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neuen Gebäude zu verbinden, und die Pflanzen aller Himmelsstriche konnten dann durch den geschickten Gärtner des Schlosses gezogen werden.

Mit dem Gefühle inniger Dankbarkeit überrechnete der Arzt oft sein Glück. Ein anständiges Auskommen; eine junge, schöne, ihn schwärmerisch liebende Braut; ein prächtiges, einem adlichen Wohnsitze ähnliches, schon im Entstehen begriffenes Haus, daran ein Treibhaus und ein botanischer Garten, darin eine Bibliotek und ein Naturalienkabinet; für alle Genüsse des Leibes und Geistes also auf alle Weise gesorgt; dabei geachtet von seiner Umgebung, glücklich in seinen Launen. Dankend hob er nach solchen Betrachtungen die hände zum Himmel empor; die kleinen Augen glänzten in Tränen seliger Rührung, und er versprach sich selbst, sein Glück würdig zu geniessen, und bescheiden und dankbar zu bleiben.

Die Frau Professorin hatte freiwillig die Führung des Haushalts im schloss übernommen, weil der tätigen Frau Beschäftigung Bedürfniss war. Aber sie bemerkte oft, dass die Abwesenheit Dübois nur zu sichtbar sei, denn die Ordnung, die Ruhe, der Anstand und das vornehme Wesen, welches er zu erhalten verstehe, werde nie ganz ohne ihn erreicht werden, – eine Anerkennung, die den alten Mann entzückt haben würde, wenn er sie hätte vernehmen können.

So wohl und glücklich fühlten sich alle Bewohner des Schlosses Hohental, während die eigentlichen Besitzer manchem Kummer im Herzen Raum gaben.

IV

Nach der Abreise ihrer geliebten Freunde wurde die dadurch entstehende Lücke in der gräflichen Familie in Berlin sehr fühlbar, und der Trübsinn wurde gesteigert, weil keine Nachrichten von St. Julien eintreffen wollten. Es war nur zu deutlich, dass die Freude der Spanier über einen Herrscher aus Napoleons Geschlecht nicht so gross war, als dessen Bulletins der Welt verkünden wollten, und die sorge um den Sohn und Geliebten senkte sich schmerzlich in die Brust der einsamen Freunde. Jeder suchte den Andern zu schonen und wollte desshalb seine Sorgen nicht bekennen, aber der verschwiegene Gram nagte sichtlich an Aller Herzen. Wie ein elektrischer Schlag zuckte daher die Freude durch jede Brust und lähmte für einen Augenblick die Kraft der Glieder, als endlich ein grosses Paket eintraf, welches ausser den Briefen voll zärtlicher Liebe für die Mutter und glühendem Gefühl für die Braut noch eine Art von Tagebuch für den Grafen entielt, worin sich auf jeder Seite das kindliche Gefühl eines guten Sohnes aussprach und welches zugleich eine kurze Darstellung der begebenheiten in Spanien entielt, so weit sie ohne Gefahr für den Schreiber und Empfänger berührt werden durften. Nachdem er die weltgeschichtlichen begebenheiten, die unter seinen Augen sich ereignet, flüchtig angedeutet hatte, sagte er unter Anderem: Bald nach des Königs Joseph glänzendem Einzuge in die neue Hauptstadt seines Reiches, wurde ich von Vittoria mit Depeschen an ihn gesendet und ich läugne nicht, dass ich gern die gelegenheit ergriff, die sich dort neu gestaltende Welt in der Nähe zu sehen, und ein poetisches Gefühl liess es mich höchst reizend denken, an den Ufern des Manzanares zu wandeln, obgleich es mir bekannt war, dass die Lage der Hauptstadt in Ansehung ihrer malerischen und poetischen Umgebung weit hinter der anderer Städte des Reichs zurück steht.

Ich fand den König Joseph von einem glänzenden hof umgeben, der freilich zum grossen teil aus Franzosen bestand. Aber es ist auch nicht zu läugnen, dass viele vorzügliche Geister sich ihm anschliessen, die durch seinen Einfluss und Napoleons mächtige hülfe die Fesseln des Geistes abzuwerfen hoffen, unter deren Druck Spanien so lange schmachtet, so dass die edelsten Kräfte einer grossherzigen Nation seit lange einer grossen Teils unwürdigen Geistlichkeit zur Befriedigung eigensüchtigen Verlangens dienen. Ja, der aufgeklärte teil der Geistlichkeit selbst seufzt nach der Erlösung von diesem Joche. Um so sorgfältiger aber sucht der bei Weitem grössere teil derselben den beschränkten Sinn des Volkes vor jedem eindringenden Lichtstrahle zu bewahren, denn sie fühlen natürlich, dass die Wurzel ihrer Macht erschüttert werden muss, wenn das Volk aufhört zu glauben, dass Seligkeit und Verdammniss unmittelbar in den Händen der Priester ruht. Wir werden also nicht bloss den Kampf zu bestehen haben, der durch ein verwundetes Nationalgefühl erregt ist, sondern unser furchtbarster Feind ist der Fanatismus, den die Priester zu ihrem eigenen Vorteile sowohl, als zu Gunsten Ferdinands im volk erregen, und durch alle Mittel, die ihnen zu Gebote stehen, stärken und nähren.

Diese Betrachtungen drängten sich mir auf, so flüchtig auch nur die Beobachtungen waren, die ich anstellen konnte, denn kaum hatte ich am Morgen meine Depeschen abgegeben und mich dem Könige vorstellen lassen, der mich mit grosser Huld empfing, als ich auch schon von so vielen Bekannten umringt und in so viele Zerstreuungen verwickelt wurde, dass mir keine Zeit zu ernsten Beobachtungen blieb. Als die Seele aller Gesellschaften hörte ich einen liebenswürdigen deutschen Baron allentalben nennen, der sich dem hof des Königs angeschlossen hatte, und von diesem selbst als ein geistreicher und unterrichteter Mann, und angenehmer Gesellschafter besonders ausgezeichnet wurde. Auch bei den Damen hatte dieser Fremde viel Glück, und eine reiche, vornehme und schöne Frau, die der König selbst oft mit seinem Besuch beehre, habe sich ganz offen für ihn erklärt, hiess es, so dass man erwartete, die grosse Neigung werde Beide zu einer ehelichen Vereinigung bestimmen und der König werde dann den aus einem alten Geschlecht abstammenden Deutschen mit sehr bedeutenden Ehrenstellen bekleiden.

Da ich diesen gefeierten Mann von allen Seiten als ein Ideal der Liebenswürdigkeit preisen hörte, so wurde endlich meine Neugierde erregt und ich fragte nach seinem Namen. Viele wussten diesen gar nicht. Er war ihnen bloss als der liebenswürdige deutsche Baron