, den Schalk entdeckt, denselben Schalk, den der gottselige Pietismus so oft im Nacken führt! Und doch jammert mich's jener kindlichen, märchenhaften Sage, die der Autor mit so vieler Gelehrsamkeit vernichtet! Nur eines bestimmt mich, ihm beizupflichten, der Hinblick auf das, was uns umgibt, auf unsre Priester, auf – ach! wie hängt das alles zusammen! Aus jenem kleinen christlichen Senfkorn ist ein ganzes Senfpflaster geworden, das der gesunden Vernunft die brennendsten Blasen zieht!
Ganz männlich werden meine Ausdrücke! Und doch können die "Fragmente" nicht befriedigen. Sie deuten auf eine Naturreligion, mit deren Voraussetzungen sich die heutige wissenschaftliche Bildung kaum noch begnügen würde. Die Frage muss höher liegen. Sie dringt dort nicht in das Innre der Christuslehre ein, sie hält sich nur an deren historische Offenbarung. Ich suche Trost. Wo? Wo? Ich war gefasst auf diese Eiseskälte, mit der mir Cäsar seinen Entschluss anzeigt. Was ich vermutete, ist eingetroffen. Delphinens Situation reizt ihn. Er wird um ihre Hand bitten. Die Eltern sind ohne Vorurteile, und ich werde ihn verloren haben. Ich bin ruhig. Ich habe keine Tränen für diesen Verlust. Ich bin in einer fürchterlichen Seelenstimmung. Ist dies nicht ein neuer Fluch des himmels? Oh, jetzt sind mir die Blitze des Schicksals willkommen, denn die Donner, welche ihnen nachrollen, wecken mich immer mehr aus der dumpfen Betäubung meiner Gedanken. Ich muss Licht haben, Aufschluss, Einsicht! Ich denke an Cäsar nicht mehr. Ich will wissen, erkennen. Warum? Wozu? Oh, das sah' ich alles voraus. Ich bin krank, ich fühl' es. Sollte das auf ein Zunehmen deuten? Ist auch im Geistigen wie im Körper Wachstum eine Krankheit? glückliche Naivetät der vergangenen zeiten! Ich komme von einer Ausstellung alter Gemälde. Auf vielen, die Transfigurationen und Glorien der Heiligen vorstellen, sah' ich Engel, welche die Geige spielten. Dies würde mir weniger auffallend gewesen sein, wenn sie es nicht nach Noten getan hätten.
Und doch gleicht die Malerei selbst, die Kunst, diese Lächerlichkeit aus. Die Poesie würde es nicht können. Die Poesie hat diese Einfachheit nicht; sie würde solche Anomalien immer nur als Travestie geben.
Und wie entwürdigt sie sich, wenn sie es tut! Man sollte den Spott über das Heilige, das Wühlen der Mistkäfer in duftenden Blumen, bitter verfolgen, auch die Freigeister sollten es; sie, die alle sorge tragen müssen, nicht mit den Spöttern verwechselt zu werden. Es würde mir viel leichter werden, den göttlichen Begriffen mit Sicherheit nachzuhängen, wenn ich vom Nichts eine Vorstellung festalten könnte. Aber dies ist unmöglich. Ich habe schon früh an dieser Verzweiflung gelitten. Ich wollte schon als Kind mir zuweilen alles wegdenken, was ich sah und denken konnte, Europa, Asien, Afrika, die ganze Erde, den Himmel, alle Schöpfung, und dann war es immer, als stürzt' ich von einer unermesslichen Höhe ins Leere hinunter und fiel ohne Aufentalt. Fast möchte' ich sagen, ich bin seiter mit Eindrücken beladener, und es würde mir schwieriger sein als ehemals, eine solche Vorstellung des Nichts zu fixieren. Ach das hohle, weite Chaos, diese dumpfe Leere, worin das Nichts unsichtbar schlummert! Und Gott, der dieses Nichts selbst ist, nämlich dasselbe Nichts, das später doch ein Etwas wurde! Gott, der in dem Nichts ist und doch wiederum auch in dem Etwas nicht sein soll, weil dies die Welt selbst vergöttern heissen würde! Der panteistische Gedanke widerstrebt mir, und ich glaube, Frauen werden ihn niemals hegen können, weil sie durch sich selbst schon gewohnt sind, alle Dinge in aktive und passive einzuteilen. Wir werden immer antropomorphische Ideen haben; das Christentum unterstützt uns darin. Die Vorstellung eines über uns tronenden Werkmeisters ist ein Bedürfnis, das unsere Phantasie immer geltend machen wird. Jedes andre, ach, alles, alles ist uns verschlossen. Cäsar wird in Ländern wohnen, wo das französische Recht herrscht. Er ist glücklich, sich ohne die Kirche verheiraten zu dürfen. Eine bürgerliche Verbindung wird zwischen ihm und Delphinen stattfinden. Wenn er nur meinen Zustand schonte! Aber er kennt ihn nicht. Wüsste er, wie mich seine leichte Manier über die Religion so tief verwundet! Das Peinlichste ist dies, dass er sich öfter das Ansehen gibt, als liessen sich einige Wahrheiten sogar im christlichen Glauben unumstösslich beweisen. Dann tut er's und beginnt über die schwierigsten Punkte Entwickelungen, welche er mit ernster Miene durchführt und, wenn er zu Ende ist, für phantastischen Witz erklärt. So begann er neulich folgende Auseinandersetzung der christlichen Lehre von der Dreieinigkeit, eines Begriffes, den ich noch gar nicht anrührte, weil ich mit seinen Prämissen noch nicht im reinen bin. Er sagte: Die blosse Vaterschaft Gottes ist relativ, sie ist unerkennbar oder, wie Jakob Böhme gesagt hat, ein dunkles Tal. Licht und Erkenntnis kommt erst durch den Sohn. Beide dürfen nicht isoliert gedacht werden, ihre Ergänzung, ihre Wechselseitigkeit ist der Heilige Geist. Gott als das blosse Alles oder das blosse Nichts ist unerkennbar. Gott muss sich etwas gegenüberstellen, einen Schatten seiner selbst, er musste sich negieren aus seiner Ruhe heraus und schuf die natur. Die natur ist nicht Gott, denn dann müsste die natur ein Zustand sein. Nein, die natur ist eine Tätigkeit Gottes, und alles in Gott