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, die überall gesucht und überall gefunden wird. Diese schöne Gunst wetteifert jetzt fast in der entgegengesetzten Sphäre mit der früheren Grausamkeit, welche die böhmischen, Mädchen gegen die Männer ausübten, und wodurch sie eigentlich weltistorisch geworden sind, und es kommt mir wie eine Rache der geschichte vor, dass die Pragerinnen jetzt so voll von beglückender Freundlichkeit und zärtlicher Laune für unser Geschlecht sind. Ja, es ist eine Rache der geschichte, und mitten auf der Promenade, unter hundert lockenden und blühenden Frauengestalten, fiel mir heute der blutige böhmische Mägdekrieg ein, der die Frauen gegen die Männer ins Feld führte, und nichts anderes, als eine gänzliche Vertilgung der letzteren vom Erdboden zum Endzweck hatte. Ich musste lachen, und auf jedem hübschen böhmischen Gesicht, das mir nun begegnete, spähte ich nach, ob sich nicht zu einer kriegerischen männerfeindlichen Wlasta Anlagen zeigten. Aber dieser Stamm muss hier ganz ausgestorben sein, und wieviel ich auch umherschwärmte auf den Gassen oder wohin mich meine Bekanntschaften führten, überall sah ich zwar Kriegserklärungen aus diesen dunkelschönen Augen schimmern, aber hinter solchen Vorpostengefechten der Blicke lauerte doch immer schon ein glänzender Friedenstractat. Ich malte mir den böhmischen Mägdekrieg in meinen Gedanken immer weiter aus, und musste immer mehr lachen. Dann wollte ich zu Egon Ebert gehen, ihm einen Besuch machen, und ihn fragen, warum er in seiner "Wlasta" den böhmischen Mägdekrieg so sentimental verhunzt habe? Ein h u m o r i s t i s c h e s Heldengedicht, oder eine h i s t o r i s c h - k o m i s c h e N o v e l l e hätte er aus diesem Stoff machen sollen, aber nichts Lyrisch-Heroisches à la Egon Ebert. Ich wollte ihm auch sagen, dass die jungfräuliche Wlasta ein schöner wilder Löwe sei mit langer goldener Mähne, aber kein exemplarisches Stickermädchen, das sich aus einer Leihbibliotek einen gefühlvollen Schwung zusammengelesen hat. Aber es ist schlimm, sehr schlimm, einem Poeten die Wahrheit zu sagen, und ich blieb deshalb unterwegs zu ihm, da ich von der Hitze grossen Durst hatte, in einem Weinhause sitzen. Hier war es kühl, und ich dachte wieder an den böhmischen Mägdekrieg, merkwürdig dadurch, dass er schon im grauen achten Jahrhundert der keckste Versuch zur E m a n c i p a t i o n d e r F r a u e n war, der in der geschichte der modernen Zustande sich aufweisen lässt, und der damals in mutigen Amazonentaten sich hervorwagte, während in den letzten zeiten diese Frage nur auf halbphilosophische, teoretisirende und St. Simonistische Weise in der Welt hin und her schwankt.

Ich beschloss, um mich für die Langeweile des Egon Ebert'schen Mägdekriegs zu rächen, mir selbst einen zu Papiere zu bringen, so wie ich ihn mir wenigstens denke. Ich ging zu einem Dominikaner, mit dem ich bekannt geworden war, und borgte mir aus der Bibliotek des Kapitels den Hagek, mit welchem ich dann zurück in meinen Gastof wanderte. Nachdem ich es mir bequem gemacht, (auch in Prag kennt und übt man schon die Wienerische Gewohnheit, in blossen Hemdsärmeln dazusitzen) und nachdem ich ungefähr eine Stunde in meiner alten geschwätzigen Quelle gelesen, schrieb ich, mit üblichem Anruf der epischen Muse, Folgendes nieder:

Bohemiconymphomachia.

Libussa sass wie eine Prophetin auf dem Tron der Böhmen, und nachdem sie die Macht in den Städten, die Kraft in dem volk, und das Gold und Silber in den Bergen vorhergesagt hatte, legte sie sich nieder an die Erde, um zu sterben. zuvor berief sie noch einmal alle ihre Jungfrauen, eine schöne Reihe weinender Mädchen, die ihr treu gedient hatten in Leid und Freude, und sie segnete und beschenkte sie reichlich, und ihr glänzendes Auge ruhte zum längsten und bedeutsamsten auf diesen schmerzlich stummen Jungfrauen, bis es brach. Selbst Przemysl, der Herzog, welcher betrübt in der Ecke stand, war ihr nicht so teuer gewesen, als diese ihre Dienerinnen, mit denen sie wie mit zarten weissen Blütenzweigen ihr ernstsinnendes Leben sich geschmückt hatte. Sie hatte sie in allen Künsten unterrichten und in der herrlichsten Bildung erwachsen lassen, und die Mädchen waren schön und stolz geworden, wie die Sonne, und hell und klug wie der Tag. Sie klagten laut, und schlugen sich an die blasse Wange und an die blühende Brust, und benetzten mit heissen Tränenströmen die Füsse der Fürstin. Am stärksten weinte ein hohes schlankes Mädchen, mit langem blondem Haar, das in üppiger Fülle der Locken ihr über die Schulter floss. Sie hiess Wlasta, litz wie Frühlingspracht. Libussa hatte dieser ihrer Lieblingin die Hand gereicht, und Wlasta wollte sie nun nicht mehr loslassen, so todeskalt sie geworden war. Und alle klagten und weinten, und das Volk draussen, das zusammengelaufen war, heulte und schrie. Sogar der verständige Przemysl, der noch nie geweint hatte, feuchtete seine Wimper mit einer Wittwerträne, denn er sass nun allein auf dem Herrscherstuhl des Landes. Verschieden aber waren die Stimmen der Böhmen, die sich draussen vor des Schlosses Wäallen im unruhigen Getümmel durcheinandermischten. Etliche wehklagten, dass es um Böhmen nun geschehen sei, und etliche frohlockten, dass das Weiberregiment ein Ende habe, und Andere erinnerten an ein altes Wort, welches ein vornehmer Czeche der Libussa selber spottend ins Gesicht gesagt, dass Weiber, die lange Haare hätten, aber einen kurzen Verstand, besser zum Weben und Spinnen taugten