versponnene Intrigue gewaltiges Aergerniss erregte vor dem päbstlichen Stuhl. Aber in Frankreich war der Katolizismus lange der Bewegung verfallen, in Frankreich, das die ersten Kriegsheere gegen die Legitimität auf den Schauplatz der geschichte gestellt hat. Sobald sich dies Volk bestimmt in dem Gedanken gefasst hatte, dass es das Volk der Bewegung sei für die neueren zeiten, wurde es ihm notwendig, den Begriff der S t a a t s r e l i g i o n aufzuheben im land. Der Katolizismus, die Religion der Legitimität, konnte nicht mehr Religion sein des an die Bewegung hingegebenen Staates. So wurde die idee der Aufhebung der Staatsreligion zuerst unter den Franzosen lebendig, aus keinem andern grund aber, als weil diese Staatsreligion der Katolizismus war. Denn in dem auf ähnlichen politischen Institutionen beruhenden England, wo die herrschende Kirche die protestantische ist, bleibt der Begriff der Staatsreligion bis jetzt noch erhalten.
Mir gefiel der kleine Herzog von Bordeaux. Er zögerte etwas, den ihm vorgehaltenen Reliquienknochen zu küssen. Und der Herzog von Bordeaux ist noch ein Kind. Gehört ein Kind auch schon der Stabilität an? Ich dächte, das mutigste Prinzip der Bewegung schlummert im kind, durch die neugepflügte Seele des Kindes geht ungeduldig der Blütendrang der Bewegung. Ein Unterpfand des Fortschrittes, ein Kind! Das Kind will und muss wachsen und werden, mit hellen Augen sieht es Alles aus dem Gesichtspunct der Zukunft an, und die Welt ist ihm noch die ganze Zukunft. In der Gegenwart nicht festgewurzelt, von der Vergangenheit nicht zurückgehalten, gibt es sich lächelnd an die entwicklung hin, und zerstört in aller Unschuld alte gesetz, indem es auf den neuen wie ein junger Gott sich wiegt. Die Hoffnung weht um seinen lockigen Scheitel, die sehnsucht dehnt Brust und Glieder aus zu schwellenden Formen, und die innere Wärme des Daseins macht eine knospende Gestalt des Frühlings aus ihm. Das Kind bricht auseinander in Blüte, es weiss nicht wie. Der Segen der allgemeinen Entfaltung hat sich gleich befruchtendem Himmelstau über die Empfänglichkeit seines Wesens ergossen. Darum denke ich mir gern in einem eingefleischt legitimen und absolutistischen Reiche plötzlich ein unschuldiges, unmündiges Kind auf den Tron, und es ist merkwürdig, wie mir die neueste Tagesgeschichte diese meine ächt historische Schadenfreude verwirklicht. Zwar nicht meinen kleinen Herzog von Bordeaux, dessen kluges Knabengesicht mir so wohlgefallen, hat sie auf den französischen Tron gesetzt, um ihn für die Bewegung zu erziehen, und so in ihm das Vergangenheitsrecht der Legitimität mit dem jungen Recht der Zukunft zu verschmelzen. Aber seht, in Spanien, dieser uralten dunkeln Stätte des zwischen Katolizismus und Legitimität geschlossenen Schwesterbundes, in Spanien schaukelt sich ein kleines frisches Mägdlein in der Wiege, und diese Wiege, an der im land früher nicht gesehene Engel sitzen, ist der castilianische Tron. Und rings umher im Reiche, welche Veränderung, ja, welches Schicksal! Ist es Spanien, ist es wirklich das seit langen Jahren geschichtlich tote Spanien, das jetzt einzig nur in den freien und neuen Institutionen sich beglückt, gesichert und erlöst dünken kann? Ein holdes Kind schläft in der Wiege, und das Volk gewinnt Mut, zu erwachen. Die Partei des Kindes ist die liberale, denn sie sieht das Kind an, und denkt bei ihm an die Werdefreiheit der Zukunft. Und das Kind träumt auf seinem Wiegentron ruhig hin von fernen Morgenröten, und wenn es einst die grösser gewordenen Augen um sich her aufschlägt, wird es die Sonne der Freiheit über Spanien heraufgeführt sehen, und unter diesem Sonnenschein, von dem es geträumt, dann herrschen. Aber noch wird Isabella blutige und kriegerische Tage an ihr Ohr schlagen hören, ehe die Bewegung der Freiheit den Segen des Friedens bringt. Denn in Spanien, weil es katolisch ist, wirkt jede Spaltung auch als eine religiöse, und die Legitimität lässt sich nicht erschüttern, ohne auch dem Katolizismus ein Grab zu graben. Unabsehbar sind daher noch die Mittel der inneren Beruhigung, und ich glaube, dass Spanien vorerst nichts Wirksameres zu ergreifen hat, als Frankreich in der Aufhebung der Staatsreligion zu folgen. Und nun sehet auch hin auf die alterrliche Nachbarin Spaniens, das von Camoëns gesungene Portugal! Abermals in einem von Legitimität und Katolizismus verwüsteten land ein Kind auf dem Tron, wenn auch schon fast eine Jungfrau! Aber an der Sache des Kindes Maria da Gloria entspann sich der Kampf und die Bewegung der nationalen Freiheit. Und wieder ein Tron, der nicht anders als unter den freien und neuen Einrichtungen sich für gesichert halten kann, ein Tron uralter Legitimität, an die Blüte eines jungen Mädchens gefesselt, die nur durch die Macht der Bewegung Königin sich nennt, die im Begriff steht, mit einem Fürsten aus Napoleonischem Stamme sich zu vermählen. Wunderbare Romandichtung der geschichte! Wer hatte etwas Aehnliches sich ausdenken können! Doch während die Freiheit in Portugal aufblüht, verhüllt der Katolizismus trauernd sein Haupt, nachdem ihm der kluge Dom Pedro eine tödtliche Wunde geschlagen. So sind diese beiden alten Legitimitäten des westlichen Europas von der Bewegung ergriffen. O Legitimität, wo wohnst Du noch, wo habe ich Dich in Deiner ursprünglichen Reinheit und festen Kraft, und in nationaler Übereinstimmung mit dem Geist des Volkes selbst, noch zu suchen? Ich weiss kein Land, in dem sich die Legitimität reiner, ursprünglicher und unvermischter erhalten hätte, als in dem streng katolisch gebliebenen O e s t e r r e i c h . Und ich höre, dass sich der unglückliche Karl der Zehnte jetzt für immer in Oesterreich ankaufen wird