erinnere mich nie, in Gessners Idyllen etwas von Talern, Groschen und Pfennigen gelesen zu haben. Auch vom Werter erfährt man nicht, ob er Geld gehabt oder nicht; es kommt in dieser Richtung gar nichts darauf an. Er trieb sich entweder im wald umher, oder ging früh schlafen. Wenn man mehr mit Menschen umgeht, hat man schlaflose Nächte, und wacht oft, bis der Hahn kräht, und auch der andere Tag geht verloren. Unsere Leidenschaften wollen in Festkleidern spazieren gehen und sich nur in Purpur und Seide vor den Leuten zeigen. Unsere Torheit zieht sich einen kostspieligen Tressenrock an, und unsere Liebe gegen den Bruder und gegen die Schwester verlernt zu rechnen. Amor ist Schatzmeister und wirft das Geld und das Herz dazu mit vollen Händen auf die Strasse. Ein Volksjubel rauscht auf, das Geld verfliegt, das Herz zuckt und blutet, und hat doch etwas gelernt. Die Existenz wird teurer, je mehr der Mensch selbst auf dem Spiele steht. So muss es aber auch gerade sein, man darf nicht anders leben. Mit dem Leben muss man nicht knausern, man muss es mit freigebigem Herzen verschütten, man muss es aus allen Adern bluten lassen, damit es strömt und sich ergiesst. Man muss von ganzem Herzen leben, man muss es sich etwas kosten lassen, sein Inwendigstes, um zu erfahren, wie viel das Leben wert sei. Man muss sich mit Inbrunst ausleben, und dann mit Inbrunst sterben. Und Deinen Leidenschaften nimm ihre stolzen Purpurkleider nicht vor der Zeit; lass sie etwas erleben und alt werden, und ziehe einen alten Feuerwein der Lebenspoesie aus ihnen ab. Und Deiner jungen Torheit reisse nicht zu früh den kostspieligen Tressenrock herunter; lass sie tanzen und den Tag nutzen und durch gravitätische Sprünge der Eitelkeit Dir einen guten Humor machen, an dem Du noch als alter kluggewordener Mann zu lachen hast. Am allerwenigsten aber wehre Deiner Liebe die genialen Rechnenfehler. In der höheren Analyse, Freund, wird wieder eingebracht, was die gewöhnliche Reguladetri verloren und vergeudet geglaubt hat. Gieb aus Alles was Du hast, wo Du liebst; sei es nun, dass Du die Kunst liebst oder Dein Mädchen oder die Wissenschaft oder Dein Vaterland. Der Poesie gieb Deine schönsten Tage und frage nichts danach! Deinem Mädchen gieb die angewandte Poesie auf den Mund und frage nichts danach! Der Wissenschaft gieb allen Deinen Ernst, und Dein Vaterland befreie, sollte es Dein Tod auch sein, und frage nichts danach! Frage nichts danach und gieb Alles aus, was Du hast, damit Dir Dein Herz leicht werde. Spare nichts, nicht in Gedanken, nicht in Geld, nicht in Liebe, nicht in Scherz, nicht in Ernst. Auch betrogen zu werden, gehört mit zum Leben. Frage nichts danach, und gieb Alles aus was Du hast, wo Du liebst! Und Du musst mit Menschen umgehen, damit Du lieben kannst. –
Jetzt will ich aufhören zu blasen. Die ökonomischen Vorteile aus dem Umgange mit der natur werden also meinen Reisefinanzen ebensowenig zugutekommen, als meinen Tagebuchsblättern die sentimentalen. Zwar habe ich einige kranke spanische Papiere bei mir, denen ich nach Dem, was ich von dem Banquerott-System des Grafen Toreno gehört, wohl eine ländliche Kur zu ihrer Erkräftigung wünschen könnte. Aber frage nichts danach! Frage nichts danach, und gieb Alles aus, was Du hast, zum stehenden Cours, auch die spanischen Papiere. Auch betrogen zu werden gehört mit zum Leben. Frage nichts danach, und gieb zum stehenden Cours Deine Papiere aus. Ich werde mir um die spanische Politik nicht noch graue Haare wachsen lassen, da sie mir schon der deutschen wegen auszugehen anfangen. –
Trara! Trara! Da ist die böhmische Gränze! Glorreiches Peterwalde, Du willst nachsehen, ob ich keine Contrebande mit mir im Koffer führe. Guter, biedrer Oesterreicher, nicht in meinem Koffer suche die Contrebande. Ich frage nichts danach! Ich frage nichts danach! – –
Böhmische Dörfer, Wälder und Bäder.
Schöne slawische Jungfrau, Böhmen, mit den langen dunkeln Haaren und dem wilden träumerischen blick, wie geht es Dir seit Jahrhunderten hinter Deinen Bergen? Reizende Slawin, mir tut das Herz weh, wenn ich an Dich gedenke, und ein gutmütiger Deutscher, bin ich gekommen, um über Dein tiefdunkles Weltschicksal mit Dir zu klagen. Zu etwas Grossem hatte Dein Genius Dich ausersehen, mit edlen Gaben Deine Art geschmückt, tapfern und stolzen Sinn in Dir aufwachsen lassen, mutiges Streben in die Ferne in Deiner Brust entzündet, und doch bist Du über ein gewöhnliches sterbliches los der geschichte nicht hinausgekommen. Du hast Unglück gehabt. Glück und Unglück gibt es auch in der geschichte, glückliche und unglückliche Naturells unter den Völkern. Aber Du lachst und siehst mich leichtsinnig an. Ja, ich weiss, ich weiss, Du hast Alles vergessen, leichtsinnige Slawin! Deine grossen Hoffnungen ehemaliger zeiten, der damals an Dich ergangene Ruf der Weltgeschichte, Deine Vergangenheit und Deine Zukunft, kümmern Dich wenig mehr. Du kannst lachen und lustig sein, und bist auch, nachdem Du Dich aufgegeben, reizend in Deiner flatterhaften Ueppigkeit. Seitdem Du Dich aufgegeben, hast Du schöne B ä d e r angelegt, hübsche Gäste von nah und fern dazu geladen, und das lustige Leben und Treiben der eleganten Welt klingt und jubelt jetzt über Deine ernsten feierlichen Höhen und Gauen hin. Die b ö h m i s c h e n B ä d e