ihn in Ordnung halten könne, denn ich als seine Haushälterin könne darin nichts tun. Seine Blutsauger lachten mich nur aus, wenn ich sein Geld eintreiben wollte; er sah Alles ein, gab mir Recht, aber konnte sich immer nicht entschliessen. Endlich hatten wir uns ein Mal wieder tüchtig gezankt und ich sagte ihm, wenn er keine Frau nehmen wolle, so würde ich auch nicht bei ihm bleiben, denn ich könne die unordentliche Wirtschaft nicht länger mit ansehen. Da sagte der gute Mann, was brauche ich denn in der Ferne zu suchen, was mir so nahe im Wege liegt. Wir können uns ja gleich selber heiraten, meine gute Leonore, wenn es nötig ist, eine Frau zu nehmen, um Ordnung im haus zu haben. Ich war anfänglich ganz bestürzt über seine Rede; wie ich es aber gehörig überlegt, fand ich, dass er ganz recht hätte. Ich erkundigte mich, ob er nahe Verwandte habe. Niemanden, sagte er, als einen Schwestersohn, der bald hieher auf die Universität kommen wird, um unter meiner Anleitung Teologie zu studiren, und für den ich wie ein Vater zu sorgen denke. Nun, dachte ich, für den wird es auch besser sein, wenn er zugleich eine Muttr findet, denn ich dachte nicht, Herr Prediger, wie ich mich mit dem alten Herrn Professor zu dessen Bestem verheiratete, dass uns Gott noch Kinder schenken würde. Na, wie gesagt, so getan, wir waren ein Paar, ehe der Trotzkopf dort ankam. Ich sah es wohl, dem war die Frau Base nicht recht, nicht vornehm genug, aber ich dachte, das wird sich schon geben; findet er nur täglich seinen Tisch gedeckt und gute Klösse in der Suppe, so wird er wohl einsehen, dass sein Oheim vernünftig darin gehandelt hat, für eine Pflegerin im Alter zu sorgen. Aber der Mensch war wie verhext; je mehr ich ihm Alles nach dem mund einzurichten suchte, um so gröber wurde er und blinzte immer tückischer mit den kleinen Augen. Das bemerkte selbst mein guter Mann, der sonst auf wenig achtete, und ich hatte oft genug zu tun, um ihn zufrieden zu sprechen. Ich sagte ihm oft: Jugend hat keine Tugend, wenn er mehr zu verstand kommt, wird ihm der dumme Hochmut vergehen. Aber es wurde täglich schlimmer. Endlich schrieb er gar meinem mann, dass er umsatteln und auf die Doktorei studiren wolle. Sie wissen, Herr Prediger, jeder Mensch liebt seine Profession, und ich dachte, meinen alten Mann würde der Schlag rühren, wie er den Brief las, denn Der hatte schon das Versprechen erhalten, dass man ihn in eine schöne Pfarre einschieben wolle, wenn er ausstudirt haben würde. Lorchen, sagte der gute Mann zu mir, ich fürchte für meine Gesundheit, wenn ich den Undankbaren spreche; übernimm Du es, ihm sein Unrecht zu zeigen. Ich tat das gern für den alten Mann und wollte dem Springinsfeld zeigen, dass er sein Stipendium und Alles verlieren müsste, wenn er nicht geistlich bliebe. Aber der war grob wie ein Kannibale und führte so anzügliche hebräische Redensarten, von denen er behauptete, sie ständen in der Bibel, dass mir endlich, wie er gar dem Apostel Paulus seine Grobheit zuschieben wollte, auch die Galle überlief und ich ihm tüchtig meine Meinung sagte.
Am andern Morgen war der Brausekopf auf und davon, und wir weinten hinterdrein, und ich weinte noch mehr, wie meine Tochter nach wenigen Tagen geboren wurde, denn nun konnte er nicht Gevatter stehen bei dem kind, wie ich ich es immer mit seinem Oheim ausgemacht hatte. Mein guter Mann sah, wie mich das Alles kränkte, und schrieb nach Jena an einen guten Freund, den er dort hatte, und der richtete es so ein, dass dem Neffen alle Unterstützung zukam, die er durch uns bekommen konnte, bald als Geschenk für eine glückliche Kur, bald auf andern Wegen, so dass wir wussten, es ginge ihm dort nichts ab. Er blieb lange in Jena, ohne uns weiter zu schreiben, als ein Mal. Mein seliger Mann wartete immer auf Briefe und dachte ihm dann zu vergeben; denn für ihn schickte es sich doch nicht, mit der Vergebung aller Grobheit dem Neffen entgegen zu kommen; wer aber nicht schrieb, das war der übermütige Patron, und so blieb es viele Jahre, bis man auf ein Mal meinem alten mann meldete, der Vogel sei ausgeflogen. Er war aus Jena verschwunden und Niemand wusste, wo er geblieben war. Ich weiss nicht, fuhr die gute Frau ernstaft, den Kopf schüttelnd, fort, ob mein lieber Vetter alle die Tränen verdient hat, die sein guter seliger Oheim um seinet Willen weinte. Vor zwei Jahren, wie der gute Mann sein Ende nahe fühlte, sagte er zu mir: Lorchen, wenn Du meinen Neffen auffinden kannst, so lass ihm doch aus meinem Nachlasse die Bibliotek und die Naturaliensammlung zukommen, wenn Du es glaubst, dass unser Kind es entbehren könne. Ich antwortete ihm, unsere Marie würde, wenn sie die Jahre hätte, wohl ohne die Bücher und all den Kram einen guten Mann finden, und ich wollte es dem Neffen geben. Er fragte mich, ob er darüber etwas aufzeichnen solle; ich antwortete aber, dass es ihm bewusst sei, dass ich keine Heidin wäre, und dass es keiner Schreiberei bedürfe, um seinen Willen zu erfüllen. Darauf