1836_Bernardi_007_120.txt

Ich bringe Ihnen vollständige hülfe, und zwar von dem mann, gegen den mein Vater sich mit nichtswürdigen Gaunern vereinigte, um ihn zu betrügen. O, Mutter! können die Wogen des Weltmeers diesen Flecken von dem Namen eines Edelmannes abwaschen?

Glaube mir, erwiderte die Mutter, ich fühle sein Unrecht wie Du, aber sei mild, bedenke sein Unglück; der alte Mann hat Alles eingebüsst, Vermögen, Gesundheit, die achtung seiner Mitbürger und seiner selbst; soll er ganz verzweifeln, wenn er sieht, dass er auch die Liebe seines Weibes und seiner Kinder verloren hat?

Der junge Graf schwieg und bedeckte sein Gesicht mit den Händen, bis das Geräusch eines vorfahrenden Wagens Beide aufschreckte. Sie trockneten schnell die herabströmenden Tränen und gingen dem Vater entgegen, der, wie der Sohn mit Schmerzen bemerkte, nur mit Mühe aus dem Wagen steigen konnte, weil seine Füsse geschwollen waren. Sein Gesicht war bleich und entstellt, er atmete schwer aus beklemmter Brust und konnte, auf den Arm des Sohnes gestützt, durch heftiges Husten gehindert, nicht so schnell die Treppe ersteigen, wie seine zitternde Eile es verlangte; er sah mit scharfen Blicken abwechselnd in die verweinten Augen der Mutter und des Sohnes, die ihm schlimme Vorzeichen zu sein schienen. Der alte Lorenz blickte mit lauerndem Lächeln von dem jungen Grafen auf seinen Sohn, und dieser erwiderte den blick des Vaters durch ein spöttisches Zucken des Mundes. Alles diess entging dem alten kranken Grafen nicht, der sich um so mehr beeilte, sein Zimmer am arme des Sohnes zu erreichen, dessen Zorn beim Anblicke des beinah vernichteten Vaters schwand. Sie hatten endlich die Treppe erstiegen, und der Vater zog den Sohn in sein Kabinet und sagte, indem er noch dessen Arm umschlossen hielt, in heftigster Angst: Sprich es nur aus, zögre nur nicht, Du bringst nichts, wir sind verloren.

Könnte doch dadurch Alles gut werden, sagte der Sohn, indem er beide hände des Vaters fasste, dass ich Ihnen vollständige hülfe bringe. Wie war das, sagte der Vater, indem er, durch den freudigen Schreck ermattet, sich in einen Lehnstuhl senkte, hast Du die nötigen Summen?

Ich habe alles erhalten, was wir brauchen, erwiderte der Sohn, und zwar ohne Anstrengung, ohne Künste. O mein Vater, wie sehr haben wir den besten der Menschen verkannt. Lass das jetzt, rief der Vater, indem ein Strahl der Freude in seinen erlöschenden Augen aufblitzte, wir wollen uns schnell die beiden Schurken vom Halse schaffen, die mich ganz wie ihres Gleichen behandelt haben. Ach, mein Vater! seufzte der Sohn. Lass alle Erklärungen, rief der Vater, wenn die Beiden aus dem haus sind, dann wollen wir über Alles sprechen. Er wollte sich schnell erheben, um diess sogleich auszuführen, aber der Husten, der ihn von Neuem überfiel, verhinderte ihn an der Ausführung seines Vorsatzes. Es währte eine halbe Stunde, ehe der Kranke sich von der Anstrengung des heftigen Hustens erholen konnte. Ich habe mich um der Schurken Willen heute noch erkältet, sagte er endlich, und diess wird mir um so nachteiliger, da ich schon krank war, ehe wir in den Wagen stiegen; aber komm nur, wir wollen sie nun gleich abfertigen. Er erreichte, auf den Arm des Sohnes gelehnt, den Saal, in dem die Mutter mit dem alten Lorenz und dessen Sohne ein gleichgültiges Gespräch zu führen suchte. So krank der alte Graf sich auch fühlte, so richtete er sich doch stolz empor und sagte mit vornehmer Höflichkeit zu den Beiden: Es tut mir leid, meine Herren, dass Sie sich so lange vergeblich bei mir aufgehalten haben, da aus unsern früheren Plänen nichts werden kann, weil ich gesonnen bin, meinem Sohn die Güter zu übergeben, und ich beklage nur, fügte er spöttisch lächelnd hinzu, dass Sie sich heute die unnütze Mühe gemacht haben, Alles in meiner Wirtschaft zu betrachten, die Sie niemals führen werden.

Der alte Lorenz so wohl, als sein Sohn waren nach dieser Erklärung sichtlich bestürzt, aber da sie fühlten, dass alle ferneren Versuche vergeblich sein würden, ging der Sohn hinweg, um seinem Bedienten zu befehlen, die Pferde anspannen zu lassen. Nicht eine Sylbe wurde gesprochen, um diesen Vorsatz zu verhindern, obgleich die Abenddämmerung schon eintrat, und beide unwürdige Gäste mussten sich von dem schloss entfernen, das sie schon wie ihr Eigentum betrachtet hatten.

Gottlob! rief der alte Graf, als sie das Haus verlassen hatten, nun ist die Luft wieder rein, aber ich fühle mich krank und ermattet, ich will mich zur Ruhe begeben und Tee im Bette trinken, das wird mir wohl tun, und dann sollst Du, mein Sohn, mir Alles erzählen. Der junge Graf zog die Klingel, um einen Bedienten herbei zu rufen, aber wie heftig er diess auch in kurzen Zwischenräumen wiederholte, so zeigte sich doch Niemand, um den Kranken zu entkleiden. Der Sohn ging endlich selbst, um einen Diener aufzusuchen, aber seine Mühe war vergeblich. Von der zahlreichen Dienerschaft war Niemand zu finden. Es hatte sich in diesem haus ein Jeder nach und nach so viele Freiheiten genommen, und so viele Dienstleistungen von sich abzulehnen gewusst, dass zwar viele Menschen darin waren, die ernährt werden mussten, aber niemand, der wahrhaft nützlich gewesen wäre. Da man ihnen allen den Lohn schuldig bleiben musste, so fanden sie Mittel, sich auf andere Weise