er einen Brief von dem Baron Schlebach, dem Bruder der Gräfin, erhalten, den dieser aber nicht selbst geschrieben habe, sondern, da er durch eine heftige Erschütterung des Gemüts gefährlich erkrankt sei, habe schreiben lassen. In diesem Briefe sagte der Baron, dass er sich an den Prediger wende, damit dieser dem alten Lorenz die Nachricht eines Unglücks auf eine gelinde Art beibringen möge, das der alte Mann doch erfahren müsse und aus dem mund des Predigers am besten erfahren könne, der durch den Trost der Religion den notwendigen Schmerz zu lindern vermöge. Das bezeichnete Unglück selbst wurde auf folgende Art dargestellt. Es habe sich häufig ereignet, dass sie auf ihrer Reise nach der spanischen Gränze mit ebenfalls sich dahin begebenden französischen Truppen zusammengestossen wären, und es wäre nicht zu vermeiden gewesen, dass die Offiziere der verschiedenen Corps nicht oft Spielgesellschaften veranstaltet hätten, woran sowohl der Baron, als auch sein Freund Lorenz hätten teil nehmen müssen. Bei einer solchen Gesellschaft, wo viel Geld hin und her sei verloren worden, habe sich ein heftiger Streit erhoben, in den unglücklicher Weise sein Freund wäre verwickelt worden. Ein Duell wäre von den erhitzten Gemütern als das einzige Mittel betrachtet worden, die verletzte Ehre zu reinigen, und dieses habe eine so unglückliche Wendung genommen, dass sein Freund, von einer Kugel durchbohrt, nicht weit von Bayonne geblieben sei. Dieser Unglücksfall habe ihn selbst, den Baron, so erschüttert, dass er schwer erkrankt sei. Desshalb eile er eine traurige Pflicht zu erfüllen, ehe es vielleicht durch sein Ende unmöglich würde, damit er sich nicht sterbend den Vorwurf zu machen habe, dass der alte Vater auch das ihm zukommende Erbe noch verlöre, nachdem er schon so unglücklich gewesen sei, den Sohn zu verlieren, da der Nachlass des verschiedenen Sohnes doch wenigstens dazu dienen könne, dem Greise die Beschwerden des Alters zu erleichtern. Der Baron hatte diesem Briefe das von dem alten Lorenz selbst verfertigte Verzeichniss der Sachen, die der Sohn mitgenommen hatte, in beglaubigter Abschrift beigefügt. Da es unmöglich sei, diese Sachen selbst zu senden, hatte der Baron, wie er anzeigte, die Garderobe zu verkaufen befohlen, die Ringe aber, Uhren, Dosen, Brillanten und so weiter, von kunstverständigen Männern nach ihrem wahren Werte abschätzen lassen, weil er sie, Falls er leben bleiben sollte, zum Andenken an seinen Freund zu behalten wünsche. Auch hierüber waren die nötigen Zeugnisse beigelegt, nebst der für den vollen Wert dieser Kleinodien erkannten Summe. Ebenfalls folgte die baare Summe dessen mit, was der Sohn, wie es dem alten Lorenz bekannt war, als Reisegeld mitgenommen hatte. Die ganze beträchtliche Summe war dem Prediger in Wechseln übermacht worden, und der alte Lorenz war nun ein wohlhabender Mann und der Geistliche fragte an, ob der Graf unter diesen Umständen noch immer die ihm früher bewilligte Pension wolle auszahlen lassen, da der Alte einen so schlechten Gebrauch von dem ihm auf eine so traurige Weise zugefallenen Vermögen mache, und sich nach einer kurzen Trauer über den Verlust des Sohnes ganz dem Trunke ergeben habe, also eine fernere Unterstützung weder bedürfe noch verdiene, und jetzt gerade eine durch viele Unglücksfälle herabgekommene Familie, die er dem Grafen näher bezeichnete, durch den würdigen Gebrauch der für den alten Lorenz bestimmten Summe dem Elende entrissen werden könne.
Der Graf wies eine Summe an zur Unterstützung der von dem Prediger empfohlenen Familie, aber zu dessen grossem Verdruss entschied er zugleich, dass dem alten Lorenz, den der Prediger seiner grossen Schlechtigkeit wegen verabscheute, die Pension unter jeder Bedingung ausgezahlt werden müsse.
Der Graf verlor sich in Nachdenken über den Brief des Predigers. Es schien ihm gar nicht dem Charakter seines Schwagers, des baron zu entsprechen, mit so viel zärtlicher Schonung und Rücksicht gegen den alten Lorenz zu verfahren. Vielmehr erlaubte er sich zu denken, dass der Baron, teils aus Leichtsinn, teils aus Gleichgültigkeit gegen alle menschlichen Gefühle, es natürlicher gefunden haben würde, über den ganzen Vorfall zu schweigen, die vorhandenen Summen zunächst zu verbrauchen, und es ruhig der Zeit und dem Zufall zu überlassen, den Vater von dem Verluste seines Sohnes zu benachrichtigen. Dieser Brief nun zeigte eine gewisse Aengstlichkeit den Alten zufrieden zu stellen, und fernere Nachforschungen und fragen abzuwenden. Auch die Empfindsamkeit des baron war dem Grafen sehr befremdend. Es schien ihm nicht glaublich, dass dessen durch ein langes Spielerleben verhärtetes Herz eine so zärtliche Neigung für den jungen Lorenz könne gefasst haben, dass dessen Tod ihm eine gefährliche Krankheit zuziehen könne, und es dünkte ihm unmöglich, dass man, wenn man die Kräfte besitze, einen so langen und besonnenen Brief zu diktiren, nicht auch so viel Kraft noch haben sollte, um wenigstens seinen Namen selbst zu unterschreiben, Falls man nicht durch Lähmung oder Verwundung daran verhindert würde, und doch waren diese Hindernisse in dem Briefe nicht angegeben. Je mehr der Graf über alle diese Umstände nachdachte, um so zweifelhafter wurde ihm die Wahrheit aller angegebenen Tatsachen, und es stieg die Vermutung in ihm auf, die Sache könne sich umgekehrt verhalten, der Baron könne im Duell geblieben sein, und der junge Lorenz, von Hochmut verleitet, sich dessen Papiere angeeignet haben und als Baron fortzuleben wünschen. Diess angenommen liess sich auch das Uebrige erklären. Es wurde ihm dann leicht, seinem Vater zu übermachen, was er selbst besessen hatte, wenn er sich in Besitz dessen setzte, was der Baron mitgenommen, dem ja der Graf selbst ansehnliche Summen ausgezahlt hatte.