wird, damit sie, sobald sie erscheine in der Welt, sich gleich setzen könne. Alle Anstalten zu ihrem Empfange sind gemacht, und ihre Unabhängigkeit vom mann ist ausgesprochen. Was Libussa gedacht, was Hippel geschrieben, wollen die Simonisten endlich ausführen. L'élévation de l'épouse au niveau de l'époux! so hallt es wieder aus dem mund des obersten Vaters, der das freie Weib sucht. Es gibt eine gesellschaftliche person, das ist nicht mehr der Mann allein, sondern Mann u n d Frau, und alle Geschäfte des Lebens werden daher paarweise verrichtet. Dieses Paaren ist die Ehe, und in ihr nimmt die Frau Anteil an den Geschäften des Mannes. So wirkt sie zugleich für den Staatsdienst mit, und kann, wie Libussa und Hippel ausdrücklich gewollt, Aemter bekleiden. Der kühne Vater Enfantin aber hebt die Freiheit des Weibes noch über die Ehe hinaus, und erklärt die Ehe nicht für geschlossen. Ein so freies Weib aber will sich gar nicht finden lassen, und darum sehe ich hier und dort Simonisten hinauswandern in den Orient, um das freie Weib da zu suchen. Und es entsteht eine grosse Verwirrung über die neue Lehre, in der doch Wahrheiten ruhen, an denen ich alle Jahrhunderte arbeiten gesehen. Schriftgelehrte erheben sich, um die Wahrheiten zu reinigen von den Schlacken, aber es scheint, als könne lange Keiner das Wort dazu finden. Aber das freie Weib – doch – ah! – –
Hier hielt die herrliche Wlasta inne, und der Geist der Weissagung schien von dem schönen mund gewichen. Das Haupt sank ihr ermattet auf die Brust herab, und die Wange, die noch eben von dunkler prophetischer Röte geglüht hatte, überzog sich wieder mit einer feinen Blässe. Sie lehnte sich seufzend an die Schulter ihrer Busenfreundin Stratka, und fragte leise: was habe ich euch gesagt?
Du hast uns die Zukunft unseres Geschlechts entüllt! riefen Alle einstimmig, und sprangen auf, und umringten sie ehrerbietig und traurig.
Mir ist das Herz wehe, ich weiss nichts mehr, was ich gesagt! stöhnte Wlasta. Ein wunderbarer Traum umhüllte mir mit tausendfarbigen Bildern die Schläfe. Jetzt möchte ich weinen, und kann nicht sagen, warum? Das erste Mal ist es, dass ihr die wilde fröhliche Wlasta betrübt seht bis in den Tod. Ihr aber, lieben Gespielen, lasset die Gedanken an die ferne Zukunft, denn es bringt den Sterblichgeborenen nur Schaden, in den Spiegel der künftigen Gestaltungen zu lauschen. Denket an euer und unser allernächstes Unglück. An euch ist es nun, zum Heil einen Ratschluss zu fassen. Wlastislawa wird zu allem Ja sagen, was ihr beschliesset, denn sie selbst ist traurig und gedankenlos, und das tapfere Herz ist ihr wie zerbrochen.
Da trat die schmachtende Stratka in die Mitte der Jungfrauen, und es war wie ein linder Westauch, wann sie sich bewegte. Sie war als die Zweite und Trefflichste nach der Wlasta geachtet, und Alle waren ihr gut, denn sie sah lieblich und bescheiden aus, und hatte Augen, wie zwei stille Vergissmeinnichts. Die sprach, indem sie ihre Hand ausstreckte gegen die noch am Boden sitzende Wlasta: O Wlastislawa, du hochherzige, tugendreiche und adlichgesittete Jungfrau, wir wissen Alle, dass Du nichts Anderes denkest noch trachtest, als unsere Freiheit und Ehre, und die unseres ganzen Geschlechts. Welche wäre, die Dich nicht darum zum Allerhöchsten priese! Aber, ich bitte Dich, Du Tugendreiche, was hilft uns armen Mädchen die Freiheit, wenn wir keine Männer haben? Schickte nicht unsere hohe Frau Libussa selbst auf das Feld hinaus, und liess sich einen Mann holen? Und als sie ihn zum Mann gehabt, wurde ihre Freiheit und ihre Ehre um nichts desto geringer. Wissen wir denn nicht, wie sie den Przemysl und das ganze Czechenland mit ihrem Rat und ihrer Klugheit regiert hat? In der Ehe erscheint erst das freie Weib, von dem Du uns prophezeiht hast, aber ich bin der Meinung, ihr lieben Gespielen, dass, um das freie Weib erscheinen zu lassen, die gewöhnlichen Begriffe der Ehe erst müssen umgewandelt werden. Dies, ja dies sei unser Werk! Vor allen Dingen müssen wir Frauen Wahlrechte bekommen. Ich will von diesen Wahlrechten jetzt nur insoweit reden, dass wir uns die Männer selbst wählen dürfen, sowie Libussa den Ehegemahl erwählet, welcher ihr gefallen, und worein das ganze Land willigen musste. Denn die Frau muss zuerst durch den selbständigen Willen frei werden. Ohne den Willen gibt es keine Freiheit, und ohne die Freiheit keine Liebe, und ohne die Liebe kein Glück. Darum nun, auf dass wir allesammt die Freiheit erwerben, rate ich alles Ernstes, dass Du, o Wlasta, möchtest zum Herzog Przemysl senden, und ich will zum Hinchvoch senden, ob diese beide nicht wollten unsere Männer werden? Denn sobald sie nun, als die Vornehmsten, einwilligen, so wird sich alsdann auch unserer Aller Freiheit anfangen, und die Budecer Mädchenanstalt soll wieder in ihre alte Blüte kommen. Verachten sie aber unser Begehr, so hat dann endlich die Rache der geschmähten Mägdefreiheit eine Ursache an allen diesen Männern. Willigen sie jedoch ein, so wird dadurch das Wahlrecht fortan immer unserm Geschlecht gewonnen sein. Denn die freie Frau ist souverain, sie spreche, wer der Mann ihrer Liebe sein soll! Sie spreche offen, denn sie darf reden! Ach, Wlasta, mir ist, als führte mich auch der Geist der