, als das Leiden kennen gelernt hatte, wenigstens das herannahende Alter zu versüssen, denn er wusste, Terese würde ihr eine liebevolle Tochter sein. Auch zweifelte er nicht daran, dass die junge Gattin in allen ihr neuen Verhältnissen Rat und hülfe bei der sanften, erfahrnen Frau finden würde. Auf die Ausbildung der Schwestern konnte der Umgang mit Terese nur vorteilhaft wirken, und so sollte Schloss Hohental, welches eine Zeitlang ernst und schweigend auf dem Hügel geruht hatte, von wo aus es das liebliche Tal beherrschte, von Neuem ein heiteres, bewegtes Leben in sich aufnehmen.
Die Unvollkommenheit alles irdischen Glückes wird dem Menschen dann am Fühlbarsten, wenn seine liebsten Wünsche befriedigt werden, denn es gibt keine Freude ohne die herbe Beimischung des Schmerzes, und in das Lächeln des Entzückens fliesst die Träne der Wehmut. Diese Wahrheit erfuhr die junge, glückliche Gattin. Denn wenn ihre Phantasie in lieblichen Träumen das schöne Leben der nahen Zukunft auf Schloss Hohental ausbildete und sie unbewusst die glänzenden Bilder des Glückes anlächelte, so fühlte sie in demselben Augenblick die warmen Tränen auf ihren Wangen, denn um diess Glück zu erreichen, musste sie die Gräfin und Emilie verlassen, und dieser Gram breitete einen leichten Wolkenschatten über den heiteren Himmel ihrer Zukunft.
Ehe noch die Abreise der Neuvermählten erfolgt war, traf ein Brief des Predigers aus Hohental ein, der sich ernstlich über den Arzt beschwerte und den Grafen bat, ihm nicht die Schuld davon beizumessen, dass der Bau des Hauses auf dem Gute desselben noch nicht begonnen wäre, obgleich der Sommer schon grossen Teils verstrichen sei. Er habe zwar versprochen die Leitung dieses Baues zu übernehmen, jedoch natürlich nur in so weit, als seine Kenntnisse dazu ausreichten. Er habe also einen Riss entworfen, wonach das Gebäude grösser und bequemer als das Pfarrhaus hätte werden können, aber der Hochmut des Arztes sei damit nicht zufrieden, er wolle durchaus, dass sein künftiger Wohnsitz ein kleines Schloss werden solle, und bestehe vor allen Dingen auf einem auf Säulen ruhenden Balkon. über diesen Gegenstand sei so viel hin und her gestritten worden, dass man die Zeit darüber verloren habe und er, der Prediger, sich nun genötigt sehe, sein Versprechen zurückzunehmen, da er sich nicht darauf einlassen könne, Paläste erbauen zu lassen, weil so weit seine Kenntnisse nicht reichten und er auch nicht notwendig fände, weder für den Arzt, noch für dessen künftige Schwiegermutter, dass sie Paläste bewohnten. Eine grosse Empfindlichkeit gegen den Arzt war in diesem Schreiben nicht zu verkennen, und der Prediger erwähnte es kaum, dass seinen eigensinnigen Freund oft das lange Ausbleiben seiner künftigen Schwiegermutter beunruhige, um so mehr, da er keine Briefe von ihr erhielte, welches doch, wie der Geistliche mit Bitterkeit bemerkte, nicht zu verwundern sei, denn diese Dame, ob sie gleich jetzt einen Palast mit einem Balkon bewohnen sollte, werde gewiss noch so viel von ihrem früheren demütigeren stand an sich haben, dass ihr das Schreiben als eine unnütze Beschäftigung erschiene. Der Graf sah aus diesem Briefe deutlich, dass der tägliche ungestörte Umgang zwischen dem arzt und dem Geistlichen nachteilig auf Beide gewirkt hatte, und dass sie sich wahrscheinlich für ihr ganzes Leben entzweien würden, wenn nicht bald ein Anderer vermittelnd dazwischen träte. Es war ihm also auch aus diesem grund angenehm, dass sein Vetter dahin zurückkehrte, von dem er hoffen durfte, dass er die kleinen Feindseligkeiten in der Hohentaler Gesellschaft noch im Keime unterdrücken werde. Er liess einen Riss eines artigen Landhauses mit einem auf Säulen ruhenden Balkon anfertigen, und sein Vetter, der auch mehr als der Geistliche durch seine matematischen Kenntnisse dazu geeignet war, versprach den Bau desselben zu leiten. Nach zwei Tagen war die Abreise der Neuvermählten und des Obristen festgesetzt, als man durch die Ankunft der Frau Professorin überrascht wurde. Obgleich gewandt in Geschäften und auch nicht durch weibliche Schüchternheit in der Ausführung gehindert, hatte sie doch mehr Hindernisse gefunden bei dem Bemühen, das nachgelassene Vermögen ihres verstorbenen Mannes zusammenzubringen, als sie vermutet hatte. Jetzt war nun Alles glücklich beendigt und ihr Gesicht strahlte vor Freude, als sie ihre Tochter erblickte, die sich eben bei der Gräfin befand, und vernahm, dass auch der junge Graf mit seiner Gemahlin nach der geliebten Heimat zurückkehren wolle. Kaum geringer war die Freude der Tochter, denn wenn auch der Aufentalt in Berlin vorteilhaft auf ihre Sitten und Bildung gewirkt hatte, so sehnte sie sich doch herzlich nach dem freieren Leben in der natur. Die Herrlichkeiten der Hauptstadt, ob sie sie gleich mit der heiteren Unbefangenheit eines Kindes genoss, hatten keinen so tiefen Eindruck auf ihr Gemüt gemacht, dass sie ihr dadurch Bedürfniss des Lebens geworden wären, und die zierlichen jungen Männer, die zuweilen den Kreis ihres Umgangs berührten, waren nicht glücklicher, denn sie stellte unaufhörlich Vergleichungen zwischen ihnen und ihrem Vater und Bräutigam an, und gewiss würden die jungen Herren auf's Höchste überrascht gewesen sein, wenn sie beide Personen gekannt und gewusst hätten, dass diese Vergleichungen zu ihrem Nachteil ausfielen. Die junge Marie betrachtete die liebenswürdige Jugend mit einiger Geringschätzung. Sie vertraute ihrer Freundin Terese, zu der sie ein besonderes Vertrauen hatte, zuweilen, die jungen, zierlichen Herren, die so viel Sorgfalt auf ihre Haarlocken und Halsbinden verwendeten, nach allen Wohlgerüchen der Erde dufteten, sich immer einem Spiegel gegenüber zu halten suchten, schienen ihr oft verkleidete Mädchen, und sie käme zuweilen in Versuchung, ihnen zur Unterhaltung eine weibliche Arbeit anzubieten, wenn sie die grosse Langeweile bemerkte