es also der Wunsch der Frau Gräfin ist, ihre Gesundheit völlig zu grund zu richten, so muss ich als Arzt ihr darin beistehen? Ich sah wohl, dass der Graf böse wurde, aber ich war so aufgebracht in dem Augenblick, dass ich Alles aufs Spiel setzte und mich um die Folgen nicht bekümmerte, wenn sie auch die entsetzlichsten gewesen wären. Die Gräfin sagte einige Worte englisch zum Grafen, sie weiss, das verstehe ich nicht, und auf einmal war der Graf ganz ruhig. Sie bat mich nun, den andern Morgen zu ihr zu kommen, und versprach mir, dann eine ernstliche Kur anzufangen und Alles, was ich verordnen würde, gewissenhaft zu brauchen. Was blieb mir übrig, ich musste gehen, aber ich fühlte damals, lieber Herr Pfarrer, die Wahrheit der Behauptung: dass es keine Rosen ohne Dornen gibt; ich fühlte mich in einer, einem mann nicht geziemenden Abhängigkeit vom Grafen und bedurfte aller meiner Philosophie, um mich über mein Schicksal zu trösten.
Es scheint also, bemerkte der Pfarrer, dass die Gräfin sehr auf den Grafen einwirkt, dass seine Ansichten sich nach den ihrigen richten, mit einem Wort, dass sie eine gewisse herrschaft über ihn ausübt.
Ja, ja! rief der Arzt, das mag wohl sein, da zünden Sie mir ein grosses Licht an, Herr Pfarrer, wodurch ich auf einmal die richtige Ansicht bekomme. Es ist doch sonderbar, dass ich immer in meinen wichtigsten Lebensverhältnissen mit Frauen zusammentreffe, die ihre Männer beherrschen.
Ist Ihnen das schon öfter begegnet? fragte der Pfarrer lächelnd.
Auf eine höchst merkwürdige Weise ist es mir begegnet, entgegnete der Arzt, im wichtigsten Augenblick meines Lebens ist es mir begegnet. Ich wäre beinah Ihr Amtsbruder geworden, müssen Sie wissen, ich studirte Teologie, meine Angehörigen wünschten es, man verschaffte mir ein Stipendium, und der erste Professor der Teologie auf der Universität, die ich bezog, war mein Oheim. Ich verschweige den Namen der Universität, ich will Niemanden schaden: Sie sehen, ich hatte brillante Aussichten. Aber ich darf wohl sagen, von der Wiege an verfolgte mich das Unglück, vernichtete meine schönsten Träume und stählte mich eben dadurch zum Philosophen.
Was begegnete Ihnen denn so Seltsames? fragte der Pfarrer mit gespannter Neugierde.
Denken Sie, antwortete der Arzt, ich komme an und finde meinen Oheim, den Professor, verheiratet.
Nun, sagte der Pfarrer lächelnd, das ist weder seltsam, noch merkwürdig, beinah alle Professoren sind verheiratet.
Ja, aber wie war er verheiratet, versetzte der Arzt, darauf kommt es an. Entwürdigt hatte er sich, erniedrigt bis zur Verbindung mit seiner Haushälterin, einer rohen person, die von Bauern abstammte, keine Kenntnisse hatte, als was Kochen und Waschen anbetraf, eine Gesellschafterin, die eines Gelehrten völlig unwürdig war. Ich überwand mich, diese rohe Bäuerin Frau Base zu nennen, weil ich niemals gegen die Pflichten der feinen Lebenart verstosse; ich liess mir aber die Ueberwindung deutlich merken, die es mich kostete, um meiner eignen Würde nichts zu vergeben, und die rachsüchtige Furie verfolgte mich von dem Augenblick an. Ich bemerkte es bald, dass sie meinen Oheim ganz beherrschte und zu meinem Nachteil auf ihn wirkte; seine Güte für mich hörte auf, und das Leben in seinem haus wurde mir sehr verbittert. Dadurch wuchs die Abneigung gegen die Teologie, die ich immer empfunden hatte; meine Neigung zur Medicin wurde grösser, als je; ausserdem erlaubte mir meine schwache Brust nicht zu predigen, und so entschloss ich mich zu handeln wie ein Mann. Ich schrieb meinem Oheim einen Brief, worin ich ihm alle Gründe auseinandersetzte, die meinen Entschluss bestimmten, und nahm von der Teologie Abschied. Ich meldete ihm zugleich, ich wünschte ihn den Abend auf seinem Studirzimmer zu sprechen, um mich mit ihm über meine Laufbahn zu beraten. Ich stellte mich ein zu der Stunde, die ich ihm bestimmt hatte, aber denken Sie sich mein Erstaunen, er war abwesend, und auf seinem Studirzimmer traf ich statt seiner die Megäre, sein Weib. Er hatte die Schwachheit gehabt, ihr mein Schreiben mitzuteilen, und sie stürmte mir mit einem Strom von Scheltworten entgegen, nannte mich unsinnig, dass ich mein Studium aufgeben wollte, fragte mich, wovon ich leben wollte, ob ich ihr zur Last zu fallen gedächte, und was der Gemeinheit mehr war. Ich, empört, dass eine so unwürdige person sich ein Urteil über Männer anmassen wollte, deren Handlungen sie gar nicht fähig war, zu begreifen, sagte, indem ich meine stimme bedeutend erhob, mit einem Ausdruck von Würde, der sie stutzig machte: Frau Professorin und Frau Base, merken Sie den Spruch und wenden sie ihn auf sich an, denn es ist darin nicht bloss die Kirche gemeint, sondern alles Würdige und Edle, was für Männer und nicht für Weiber gehört, Mulier taceat in ecclesia, dieses verordnete schon der Apostel Paulus.
Nun, sagte der Pfarrer, da ihre Base vermutlich nicht lateinisch verstand, so ging diese Bitterkeit unschädlich vorüber.
Ich übersezte ihr, was ich gesagt hatte, rief der Arzt, aber nun war es auch hohe Zeit, der Furie zu entrinnen, ich verliess das Zimmer meines Oheims sogleich, und sein Haus vor Anbruch des Tages. Ich schrieb ihm aus Jena, wohin ich nun eilte, um mit ganzer Seele Medicin zu studiren, ich erhielt aber nur eine kurze, trockne