, in dem er ihm mit dem höchsten Entzücken die Geburt eines Sohnes meldete und des trauernden Vaterlandes mit keiner Sylbe gedachte. Ja, man fühlte es diesem Schreiben an, dass alle übrigen Verhältnisse der Welt dem Herzen des Vaters gleichgültig schienen, der den neugebornen Sohn in seinen Armen hielt, und dessen zärtlich geliebte Gattin die Schmerzen und Gefahren der Geburt glücklick überstanden hatte. Der Graf fand diese reine, ungeteilte Freude natürlich, aber er nahm sich doch vor, seinen Vetter darauf aufmerksam zu machen, dass er nun nie mehr von der menschlichen natur erwarten dürfe, als was er selbst geleistet habe.
Auch der Obrist Talheim hatte mit zitternder Hand dem Grafen sein Glück gemeldet, und er sowohl als der Graf Robert baten ihn, mit seiner Familie der Taufe des Neugebornen beizuwohnen, und diese Bitte verstärkte der Graf Robert dadurch, dass er seinem Oheim vorstellte, wichtige die Verwaltung der Güter betreffende Geschäfte machten eine mündliche Unterredung durchaus notwendig.
Der Graf teilte den Damen die empfangenen Nachrichten mit, und freudige Teilnahme bewegte Aller Herzen. Auf die Frage aber, ob sie ihn nach Hohental begleiten wollten, folgte ein ernstliches Bedenken. Die Gräfin bemerkte, dass es ihr schwer fallen würde, sich wieder allen neugierigen fragen des Geistlichen und der Nachbaren auszusetzen, und Emilie sagte leise und errötend, dass dann auch wieder der regelmässige Briefwechsel, der kaum mit St. Julien eingeleitet wäre, gestört werden müsse, wenn man sich von Berlin, wohin nun alle Briefe gerichtet würden, entfernen wollte. Es wurde also bestimmt, dass nur der Graf allein nach Hohental reisen sollte, von den besten Wünschen der Zurückbleibenden begleitet. Er meldete seinem Vetter diesen Beschluss nebst dem Tage seiner Ankunft.
Auf den dritten Tag nach dem Empfange dieses Briefes war die Abreise nach Hohental festgesetzt, und in dieser Zwischenzeit war eine emsige Geschäftigkeit der Frauen bemerklich, und als der Tag der Abreise erschien, erstaunte der Graf über die Menge der Schachteln, Kartons und Körbchen, die er mitnehmen sollte, welche die Geschenke für die junge Mutter und den Neugebornen entielten, die die Freundinnen sendeten. Ich bin doch oft, sagte der Graf lächelnd, mit Frauen gereist und habe es immer unwahr gefunden, wenn sie beschuldigt werden, so unermesslich viele kleine Bedürfnisse in kleinen Behältern mit sich zu führen, dass sich das Reisen mit ihnen leicht in eine Qual verwandeln könne, und nun soll ich allein reisen, und werde zum ersten Mal so mit Schachteln und Körben umgeben, dass es nur Dübois Genie möglich sein wird, diess alles so zu ordnen, dass noch ein völlig erwachsener Mensch Raum daneben im Wagen findet.
Ist es nicht ungerecht, sagte die Gräfin lächelnd, die kleine Beschwerde nicht ertragen zu wollen? Hat uns nicht selbst, wie wir das Leben bewusstlos und hülflos betraten, die liebende sorge zärtlicher Freunde begrüsst? Liegt nicht etwas Rührendes darin, wenn wir uns vorsorgend um ein neugebornes Wesen beschäftigen, so dass alles bereit ist, dessen es in der Zukunft in seiner Hülflosigkeit bedarf? Ich wenigstens kann mir nichts Traurigeres denken, als wenn der Mensch schon beim Beginne seines Lebens Liebe und Teilnahme entbehrt.
Wohl, sagte der Graf ernstaft, ich werde dem Neugebornen die Geschenke überbringen und ihm nichts von dem entziehen, was sein aufdämmerndes Leben verschönern soll und ihn doch oft nur quält, indem Mutter und Amme ihn mit Dingen zu putzen streben, die er gar nicht zu würdigen versteht.
Dübois hatte während dieser Unterredung Alles geordnet, und der Graf fand zu seiner eigenen Verwunderung für Alles hinreichenden Raum in dem vorgefahrnen Wagen, der ihn bald aus dem Gesichtskreise der Frauen entführte und den Bergen entgegen rollte, die den alten Sitz seiner Ahnen umgaben.
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In Hohental herrschte die reinste Freude. Mit lautem Entzücken wurde der Graf bei seiner Ankunft von seinem ihm entgegen eilenden Vetter begrüsst, und an der tür des Saales empfing ihn der Obrist, der ihm auch hatte entgegen gehen wollen, aber seine vom Alter geschwächten Kräfte waren nicht mehr hinreichend zur eiligen Bewegung. Er streckte dem Grafen die zitternden arme entgegen, der gleich bei der Begrüssung bemerkte, dass der Greis in dem letzten Jahre, seit er ihn nicht gesehen, sich mit starken Schritten dem grab genähert habe, und ein blick auf den Arzt, der sich im saal befand und von dem Obristen unbemerkt leise die Schultern zuckte, bestätigte die schnell gemachte Bemerkung. Der Graf sendete der jungen Mutter alle mitgebrachten Geschenke und liess ihr seine Ankunft melden, weil er durch keine Ueberraschung ihre Gesundheit in Gefahr bringen wollte. Der Arzt übernahm vorsichtig selbst die Anmeldung, und der Graf erneuerte gegen den Obristen seine freudigen Glückwünsche. Der Herr hat mir alles gegeben, sagte der Greis, um was ich in ängstlichen Stunden inbrünstig flehte; mein Kind ist erhalten und Gott hat ihr einen Sohn geschenkt, an dem sie so viel Freude und Trost erleben möge, wie sie mir selber gewährt hat. Er hatte, indem er diese Worte sagte, die vor Alter zitternden hände gefaltet und richtete den tränenfeuchten blick nach oben. Der Graf betrachtete gerührt die hinfällige Gestalt, und Graf Robert, der den blick verstand, drückte mit trauriger Miene die Hand seines Oheims. Der Arzt kam zurück und meldete, die junge Frau Gräfin sei zum Empfange des Herrn Oheims bereit, und die Männer begaben sich nach den inneren Zimmern. Es war dem Grafen wunderbar zu Mute, als er das ehemalige Schlafzimmer seiner Gemahlin betrat, und mit annmutiger Gebehrde und holdseligem Lächeln die liebliche Terese