Hand bot, die dieser, wenn er nicht geradezu beleidigen wollte, nehmen musste; denn Sie geben mir die Versicherung, dass ich von meiner Schwester nicht gehasst bin, und so darf ich denn nun mit grösserer Zuversicht die Hoffnung einer endlichen Versöhnung hegen.
Ich bitte Sie, entgegnete der Graf mit grossem Ernst, jeden Gedanken an eine Annäherung gänzlich aufzugeben. Hat das Leben Ihrer Schwester den geringsten Wert für Sie, so werden Sie sich dieser notwendigkeit um so eher fügen, wenn ich Ihnen sage, dass Sie auf das Haupt dieser Unglücklichen ein Schicksal geladen haben, vor dem Sie vielleicht selbst schaudern würden, wenn Sie es in seinem ganzen Umfang kennen sollten. Wenn Sie aber trotz dieser Erklärung annähernde Schritte noch für angemessen halten, so muss ich noch hinzufügen, dass ich solche wie eine offenbare Feindseligkeit gegen mich betrachten würde, der ich auf gleiche Weise dann begegnen müsste.
So wäre diese Hoffnung vorüber, sagte der Baron seufzend, und ich scheide völlig verarmt im Herzen aus meinem vaterland. Sie sehen nur mein Unrecht, aber nicht meine Schmerzen. Sie wollen Ihre Gemahlin vor unangenehmen Eindrücken bewahren und beachten es nicht, wenn Sie das Herz des Bruders zerreissen. Doch es sei, Sie ahnen nicht das Gefühl der Verzweiflung, mit dem ich von Ihnen scheide, da ich in der Hoffnung kam, das Herz meiner geliebten Schwester zu rühren, und durch diese Versöhnung nicht bloss diese wieder zu gewinnen glaubte, sondern auch einen edlen Verwandten, einen brüderlichen Freund. Alle diese Träume sind vernichtet und ich muss freudlos, wie ich es begann, das traurige Leben enden.
Beide schwiegen eine Zeit lang, endlich sagte der Graf: Da die Absicht, aus welcher Sie diese Zusammenkunft wünschten, nicht erreicht werden kann, so werden Sie selbst es am Besten finden, wenn wir nun friedlich scheiden, da ich nicht glaube, dass Sie mir noch sonst etwas zu sagen haben können.
Freilich, sagte der Baron, indem er wie aus tiefem Sinnen auffuhr, scheiden müssen wir, und ich kann Ihnen nichts mehr sagen. Und doch, fuhr er, wie sich besinnend, fort, warum sollte ich jetzt nicht über ein Geschäft wie ein Edelmann zum andern mit Ihnen sprechen können, obgleich es meine Absicht war, auch diess freundlich und liebevoll, wie es zwischen Verwandten sich ziemt, zu behandeln.
Ich stehe zu Befehl, sagte der Graf mit höflicher Kälte.
Sie wissen, erwiderte der Baron, anmutig lächelnd, dass unser Vaterland so gut wie vernichtet ist und dass die ungeheuern Lasten, die jeden einzelnen bedrücken, der nicht unermesslich reich ist, wie Sie, schon viele kleinere Gutsbesitzer vermocht haben, ihr Eigentum dem staat gänzlich zu überlassen, weil es nicht möglich war die Forderungen dieses Staates zu befriedigen.
Ich weiss, antwortete der Graf seufzend, dass das Grundeigentum beinah allen Wert verliert, weil der Druck der Abgaben nicht gemildert werden kann, so lange die Franzosen im land bleiben.
Nun, dann möchte er noch ziemlich lange anhalten, sagte der Baron mit schlauem blick, und selbst Ihr grosser Reichtum könnte am Ende nicht ausreichen.
Mein Reichtum ist bei Weitem nicht so gross, wie Sie zu glauben scheinen, erwiderte der Graf trocken. Ich habe seit vielen Jahren von meinen Einkünften jährlich etwas zurückgelegt, und diese so ersparten Summen setzen mich nun in den Stand, die notwendigen Forderungen des Vaterlandes zu befriedigen, ohne mein Vermögen zu zerstören, wie es andere, minder Beglückte leider müssen.
Das ist es ja, was ich meine, versetzte der Baron mit etwas spöttischem Lächeln. Sie haben mit bewunderungswürdiger, ja mit beneidenswerter Vorsicht die sieben fetten Kühe benutzt und können nun grossmütig die sieben magern ernähren.
Ich weiss nicht, sagte der Graf empfindlich, ob das Gespräch, wie wir es jetzt führen, die Einleitung eines Geschäftes sein kann, und ob es nicht besser wäre zu scheiden, ohne uns gegen einander zu verstimmen?
Ich denke, erwiderte der Baron, dass Sie mir, ehe wir uns trennen, noch das zeugnis geben werden, dass ich wenigstens mein Schicksal mit Gleichmut trage, denn auch ich bin einer der minder Beglückten, die ihr Eigentum aufgeben müssen, um das wankende Vaterland zu unterstützen, und ich wollte nach der gelungenen Versöhnung Ihnen als Ihr Freund und nächster Verwandter meine Güter zum Verkauf anbieten. Da die Versöhnung leider gänzlich misslungen ist, so biete ich Ihnen den Handel an, wie ein Edelmann dem andern.
Sie wissen wohl selbst, sagte der Graf, dass es im gegenwärtigen Augenblicke beinah unmöglich ist, Güter zu kaufen, weil nicht allein die Aufbringung der Kaufsumme Verlegenheit hervorbringt, sondern weil man dadurch die Last der Abgaben so steigert, dass man davon erdrückt werden muss; also werden Sie es natürlich finden, wenn ich jeden Antrag der Art ablehne.
Ich weiss nicht, erwiderte der Baron höflich, ob Sie nicht diese abschlägliche Antwort zurücknehmen, wenn Sie die Sache von allen Seiten überlegt haben werden. Jedermann weiss, dass Sie Ihr grosses Vermögen zu dem edlen Zwecke benutzen, alle Hülfsbedürftige zu unterstützen, dass Sie bei dieser löblichen Menschenliebe nicht einmal darauf Rücksicht nehmen, ob sie Freunden oder Feinden Ihres so hoch von Ihnen verehrten Vaterlandes zu teil wird. Jedermann weiss, dass ich als der einzige Bruder Ihrer Gemahlin mich seit lange fruchtlos bemühe in der Jugend entstandene Irrungen mit meiner Schwester auszugleichen. Welch ein seltsames Licht müsste es auf diese Schwester und auch auf Sie werfen, wenn Ihre feindliche Stimmung gegen mich