Bequemlichkeit, denn sie brauchen sich nicht mit dem Studium einer einzigen fremden Sprache zu bemühen, selbst nicht für ihre diplomatischen Unterhandlungen, denn auch diese werden in der Regel in französischer Sprache geführt, und ich weiss nicht, ob Jemand daran gedacht hat, welch ein grosser Vorteil den Franzosen schon allein dadurch zugestanden ist, dass mit ihnen in ihrer Landessprache unterhandelt wird, die ein geistreicher Mann immer besser zu benutzen verstehen wird, wie eine fremde, wenn er sie sich auch noch so sehr zu eigen gemacht hat.
Aber eine Sprache muss doch bei diesen Verhandlungen angewendet werden, sagte der Prediger, und so würde es nicht zu vermeiden sein, dass eine Nation in dieser Rücksicht begünstigt wird.
Ehedem, bemerkte der Graf, wurden alle Staatsgeschäfte verschiedener Nationen lateinisch verhandelt, und ich begreife nicht, wesshalb diess jetzt lächerlich und pedantisch gefunden wird. Es war wenigstens Gerechtigkeit darin, eine Sprache, die keine lebende Sprache eines Volkes mehr ist, und die folglich alle Parteien erlernen mussten, in Fällen anzuwenden, wo es so sehr darauf ankommt, kein Uebergewicht zu gestatten.
Das Gespräch wurde dadurch unterbrochen, dass Dübois eintrat und nach einem leisen Gespräch mit dem Grafen Robert das Zimmer mit demselben verliess. Alle, selbst der Graf nicht ausgenommen, waren verwundert über das Geheimnissvolle in der Art, wie der Haushofmeister den jungen Grafen abgerufen hatte, und erwarteten mit einiger Unruhe seine Rückkehr. Nach einigen Minuten erschien er wieder im saal, und Ernst und Unruhe hatten sich auf seiner Stirn gelagert. Zwei ehemalige Regimentskameraden, sagte er zu seinem Oheim, bitten mich für diese Nacht um Gastfreundschaft, die natürlich ich nicht ohne Ihre erlaubnis gewähren kann, und ich komme desshalb – –
Lieber Vetter, unterbrach ihn der Graf mit leichtem Unwillen, bedarf es noch einer Frage, ob mir Ihre Freunde willkommen sein werden.
So erlauben Sie mir, erwiderte sein Verwandter mit einiger Verlegenheit, mich für heute mit ihnen zurückzuziehen und für die Bequemlichkeit meiner Gäste in Ihrem haus zu sorgen, denn der eine ist nicht wohl; doch, hoffe ich, wird er sich nach der Ruhe der Nacht erholen, und ich werde Ihnen, ehe sie weiter reisen, Beide vorstellen können.
Er verliess nach diesen Worten von Neuem den Saal, der Graf blickte ihm verwundert nach. Der Prediger war so lebhaft aufgeregt von diesem Vorfalle und versenkte sich in so tiefes Nachdenken darüber, was dieser geheimnissvolle Besuch zu bedeuten haben könne, dass er die sehr merklichen Winke des Arztes übersah, der sich ebenfalls mit ihm zu entfernen und ihm etwas anzuvertrauen wünschte. Der Graf konnte sich einer leichten Unruhe nicht erwehren; er vermutete, dass dieser Besuch mit Verbindungen im Zusammenhange stehe, in die sich sein Verwandter, wie er wusste, eingelassen hatte, und er fürchtete, dass vielleicht eine Unbedachtsamkeit den jungen Mann in Verantwortung bringen und ihn selbst mit hinein ziehen könne. Er wurde also nachdenkend und still, und es gelang endlich dem arzt, den Prediger auf sein Zimmer zu führen, um ein wichtiges geheimnis in dessen Busen niederzulegen. Endlich, fing er triumphirend an, bester Herr Prediger, kann ich Ihren lang gehegten Wunsch befriedigen und Ihnen den vollständigsten Aufschluss über eine Sache geben, die Sie sich so oft vergeblich bemüht haben zu erfahren.
Und über welche Sache wäre Ihnen diess möglich? fragte der Geistliche mit Spannung. über die wunderbare Verwundung unseres guten Herrn St. Julien, erwiderte der Arzt mit selbstgefälligem Lächeln.
Was haben Sie darüber erfahren, fragte mit Eifer der Pfarrer, und bei welcher gelegenheit? Sie wissen, antwortete der Arzt, ich kümmere mich nicht sonderlich um die Angelegenheiten der Menschen, wenn sie nicht mit meiner Kunst zusammenhängen, und ich würde auch diess Mal um meinet Willen nicht so aufmerksam darauf gewesen sein, denn für mich ist es die Hauptsache, dass ich den jungen Mann hergestellt habe. Wie er zu seinen Wunden gekommen, ist mir eigentlich gleichgültig, aber die Freundschaft hat ihre Rechte. Also um Ihret Willen, bester Freund, hörte ich genau hin und prägte mir die ganze Unterredung an der Tafel des Kommandanten so genau ein, dass ich sie Ihnen Wort für Wort wiederholen kann. Er tat diess hierauf mit grosser Umständlichkeit und fragte mit selbstzufriedenem Lächeln, als er geendigt hatte, seinen aufmerksamen Zuhörer: Was sagen Sie nun, habe ich nun nicht den Zusammenhang der ganzen Sache zu Ihrer Kenntniss gebracht, und bin ich gänzlich unfähig, wie Sie so oft behauptet haben, einer Sache meine Aufmerksamkeit zu schenken, die nicht mit meiner Wissenschaft zusammenhängt?
Und halten Sie denn diese Erklärung für die aufrichtige, wahre? fragte der Geistliche etwas verächtlich. Die geringste überlegung hätte Ihnen ja sagen müssen, dass, wenn sich die Sache so verhielte, St. Julien keine Ursache gehabt hätte, sie uns allen so ängstlich zu verschweigen, und dass er uns, wenn diess der richtige Zusammenhang der Sache wäre, diese Mitteilung denselben Tag gemacht haben würde, an welchem Sie ihm zu sprechen erlaubten.
Mann, Sie haben Recht! rief der Arzt, von seinem Sitze aufspringend, Sie sind ein wahrer Macchiavell an Scharfsinn.
Bedeutend ist in Ihrem Berichte, erwiderte der Prediger, dass die erwähnten Italiener des jungen Mannes Verwandte sind. Nun, fuhr er nach einigem Nachdenken fort, ich gebe es noch nicht auf, der Sache auf den Grund zu kommen, so wie manchem Geheimnissvollen in diesem haus. Sagen Sie mir doch morgen, wenn Sie nach dem dorf reiten, um Ihre