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sind lauter vortreffliche Menschen, die Bedienten abgerechnet; aber Herr Dübois meint, die wären beinah nirgends so gut, wie sie oft in Büchern geschildert werden, und verzeihen Sie mir, wenn auch Herr Dübois nicht so vornehm ist, als sie Alle, so ist er gewiss einer der Besten hier im schloss.

Ich glaube es Dir, erwiderte der junge Graf, und es schmerzt mich, dass ich ihm früher Unrecht getan habe; ich sehe, er handelt wahrhaft väterlich gegen Dich.

Sie haben das rechte Wort ausgesprochen, erwiderte der Jüngling; wie ein Vater sorgt er für mich, und der Rat, den er mir gibt, ist jedes Mal so weise, dass ich blind vor Undankbarkeit sein müsste, wenn ich ihn nicht befolgen wollte. Es war hier eine trübe Zeit im haus, so lange die Gräfin so gefährlich krank war. Der Graf sprach mit Niemandem; Herr Dübois zehrte sich ganz ab vor Kummer; Herr St. Julien und fräulein Emilie weinten mit einander, so oft sie sich sahen, Herr Dübois ermahnte mich, mit ihm für das Leben der Gräfin zu beten, und ich tat es auch aus vollem Herzen und Gott verstand uns Beide, obgleich er katolisch und ich protestantisch betete; endlich erholte sich zu unserer aller Freude die Frau Gräfin. Da sagte mir vor wenigen Tagen Herr Dübois: Der Graf will durch ein kleines fest die Genesung seiner Gemahlin feiern und hatte sich vorgenommen, Dich an diesem frohen Tage zum ersten Male an seinen Tisch zu nehmen, ich habe ihm diess für jetzt widerraten, und ich will Dir, mein lieber Sohn, die Gründe sagen, wesshalb ich diess tat, damit Du siehst, dass ich es wohl mit Dir meine. Kein Mensch ist Herr seines Geschickes, wir können nichts tun, als, was uns auferlegt wird, mit Anstand tragen und, indem wir verständig unsere Verhältnisse ordnen, die schlimmen nach und nach besiegen. Du, mein liebes Kind, hast diess Haus unter ungünstigen Umständen betreten, die ganze Dienerschaft beleidigte Dich, indem sie Dich für ihres Gleichen hielt; wenn Du jetzt auf ein Mal an der Tafel ihres Herrn speisest, so müssen sie Dich zwar bedienen, aber Du kannst denken, mit welchem Neide und innerem Grimm, und es lässt sich nicht berechnen, welche Kränkungen Dir durch ihre Bosheit entstehen können. Wenn Du uns aber jetzt verlassen hast und uns dann nach einiger Zeit als Student besuchst, dann ist ein Zwischenraum zwischen Deiner bedrückten Lage und der neuen Erscheinung; auch hat sich die Dienerschaft dann wohl zum teil verändert, Du hast schon mehr Ansprüche in der Welt; dann speise an des Grafen Tafel und ich will Dich gern selbst bedienen. Ich erschrak vor diesem Worte, denn wäre es nicht eine wahre Gottlosigkeit, wenn ich die Unverschämteit hätte, mich von diesem ehrwürdigen mann bedienen zu lassen? Ich sagte ihm diess auch und versicherte ihn, dass ich ihm die Dienste eines Sohnes bis an mein Lebensende leisten würde. Er umarmte mich ordentlich gerührt, als ob mein Gefühl etwas Besonderes wäre, und so wurde beschlossen, dass, so lange ich jetzt noch hier bleibe, ich fortfahre, bei ihm zu speisen und zu wohnen.

Der junge Graf hatte diesen Bericht nicht ohne Rührung vernommen und beschloss, dem alten mann seinen Dank für dessen freundliche Güte zu bezeigen. Mit grossem Ernst aber untersagte er seinem jungen Freunde jede persönliche Dienstleistung, und dieser musste es halb mit Kränkung, halb mit Stolz betrachten, wie ein fremder Bedienter, der mit ihm gekommen war, den jungen Grafen entkleidete, und er verliess, durch eine herzliche Umarmung beglückt, seinen edlen Beschützer, um ihn der Ruhe, die er bedurfte, zu überlassen.

VII

Es hätte zwar der junge Graf Hohental nach einer eiligen, etwas angreifenden Reise der Ruhe bedurft, um so mehr, da er in der jüngst vergangenen Zeit Vieles erlebt hatte, wodurch seine Kräfte erschüttert waren, aber eben diese Erfahrungen in seinem inneren, wie in seinem äussern Leben waren so inhaltsschwer, dass Gedanken von der wichtigsten Art und die wichtigsten Pläne lange den Schlummer von seinem Lager scheuchten, und er den Tag herbei wünschte, um eine geheime, ernste Unterredung mit seinem Oheim zu suchen, und doch wusste er nicht bestimmt, was er ihm sagen wollte oder durfte.

Als der junge Graf vor etwa sechs Wochen das Schloss Hohental mit schwerem Herzen verlassen hatte, um zu seinen Eltern zu reisen, wurde er auf diesem Wege von ängstigenden Sorgen und beunruhigenden Gedanken gequält, das Leben der Gräfin war in Gefahr und er hatte, wie es jedem edlen Menschen zu ergehn pflegt, eine um so grössere Teilnahme für diese Frau gewonnen, als er ihr Unrecht getan und sie sogar in seiner dumpfen Verzweiflung beleidigt hatte, und es erfüllte ihn daher ihr Zustand mit lebhaftem Kummer. Auf der andern Seite beunruhigte ihn nicht nur die Lage seiner Eltern, die ganz von dem Wohlwollen seines Oheims abhing, sondern er musste auch mit Schmerzen daran denken, welche Schritte sein Vater von ihm verlangt hatte, um diesen Oheim zum Beistande zu vermögen, Schritte, die, indem er sie nur dachte, die Röte der Scham auf seine Wangen trieben. Endlich gesellte sich zu allen diesen Sorgen durch einen Zufall noch eine andere, die für den Augenblick die ängstlichste wurde. Es zerbrach nämlich ein Rad seines Wagens, und dadurch wurde er mehrere Stunden aufgehalten. Da er nun die Zeit seiner Reise genau berechnet hatte, so fürchtete er