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, deren Grund Niemand begreift, so weit ginge, dass Sie mich allein die hülfe nicht finden liessen, die sonst Jedermann bei Ihnen findet. Auch glaube ich, könnte es Sie bestimmen auf den Handel einzugehen, dass ich, wenn er zu stand kommt, gesonnen bin, diese Gegend gänzlich zu verlassen, wodurch Sie gesichert wären, dass nicht wieder ärgerliche Auftritte Statt finden könnten, wenn ich zufällig mit meiner Schwester zusammenträfe.

Sie stellen Gründe auf, sagte der Graf mit Bitterkeit, die mit siegender Gewalt alle Einwendungen lähmen und die mich in der Tat geneigt machen, Ihren Forderungen zu genügen, wenn es meine Kräfte erlauben.

Ich dachte es wohl, erwiderte der Baron verbindlich, dass ich mich nicht vergeblich an Sie gewendet haben würde. Wir können einen Tag festsetzen, wenn wir uns in Breslau treffen wollen, wo wir unser Geschäft beendigen können. Doch muss ich bitten, diese Zusammenkunft nicht länger als eine Woche aufzuschieben, weil ich sonst in anderen Plänen gehindert würde, und muss Sie noch ersuchen, die Bedingung einzugehen, eine Summe sogleich auf Abschlag der Zahlung zu entrichten.

Wie, sagte der Graf, eh ich die Güter kenne, ehe mir einmal der Kaufpreis genannt ist?

Ich gestehe, sagte der Baron lächelnd, dass diese Bedingung etwas von der allgemeinen Regel abweicht, aber bedenken Sie, die Umstände sind auch nicht die gewöhnlichen. Ein Verwandter macht Ihnen diesen Vorschlag, der sich entfernen will und dem Sie dann vielleicht nie im Leben mehr begegnen.

Diess entscheidet, sagte der Graf. Unter dieser Bedingung bin ich bereit auch auf diese Forderung einzugehen, wenn sie meine Kräfte nicht übersteigt, denn ich setze voraus, Sie wissen den Wert Ihrer Bedingung zu schätzen, und ich fürchte, Sie haben Ihre Forderung dem gemäss eingerichtet.

Ich werde die Genugtuung haben, sagte der Baron mit einschmeichelnder stimme, dass Sie mich bescheidener finden, als Sie vermuten. Ich habe einem Freunde tausend Taler zu bezahlen, der seine Rechte seinem Vater übertragen hat, dem alten Herrn Lorenz, der mich hieher begleitet hat, um das Geld sogleich zu empfangen, und ich muss desshalb auf die Abzahlung dieser Summe dringen, weil sonst leicht eine mir nachteilige Spannung zwischen mir und meinem Freunde entstehen könnte.

Und Sie nennen diesen Menschen Ihren Freund? fragte der Graf mit Erstaunen.

Warum nicht? erwiderte der Baron lächelnd. Wollte ich hier bleiben, so könnte vielleicht aus dieser freundschaftlichen Verbindung manche Verlegenheit für mich entstehen, aber da wir beide nach der spanischen Gränze gesendet werden, wo unser Vorteil gemeinschaftlich sein wird, und wo uns Niemand kennt, so können die hiesigen engherzigen Rücksichten keinen Einfluss auf mich üben, um so mehr, da die Franzosen alles andere eher aufgeben werden, als das Gefühl einer ursprünglichen Gleichheit; daher würde es mir selbst keinen Nachteil bringen, wenn auch die Herkunft meines Freundes bekannt würde.

Ich habe den Franzosen niemals so sehr Unrecht tun mögen, sagte der Graf, zu glauben, dass sie die Gleichheit, welche sie verlangen, so verstanden wissen wollen, dass sie keine moralische Unterschiede annähmen. Doch, fuhr er mit einem kalten blick auf den Baron fort, ich habe hier kein Urteil zu fällen.

Sie meinen, entgegnete dieser lächelnd, der moralische Unterschied zwischen mir und dem werten Herrn Lorenz möchte nicht bedeutend sein, denn ich wette, Sie halten uns beide für ein Paar Taugenichtse.

Ich habe schon bemerkt, sagte der Graf, dass ich kein Urteil über Sie habe. Nach der spanischen Gränze wollen Sie, fragte er hierauf, also muss ich vermuten, Sie nehmen französische Dienste, und so könnte es sich fügen, dass Sie selbst einmal gegen Ihr Vaterland gebraucht würden.

Wie die Sachen jetzt stehen, antwortete der Baron, lässt es sich kaum vermuten, denn diess Preussen, welches Sie mein Vaterland nennen, ist zu eng, zu notwendig mit Frankreich verbunden, als dass sein Adler nicht immer mit dem französischen fliegen sollte. Aber selbst, wenn es anders wäre, so könnte diess mein Handeln nicht bestimmen. Wie oft haben Preussen gegen Oesterreicher, Sachsen und Andere gefochten, die sich doch wohl Deutsche nennen müssen und die folglich zu dem deutschen vaterland gehören, denn so enge Grenzen werden Sie doch Ihrer Vaterlandsliebe nicht stecken wollen, dass Sie alles, was ausserhalb Preussen liegt, Fremde und Feindesland nennen wollen. Wenigstens würden Sie, wenn Sie diess täten, in seltsame Verlegenheiten geraten. Sie müssten dann mit feindlichen Augen selbst die betrachten, die Sie noch im vorigen Jahre mit Bruderliebe umfasst haben als die Söhne des gemeinsamen Vaterlandes, die Einwohner der abgetretenen Provinzen nämlich.

Der Baron schwieg. Da aber der Graf nicht antwortete, fuhr er fort: Sie nehmen vermutlich die grenzen des Vaterlandes bis zum Rhein an. Ich gehe etwas weiter; ich überschreite den schönen Fluss und finde mit Weltbürgersinn überall mein Vaterland, so weit die zivilisation reicht.

Diess ist ein Gegenstand, sagte der Graf kalt, über den sich nicht streiten lässt. Jedermann folgt darin seiner Ansicht, und es würde zu weit von dem Zwecke unserer Zusammenkunft abführen, wenn wir gegen einander unsere Meinungen entwickeln wollten.

Der Baron folgte bereitwillig diesem Wink, und es wurde festgesetzt, dass beide Herren sich nach vier Tagen in Breslau treffen wollten, um den beabsichtigten Handel abzuschliessen, und dass der Graf tausend Taler dem Pfarrer übergeben wollte, der sie gegen die gehörige Quittung dem alten Lorenz abzugeben habe. Der Graf hatte sich zu diesem Opfer entschlossen,