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, als zum Richten über Männer. Und Wlasta hob sich zornig empor, als der rohe Volkswitz in ihrem erhabenen Schmerz sie störte, und aus ihrem grossen rollenden Auge schossen dunkle Blitze der beleidigten Seele hervor. Denn schöne Seelen empört am heftigsten ein schlechter Witz. Darauf verrichtete sie den Todtendienst bei ihrer unsäglich geliebten Herrin, und tat ihr ein köstliches Gewand an, und gab ihr fünf Silbergroschen in die Hand, um sie dem unbekannten Gott dort unten zu opfern. Denn das Heidentum lag noch mit finsterer Gewalt über diesen trefflichen Gemütern.

Nachdem nun Libussa vor den Toren ihres Schlosses Libin begraben worden, kam der verwittwete Fürst Przemysl allmälig auf den Gedanken, dass es doch gut sei, keine Frau zu haben. Er fühlte sich äusserst behaglich, und begann sich in seinen Gemächern den ganzen Tag zu pflegen. Früher war er ein ehrbarer Ackersmann gewesen, der seine Felder bestellte und die Ochsen am Pfluge trieb, als Libussa, vom Wahrsagegeist ergriffen, sich ihn zum Mann prophezeite. Denn obwohl ihrer Macht nichts fehlte, und sie mit allen Geistern in Verbindung stand, so fehlte ihr doch ein Mann. Und sie nahm ihn, und machte ihn zum Herzog, und er setzte sich mit aller Ruhe an ihre Seite auf den Czechentron. Bald aber musste er einsehn, welche Qual es mit sich bringe, eine geistreiche Frau zu besitzen. Er konnte gar nicht mitreden, wenn sie zu philosophiren anfing, und so oft sie in Begeisterung geriet, machte er ein dummes Gesicht dazu, und geberdete sich wie ein geschlagener Mann. Es graute ihm vor den Augen, wenn die Seherkraft über sie kam, und es wurde ihm unheimlich, dass er eine so kluge Frau hatte. Wenn er nach seiner Weise ein vernünftiges Wort zu ihr sagen wollte, sass sie in tiefen Gedanken und hörte ihn nicht. Er konnte nicht begreifen, wie man Gedanken haben könne, und wurde im Geheimen seines Lebens überdrüssig. Er liess Alles geschehn, wie sie es wollte, und bekümmerte sich um nichts mehr, aber der Met schmeckte ihm nicht, und die Jagd machte ihm nicht mehr Freude. Es war ihm immer, als müsste er sich vor seiner Frau geniren in Allem, was er tat. Er verwünschte die geistreichen Weiber, und fürchtete sich doch zugleich sehr. Wenn sie ihn zuweilen mit ihren schönen tiefen Augen anstrahlte, kam er sich selbst ganz einfältig vor, und wusste nichts dazu zu sagen. Er wäre davongelaufen, hätte er sie nicht als eine Zauberin gekannt, deren Gewalt sich über Alles erstreckte. Jetzt aber war ihm wohl. Er schaukelte sich vergnügt auf dem purpurnen Tronsessel, auf dem sie sonst neben ihm gesessen, und merkte, dass er weit bequemer sitzen konnte. Er liess seinen Freund Hinchvoch zu sich kommen. Mit dem schwatzte er sich aus, und sie tranken ein Fass Met zusammen, und rauchten eine Pfeife Taback. Sie sprachen von lauter langweiligen Dingen, und Przemysl freute sich zum ersten Mal wieder, dass er ein ruhiges, gewöhnliches, alltägliches Gespräch führen konnte, bei dem er nicht viel zu reden brauchte. Denn Hinchvoch hatte keinen Geist. Zuletzt aber befahl Przemysl dem Hinchvoch, dass er unverzüglich die ganze Budecer Mädchenanstalt aufheben solle. Dies war die preiswürdige Anstalt, in welcher die Jungfrauen der Libussa erzogen, gepflegt und zu allen Tugenden und Vorzügen gebildet wurden. Przemysl befahl, dass diese Mädchen zerstreut und zu ihren Eltern zurückgebracht werden sollten. Denn es sei gefährlich, das mutwillige Geschlecht der Mädchen viel lernen zu lassen. Es würden geistreiche Weiber daraus. Hier zuckte es ihm, und er sah sich scheu nach der Ecke des Zimmers um, ob Niemand dort stehe. Dann fuhr er fort und sagte: nun geh', mein lieber Hinchvoch, und führ' es schleunig aus, wie ich Dir geraten! Und Hinchvoch ging hin, und tat es gern, denn er hatte keinen Geist.

Und nun, o epische Muse, löse mir die Homerische Zunge, damit ich, des grossen Unglücks würdig, beschreiben und schildern kann, wie, gleich der Trojerinnen beklagenswerter Schaar, als sie aus dem brennenden Ilion davonzogen, jetzt diese böhmischen Mädchen, reich an Zahl, und jede schön und jede der Liebe und der Tränen wert, in langsam stummen Reihen sich fortbewegten, nachdem sie ausgetrieben, und die Türen ihrer treugeliebten Pensionsanstalt hinter ihnen geschlossen worden waren! Sie wussten nicht wohin, und irrten wie eine Heerde zerstreuter Lämmer auf und ab, und das Volk höhnete sie in den Strassen. Man verlachte sie, und sagte: wo ist nun euere Herrin, vor der wir uns beugen mussten, und vor euch zugleich? Seht, das Blatt hat sich gewandt, und ihr, die ihr so hoch hinauswolltet, habt weder wohnung jetzt, noch Schutz und Schirm. Nun kehret in eurer Väter Hütten an den Spinnrocken zurück, und stellt euch zu eurer Frau Mutter vor den Kamin, und helft kochen und fegen! Was habt ihr mit den Künsten zu schaffen und mit der Wahrsagung und mit der Wissenschaft der Pflanzen und Kräuter. Ihr seid armer Leute Kind. Geht! Geht!

Die Welt lag dunkel da vor den Blicken der armen Mädchen, und sie sahen in der Nähe und in der Ferne nichts, was sie trösten könnte. In ihrer Eltern niedrige Häuser zurückzukehren, davor entsetzten sie sich alle, denn der alte Vater und die alte Mutter verstanden der Töchter adliches und freigebildetes Wesen nicht mehr. Sie hatten des