeiten, bei den drückenden Abgaben ohne diese Unterstützung nicht im Besitze des Gutes erhalten.
Der Graf erwiderte auf die lange Rede des menschenfreundlichen Israeliten, dass ihm diess leid tue. Da aber die dem alten Lorenz von ihm bis jetzt ausgezahlte Pension ein freiwilliges Geschenk sei und er sich die Freiheit vorbehalten wolle, es ihm nach Umständen zu geben oder zu entziehen, so sei er nicht geneigt, sich schriftlich eine Verbindlichkeit aufzulegen und