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von den jungen Leuten geliebt werden, und ich finde es natürlich, dass sie ihre Wünsche beherrschen und ihr Leben nach der besseren Einsicht eines grossmütigen, erfahrnen Freundes ordnen wollen, und glauben Sie denn, dass ich ein Wort gesprochen hätte, wenn bloss von der sehnsucht der Liebenden die Rede wäre? Vor denen breitet sich das Leben noch weit und herrlich aus, und ein kurzer Aufschub ihres Glücks entält für sie am Ende eben so viel Süssigkeit als Qual. Aber ich, teurer Graf, ich muss geizen mit den Stunden irdischen Glückes, und soll es möglich sein, dass das wunderbare Gefühl noch mein Herz berührt, einen Enkel in den Armen zu halten, so muss ich selbst aus dem Wege räumen, was der Verbindung meines Kindes entgegen steht.

Unwillkührlich richtete sich das Auge des Grafen auf das silberweisse Haupt des Greises, der ihm gutmütig lächelnd gegenüberstand, und er sagte, indem er die Hand desselben innig drückte: Nicht eine Stunde will ich ein Glück verzögern, dessen hohen Wert für Sie ich wohl erkenne, und ich sehe wieder ein, dass das Gefühl beinah immer sicherer leitet, als überlegung und Berechnung.

Ich wusste es wohl, sagte der Obrist, dass es nur ein Wort kosten würde, um Sie unsern Wünschen geneigt zu machen, aber eben darum wurde es mir schwer, diess Wort zu sprechen.

Lieber alter Freund, sagte der Graf lächelnd, es ist ja Ihre Angelegenheit und nicht meine. Es ist ja also natürlich, dass Sie darin bestimmen und nicht ich.

Sie wollen, erwiderte der Obrist, jede Erinnerung daran abweisen, dass unser aller Glück nur allein Ihr Werk ist; aber um so lebendiger werden wir es fühlen.

Der Graf gab dem Gespräch eine heitere Wendung, indem er mit dem Obristen überlegte, wie bald die Verbindung seiner Tochter mit dem Grafen Robert gefeiert werden könnte, und begab sich hierauf zu den Frauen, um ihnen mitzuteilen, dass die beabsichtigte Reise seines Vetters aufgegeben und dagegen seine Verheiratung beschlossen sei.

Die Gräfin sowohl als Emilie, die sich mehr, als sie zeigen wollten, dem Kummer um St. Julien überliessen, fanden Zerstreuung ihres Grams, indem sie sich eifrig mit der Ausstattung ihrer jungen Freundin beschäftigten, und mit zärtlicher Liebe und grossmütiger Freundschaft alles darin vereinigten, wodurch das häusliche Leben edel und zierlich gestaltet werden kann.

Die glühende Dankbarkeit des Grafen Robert zeigte seinem Oheim, wie schwer das Herz des jungen Mannes den längeren Aufschub seines Glücks ertragen hätte, und Terese drückte mit beredtem Schweigen und seligen Tränen ihre Freundin Emilie an die klopfende Brust, und empfing mit glühendem Erröten und niedergeschlagenen Augen die reichen Geschenke der Gräfin.

Der Graf hatte mit seinem Vetter alle nötigen Verabredungen getroffen. Ein erfahrner Landwirt hatte sich verbindlich gemacht, den Letzteren zu begleiten und mit ihm gemeinschaftlich die grossen Besitzungen des Oheims, wie seine eigenen, zu verwalten. Dabei sollte nicht verabsäumt werden, die jungen Landleute in der Vaterlandsliebe zu erhalten und in den Waffen zu üben, um in einer besseren Zukunft, die Beide in der Ferne zu erblicken glaubten, von ihren gesammten Kräften Gebrauch zu machen.

Schnell waren die wenigen Wochen verflogen, die zu den Vorbereitungen einer ehelichen Verbindung erforderlich waren, und der Tag, der das Glück der Liebenden befestigen sollte, war erschienen. Emilie hatte ihre Freundin edel und einfach geschmückt, und Aller Augen richteten sich bewundernd auf die schlanke Gestalt der holden Braut, als sie an der Hand des Vaters, der seine Rührung nicht bekämpfen konnte, in den Saal trat. Es schien, als ob erst an diesem Tage die Schönheit der Jungfrau sich in ihrer ganzen Herrlichkeit entwickelt habe, und die leuchtenden Augen des Grafen Robert zeigten, dass er sein Glück erkannte. Kein lautes fest bezeichnete mit unpassendem Getöse die Vereinigung der Herzen, die in ihrer innigen Empfindung dadurch nur verletzt worden wären. Auch gesellte sich mancher ernste Gedanke zu dem Gefühl des Glücks. Der Obrist wusste, dass er nicht lange mehr das glückliche los seines Kindes betrachten, dass er sich nicht lange mehr der Liebe der Tochter erfreuen würde, und seine Gedanken richteten sich, mitten im Gefühl des Glücks, auf ein dunkles Grab und mit erhöhter Zuversicht über diess Grab hinaus. Der Graf dachte daran, dass sein Name nur in den Nachkommen seines Vetters fortleben werde, und dass St. Julien, dessen Liebe ihm Ersatz für alles, was er entbehrte, gewähren solle, von Gefahren umringt sei, die er sich nicht verhehlte, wenn er sie auch seiner Gemahlin verschwieg. Die Gräfin teilte trotz dieses Schweigens seine Sorgen, und fragte sich mit stiller Angst und Wehmut, ob sie wohl je den Tag erblikken würde, an welchem sie dem Sohne die Geliebte so festlich geschmückt entgegen führen könne, und ihr Auge ruhte mit zärtlicher Trauer auf Emilie, die, in Tränen lächelnd, die glückliche Freundin umarmte.

III

Es waren einige Tage nach der Verbindung des jungen Grafen verflossen und das neue Ehepaar sowohl, als der alte Vater schickten sich an, nach Schloss Hohental abzureisen, denn es war verabredet worden, dass sie dort wohnen sollten, weil von allen Gütern des Grafen diess die anmutigste Lage hatte und das Schloss selbst vollkommen darauf eingerichtet war, eine Familie in sich aufzunehmen und ihr alles zu gewähren, was zur Bequemlichkeit des Lebens gehört. Der Graf Robert wollte auch seiner Mutter vorschlagen, mit den Schwestern bei ihm zu wohnen, und er hoffte dann dieser guten, geduldigen Frau, die vom Leben beinah nichts