, die auf ihren Gesichtern ruhte, und sie überzeuge sich nur dann wieder, dass diese geputzten Wesen keine Mädchen wären, wenn sie auf einmal mit grosser Heftigkeit über die notwendigkeit sich zum Kriege zu erheben sprächen und Buonaparte vom Trone stossen wollten; höchst lächerlich aber käme es ihr alsdann wieder vor, wenn sie mit derselben Heftigkeit für oder wider eine Schauspielerin stritten, und die gleiche leidenschaftliche Begeisterung für die eine oder andere an den Tag legten, die sich in den nächst vorhergehenden Gesprächen für ihren Lieblingshelden Schill offenbart hätte. Ja, schloss sie ihre Bemerkung, ich glaubte, alle diese für das Vaterland Begeisterten würden nun mitziehen und die Taten ausführen helfen, die sie für notwendig erklären; aber mir scheint, sie sind alle hier geblieben.
Terese scherzte mit dem angenehmen kind zuweilen über ihre grosse Abneigung gegen die jungen Herren und fragte, ob sie denn gar nichts an dem arzt auszusetzen fände?
O, ich bin nicht so blind, erwiderte die Kleine dann ernstaft. Ich sehe es wohl, dass ihm die Kleider nicht so gut sitzen, wie den hiesigen jungen Herren, und wenn ich seine Frau bin, werde ich es ihm abgewöhnen, dass er beim Tanze so hoch mit einwärts gebogenen Knieen springt, oder noch besser, er unterlässt das Tanzen ganz, denn es kleidet ihn nicht und er kümmert sich dabei nicht um den Takt. Aber ist es denn nicht natürlich, dass er diese Künste nicht so gut zu machen versteht, wie die hiesigen jungen Herren, die, wie es scheint, nichts Anders zu tun haben? Kann er seine Aufmerksamkeit auf solchen Tand richten, da er Tag und Nacht studirt, wie er den Menschen, die an irgend einem Gebrechen leiden, helfen könne. Gewiss sind schon Viele durch ihn gesund geworden und glücklich, und blicken ihm dankbar und freundlich entgegen, wenn sie ihn kommen sehen, ohne darauf zu achten, wie er seine Füsse setzt, und das, denke ich, ist mehr wert, als alle die Possen, die man hier in der Stadt treibt.
Terese hütete sich in solchen Fällen der Ansicht ihrer jungen Freundin zu widersprechen, denn da die Tochter eben so entschieden, wie die Mutter, eine Verbindung mit dem arzt als das Ziel ihres Lebens betrachtete, so wäre es ein Unglück gewesen, wenn das junge Mädchen ihren Geschmack für äussere Vorzüge des männlichen Geschlechts verfeinert hätte.
Der Graf teilte der Frau Professorin die Zwistigkeit zwischen ihrem künftigen Schwiegersohne und dem Geistlichen mit, und indem er ihr die Veranlassung dazu sagte, zeigte er ihr zugleich den Riss des künftigen Wohnhauses, den er hatte entwerfen lassen, und bat sie, so lange im schloss zu wohnen, bis sein Vetter, der junge Graf, diesen Bau würde ausgeführt haben.
Mit leuchtenden Augen betrachtete die witwe des Professors den Plan des Hauses, den ihr der Graf erklärte, und je mehr sie die Zweckmässigkeit und Bequemlichkeit der Einrichtungen erkannte, je höher stieg ihr Entzücken, bis sich zuletzt die Freude in dankbare Rührung auflöste, und die grossen auf das Papier niederströmenden Tropfen die Zeichnung zu verderben drohten. Ja, sagte sie endlich, zum Grafen gewendet, Sie handeln gegen alle Menschen, wie einer, der hoch über ihnen steht, aus dessen Herz nur Wohlwollen, aus dessen Händen nur Segen kommt, und Gott verzeihe mir meine Sünden, ich fühle eine Art Andacht, wenn ich an Sie denke. Wären alle hohen, grossen Edelleute in Frankreich so gewesen, wie Sie sind, die Revolution hätte gar nicht kommen können, denn Wer hätte dann wohl Hand an einen Edelmann legen mögen, und Buonoparte müsste es sich dann vergehen lassen, uns zu drücken und alles, was ihm einfällt, uns zu verbieten.
Der Graf wollte das Gespräch ablenken und sagte lächelnd: Es freut mich, dass Ihnen der Plan zum haus gefällt, und noch grössere Freude wird es mir machen, wenn ich Sie erst darin besuchen kann.
Nun, rief die Professorin entzückt, wenn Sie mir die Ehre erweisen, so werde ich Sie bei mir so aufnehmen, dass Sie meine Dankbarkeit erkennen werden, und in dem schönen haus, fuhr sie fort, indem sie die Hand auf die Zeichnung legte, werde ich das können. Mein Vetter, bemerkte sie, indem sie den Riss von Neuem betrachtete, ist ein hochmütiger Mensch, dass weiss ich von Alters her; aber warum sollen wir denn keinen Balkon haben? Das sehe ich denn doch auch nicht ein. Von dem Prediger ist es doch auch nur Neid, wenn er sich dem widersetzt. Er will nicht, dass wir es besser haben sollen, als er, und wenn Sie es uns gönnen, warum sollen wir dann das Gute nicht geniessen? Mag er sich ärgern, wie er will; ich freue mich selber auf den Balkon, ich kann da oben sitzen wie auf einem kleinen Turme und von der einen Seite einen grossen teil der Wirtschaft übersehen, und ich läugne auch nicht, dass es mir angenehm ist, wenn mein Vetter, der Schulze, sieht, was aus seiner Muhme geworden ist. Der nimmt gewiss den Hut schon auf dem hof ab, wie vor dem herrschaftlichen schloss, wenn er zu uns kommen will und diess Gebäude erblickt.
Die Zuhörer der Professorin waren zu gutmütig, als dass das Lächeln auf ihren Gesichtern etwas Anderes als Wohlwollen ausgedrückt hätte. Man gönnte es der ehemaligen treuen Dienerin, dass sie auf ihre Weise glücklich war, und der Graf Robert