, für so unritterlich und unbrüderlich würden wir ihn doch nicht halten, dass er selbst uns seinem Bruder nachsenden würde, um ihm sein Glück zu entreissen. Als ich mit Heftigkeit von der Genugtuung sprach, die der erlittene Schimpf fordere, sagte er kaltblütig, er sei bereit, diese im Namen seines Bruders zu geben. Ich nahm ihn beim Worte und der nächste Tag wurde zur blutigen Entscheidung bestimmt. Mein grossmütiger Freund liess den kleinen Rest seines Vermögens beinah ganz in den Händen der kranken, ihre Schwachheit zu spät bereuenden Mutter und sehnte sich statt meiner, von der Kugel des Franzosen zu sterben. Ich bestand auf meinem Recht, er war mein Sekundant. Wir trafen am andern Morgen mit unserm Feinde zusammen; seine Kugel streifte mir den Arm und riss eine grosse Wunde hinein, ich aber traf meinen Gegner, wie wir glauben müssen, tödtlich, denn er blieb leblos in den Armen seines Sekundanten, der uns wohlmeinend zur Flucht antrieb, und mein Freund riss mich besinnungslos hinweg.
Herr von Werteim schwieg. Tiefer Ernst lag auf der Stirn des Grafen, und Lehndorf bedeckte sein Gesicht mit der Hand, den Arm auf die Lehne des Sessels stützend. Nach kurzem Schweigen fuhr Werteim fort: Alle unsere Handlungen nach der Flucht meiner Schwester waren in schmerzlicher Verzweiflung rasch auf einander gefolgt und Keiner hatte an einen bestimmten Plan verständig denken können. Wir fanden uns also auf der Landstrasse mit sehr wenigem Gelde und den Kleidern, die wir an uns trugen. Wir spornten unsere Pferde an und wussten nicht wohin. So gerieten wir zufällig in ein Dorf und erfuhren, dass es zu Ihren Gütern gehöre und dass wir dem Herrenhause ganz nahe wären. Ich blieb in der Schenke, während Lehndorf einen kurzen Besuch bei Ihrer Mutter machte, um nach Ihnen zu fragen. Hier erfuhr er Ihren Aufentalt und diess gab unserer Flucht eine bestimmte Richtung. Ich war schlecht verbunden, aber wir eilten dessenungeachtet vorwärts, ohne weder uns, noch unseren Pferden die nötige Ruhe zu gewähren, und diese erlagen der Anstrengung. Zwei Stunden von hier mussten wir sie zurücklassen, und ich machte, obwohl zum tod ermattet, trotz meiner Schwäche, den Rest des Weges mit meinem Freunde zu Fuss, und so kamen wir gestern bei Ihnen an, mit dem Plane, nach einiger Ruhe, dem Rate und dem Troste eines Freundes gemäss, uns zu dem Korps von Schill zu begeben, um, wenn er uns nicht anders brauchen kann, als Gemeine unter ihm zu dienen, denn in diesem geht dem vaterland eine neue Sonne auf, und ich hoffe, wir werden Grosses durch ihn erleben.
XIV
Werteim schwieg, und der Graf Robert sagte: Sie zweifeln wohl keinen Augenblick daran, dass ich alles aufbieten werde, was in meinen Kräften steht, um Ihre Pläne zu befördern, aber ich glaube, lieber Werteim, Sie werden einige Tage ruhen müssen, ehe Sie daran denken können, weiter zu reisen, und diess erfüllt mich mit Sorgen, denn wenn der Obrist wirklich geblieben ist, so muss man Verfolgung befürchten, und wie leicht können Sie hier entdeckt werden.
Im grund, sagte Werteim finster, liegt mir wenig am Leben, und mein Freund Lehndorf ist gesund. Schaffen Sie ihm also die Mittel fortzukommen, damit mir wenigstens der Trost bleibt, wenn ich untergehen muss, dass er lebt, um vielleicht in der Zukunft an der Rache teil zu nehmen und den Feind bestrafen zu helfen, der uns, nachdem er unser Vaterland in den Staub getreten, unsere Ehre gekränkt hat, durch seine Satelliten unsere Bräute und Schwestern rauben und, so wie die öffentliche Ehre verletzt ist, auch die Familienehre mit Hohnlachen zu grund richten lässt.
Der Baron Lehndorf erklärte sich bestimmt, dass er den Freund nicht verlassen würde, und der Graf bat den Verwundeten, es zu erlauben, dass er seinem Oheim die geschichte seines Unglücks mitteile, da ja doch nur durch ihn in seinem haus kräftiger Beistand zu erlangen sei. Nur schwer liess sich Werteim überreden, seine Einwilligung zu dieser Mitteilung zu gewähren, denn sein von natur heftiges und durch das öffentliche sowohl, als sein eigenes Unglück erbitterte Gemüt war schwer von einmal empfangenen Eindrücken zu heilen, und was auch der Graf Robert sagen mochte, er schwieg düster dazu, und verlor den Verdacht und Widerwillen gegen den Oheim seines Freundes nicht ganz. Endlich überstimmt und überredet, musste er die verlangte Einwilligung geben, und Graf Robert begab sich zu seinem Oheim, um das Beste seines düstern, ungestümen Freundes zu beraten.
Der Graf beklagte den jungen Mann und war um so mehr zur hülfe bereit, da er dem staat einen kräftigen Krieger zu erhalten wünschte. Doch entschied er dahin, dass jede Massregel aufgeschoben werden müsse, bis der Arzt zurück sei, um seine Meinung zu hören, wie bald der Verwundete sich neuen Anstrengungen unterwerfen könne. Es ward also beschlossen, um jede Neugierde der Bedienten zu unterdrücken, die bei etwaigen Nachforschungen nachteilig werden könnte, zu verbreiten, der junge Mann sei durch einen Sturz mit dem Pferde verletzt worden und müsse sich hier im haus etwas erholen, ehe er weiter nach Warschau reisen könne, wie seine Absicht sei; und um allen Schein des Geheimnisses zu vermeiden, sollten die beiden Fremden der Familie des Grafen vorgestellt werden und in diesem Kreise scheinbar gleichgültig leben, bis der Arzt die Abreise erlauben würde. Der Graf Robert hatte es Anfangs zu erwähnen vermieden, dass der Herr von Werteim derselbe sei, durch dessen ungestüme