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gesunder Discours, bei dem man sich bequem ausruhen kann, mehr zu stand kommen. Diese klägliche Periode und ihr klägliches Ende habe ich prophezeiht. Ich bin dazu ausersehen vom Verhängniss. O Hinchvoch, Hinchvoch, halte mich, mir wackelt der Kopf und ich kann nicht wieder zu mir kommen, mir schwinden die Sinne!

Er sank in die arme seines getreuen Hinchvoch zurück, und dieser rüttelte und schüttelte ihn, bis die Kraft der Weissagung wieder von ihm wich. Dann sahen sich beide ganz erstaunt an, und reichten sich gerührt die hände. Sie schwuren, dass sie nie wieder ein Gespräch mit einander führen wollten, an dem sie sich erhitzen könnten, da heute um ein Haar ihre Freundschaft auf dem Spiele gestanden hätte. In diesem Augenblick trat ein Diener in den Saal, und meldete, dass eine Gesandtschaft von vier Jungfrauen draussen stände, die etwas Wichtiges an den Herzog Przemysl und den Reichsobersten Hinchvoch auszurichten hätten.

Die Jungfrauen wurden eingelassen, und schritten mit schüchterner Geberde, die beredte Budeslawka an ihrer Spitze, vor die Beiden hin. Budeslawka erhob ihre helltönende stimme, und begann zuerst, mit gesenkten Augen, von dem heiligen und allen Völkern stets ehrwürdig gewesenen Beruf des weiblichen Geschlechts zu sprechen. Sie nannte die Frauen die Ordnerinnen und Hüterinnen des Lebens, und erinnerte, klagend und triumphirend zugleich, an der Libussa mächtigen Geist, welche dieses hochemporblühende Reich zuerst eingerichtet, und in seinen Grundvesten geschaffen, geordnet, zusammengehalten habe. Dann ging sie, mutiger werdend, und mit durchdringenden Blicken aufschauend, zu der Behauptung über, dass kein Reich, kein Staat, kein Volk ohne der Frauen mitwirkende hülfe, ohne ihren Alles im Gleichgewicht erhaltenden Sinn, bestehen, gedeihen könne. Sie fügte, leiser betonend, hinzu, dass sie und alle ihre Schwestern draussen auf dem Berge Widowle entschlossen seien, nur am Altar des Vaterlandes ihre Lebenspflichten zu üben, und Wlasta und Stratka, ihrer Schönheit und Tugend wegen allberühmte Jungfrauen, hätten entschieden, die ersten zu sein, welche dem allgemeinen Besten des Staates sich opferten. Sie böten beide ihre Hand dar, Jene dem Przemysl, Diese dem Hinchvoch, um mit ihnen vereint im Bunde der Ehe Anteil zu haben an dem Wirken und Verrichten der Männer. Dies gäben sie durch diese Abgesandtschaft offen und frei zu erkennen, denn die Frau sei souverain, sie dürfe reden! Nun sei es an Przemysl und Hinchvoch, so würdigen Jungfrauen würdige Antwort zu erteilen.

Budeslawka schwieg und trat, sich verneigend, wieder einige Schritte zurück, während Przemysl und Hinchvoch sich vor Verwunderung nicht zu lassen wussten. Sie begaben sich endlich beide in ein anliegendes Kabinet, um sich dort miteinander zu beraten.

Ein seltsamer Fall! sagte Przemysl.

Ich dächte, man fragte die Gelehrten! sagte Hinchvoch.

Was Gelehrten! rief Przemysl entrüstet aus. Wir müssen ihnen auf der Stelle eine abschlägliche Antwort geben.

Das müssen wir, aber ohne allen Aufwand von Redekunst! sagte Hinchvoch.

So antworte Du! sagte Przemysl.

Nein, antworte Du! sagte Hinchvoch. Du bist der Herzog.

Eben weil ich der Herzog bin, sagte Przemysl, befehle ich Dir, zu antworten.

Ja so, sagte Hinchvoch. Ich werde mir etwas ausdenken, was Keine beleidigen und Keine erfreuen kann.

Hierauf gingen sie wieder in den Saal zurück, und Hinchvoch näherte sich den Jungfrauen, und sagte, sich die hände reibend, nach einigem Besinnen: Ihr liebwerten und schönen Jungfrauen, wenn sich einmal der unvorhergesehene Fall ereignen sollte, dass dem Przemysl und dem Hinchvoch die Wlasta und die Stratka gefielen, so könnte es wohl geschehen, was ihr uns ansinnet. Da man aber nicht wissen kann, wann dieser Fall eintreten möchte, so lasst euch bis dahin Gutes geraten sein, und tut, wie die andern Mägde im land, und spinnet und stricket, nähret euch redlich und betet zu den Göttern. Denn was seid ihr Besseres? Aber gedenkt auch zu euerm Trost daran, dass sich bisweilen selbst unvorhergesehene Fälle ereignen.

Nach dieser Rede entliess er die Jungfrauen, die alle in schweigendem Zorn von dannen gingen. Sie schlichen betrübt einher, wie geschorene Lämmer, und getrauten sich kaum einander selbst anzusehen. Sie sprachen kein Wort zusammen auf dem ganzen Rückwege, und nicht einmal ein Seufzer schlich sich aus der gepressten Brust hervor. Als sie so in stummer Reihe bei dem Berg Widowle anlangten, kamen ihnen die andern Mädchen schon von fern fragend entgegengesprungen. Aber Budeslawka winkte ernst mit der Hand, und bedeutete sie, still zu sein. Dann erzählte sie mit einer stimme, die wie gemessenes Grabgeläute klang, welche schnöde Antwort den Jungfrauen zugeteilt worden sei.

Als Wlasta dies hörte, warf sie sich lautschreiend an die Erde nieder, und brüllte wie eine Löwin, welche des Jägers Schuss ins Herz getroffen. Sie zerraufte sich das wunderschöne Haar, und jammerte, dass sie diese Schande nicht überleben werde. Die schmachtende Stratka weinte bloss helle Tränen, und fasste ihre Freundin in die arme, um sie an ihrem Busen zu trösten. Aber Wlasta wollte von keinem Trost hören, sie schlug bald auf mit donnernden Tönen einer wutentbrannten Seele, bald wimmerte sie in sich hinein wie eine sterbende Nachtigall. Dann ward sie ganz still, während sich die andern Jungfrauen in schmerzlicher Teilnahme um sie her drängten.

Nachdem sie eine Zeitlang so gelegen, ihr herrliches Antlitz der Erde zugekehrt, erhob sie sich plötzlich wieder, und stellte sich aufrecht in ihrer strahlenden Gestalt vor die