Sophas niederzulassen, und der Pfarrer wendete sich kurz nach dem Landmanne um und sagte in einem gebietenden Tone: Nun hurtig, Freund, erkläre Er sich, was Er von mir zu wissen wünscht.
Der Schulze räusperte sich ein wenig und sagte: Nicht wahr, Herr Prediger, Sie kennen die alte Liese Lemmerten aus Krumbach? Der Pfarrer besann sich ein wenig und fragte: ist das nicht die Schenkwirtin? Der Schulze nickte bejahend. Nun, was ist mit der? rief der Pfarrer, Er sieht, ich habe Eile.
Nun, lächelte der Schulze freundlich: die hat Gott zu sich genommen. Was! rief der Pfarrer mit Verwunderung, ist die gestorben, wie tausend habe ich denn das nicht erfahren?
Ja, sagte der Schulze sehr zufrieden, morgen gehen wir alle zum Begräbniss, meine alte Mutter wird sich auch aufmachen.
Und was geht das mich an? sagte der Pfarrer, Krumbach gehört nicht zu meiner Kirche, was habe ich dabei zu tun?
Nichts, Herr Pfarrer, sagte der Landmann, Sie sollen auch gar nicht zum Begräbniss kommen, ich sagte bloss, ich und meine alte Mutter werden hinüber fahren.
Was will Er denn eigentlich? fragte der Pfarrer ungeduldig. Die Erbschaft, erwiderte der Schulze. Die Lemmerten war eine alte reiche Frau, und von meinem Vater her muss ich erben. Nun da wünsche ich Ihm Glück, sagte der Geistliche, ich weiss, die Verstorbene muss ein bedeutendes Vermögen hinterlassen haben; der Bauer Kielmann hat auf sein Gut und Haus von ihr fünf tausend, der Bäcker Köhler weiss ich auch, auch der Krämer; zehn bis zwölf tausend Taler müssen da sein, sagte der Pfarrer, nach meiner kurzen Berechnung, ohne ihr eigenes Haus und ihren Hof.
Ja, aber sie wollen mir nichts geben, klagte weinerlich der Schulze.
Wesshalb? fragte der Pfarrer schnell, Wer will es ihm verweigern, sind nähere Erben da?
Nein, nein, nein! rief der Schulze, gar keine Erben sind da, das ist eben das Unglück.
O! spreche Er deutlich und nicht unvernünftig, sagte der Prediger scheltend.
Nun, so lassen Sie mich doch die ganze geschichte erzählen, erwiderte der Schulze im zänkischen Tone. Die alte Liese Lemmerten, nun das war die Schwester von meinem Grossvater, Gott habe ihn selig, nun weiter waren keine Geschwister, als der selige Mann und die selige Frau; nun sehen Sie, die selige Frau hatte keine Kinder, aber mein seliger Grossvater der hatte zwei Kinder, meinen Vater und seine Schwester, nun, und die Schwester, das weiss nun kein Mensch, wo die geblieben ist, und darum soll ich die Erbschaft nicht kriegen, die person soll erst ausgekundschaftet werden.
Wie wir das hörten, da sagte meine alte Mutter: Peter, – ich heisse Peter – nun Peter, sagte sie, gehe Du nur zum Herren Pfarrer, der Herr Pfarrer weiss Alles, und Deine alte Muhme mag stecken, wo sie will, so kriegt er es heraus, und kriegt er es nicht heraus, so wird es ein Anderer gar nicht herauskriegen.
Während dieses Vortrages war die alte Kinderwärterin herein gekommen und hatte das verschiedene Spielzeug der Kinder vom Boden aufgelesen, um es heraus zu bringen; sie hörte des Schulzen Rede mit an und mischte sich, als er geendigt hatte, ohne Umstände in das Gespräch. Seines Vaters Schwester, Herr Schulze, sagte sie, das war ja Lore Breitler, die diente ja, wie ich noch ein junges Ding war, mit mir zusammen bei der seligen Frau Baronin Schlebach auf Seizheim, ich weiss aber nicht, wo sie nachher hingekommen ist.
Das war ja die Mutter der Frau Gräfin, sagte der Pfarrer, indem er sich schnell zum Grafen wendete, der diese Frage bejahte.
Komme Er nach dem Begräbniss wieder zu mir, sagte der Pfarrer hierauf zum Schulzen, ich werde suchen Erkundigungen einzuziehen und werde sehen, wie ich Ihm dienen kann.
Der Schulze und die Kinderwärterin verliessen jetzt mit einander das Zimmer, und setzten ihr Gespräch über Lore Breitler und die zu hoffende Erbschaft noch vor der tür eine Zeitlang ziemlich lebhaft fort. Der Pfarrer aber wendete sich zum Grafen und bat ihn noch einmal um Entschuldigung, dass er sich habe durch den Landmann abhalten lassen, ihn zu unterhalten.
Ich konnte um so weniger verlangen, erwiderte der Graf, dass Sie den Schulzen ohne eine befriedigende Antwort von sich liessen, da ich selbst in der Absicht zu ihnen gekommen bin, Sie um Ihren Beistand in einer Angelegenheit zu bitten.
Der Geistliche, aus wirklicher Dienstfertigkeit und aus Reugiede, die Angelegenheit des Grafen zu erfahren, erbot sich mit grösster Bereitwilligkeit zu allen möglichen Diensten.
Der Graf war im Begriff dem Pfarrer seinen Entschluss über die Grenzstreitigkeit mit dem Baron Löbau mitzuteilen und ihn zu ersuchen, als Vermittler dem Baron sein Anerbieten mitzuteilen, als sich die tür öffnete und die Frau des Predigers die Unterhaltung unterbrach. Da man beim Pfarrer schon längst zu Mittag gespeist hatte, so wurde angenommen, der Graf mache einen Nachmittags-Besuch; ihm wurde Kaffee angeboten, und man fing zugleich an, Anstalten zum Teetrinken zu treffen; diese Aussicht bestimmte den Grafen, so schleunig als möglich dem Pfarrer die nötigen Mitteilungen zu machen und den gewünschten Beistand von ihm zu erbitten. Der Geistliche bekämpfte eine Zeitlang den Entschluss des Grafen, ein Stück des Waldes abzutreten, indem er ihm auseinandersetzte, dass die Ansprüche des baron sich auf