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sprach Cäsar einst zu ihr. "Er glaubt Rechte auf Sie zu haben und behauptet, dass Sie um den Preis seines Vermögens die seine wären."

Wally lachte hierüber, dann aber sagte sie ärgerlich: "Was soll ich aber tun? Ich bin dieser Verhandlungen müde, dass mir meine Lage unerträglich wird. Es kommt so weit, dass ich jedes Mittel ergreife, Paris zu verlassen."

"Was tut Ihr Mann? Was sagt er Ihnen? Will er denn alles geschehen lassen?"

"Was geschieht denn? Gütiger Himmel, so schenken Sie den Narrheiten der Welt nicht fortwährend Ihr Ohr. Ich bin für Sie ohne Tadel und bedarf nicht mehr, weil ich nur Ihnen gefallen will. O Gott! Ist je zu einem mann so gesprochen worden?"

"Sie verwirren meinen Kopf, Wally!"

"Gewiss: denn der meinige ist unfähig, noch im Zusammenhange zu denken. Wollen Sie etwas Entscheidendes tun?"

"Nun?"

"Befreien Sie mich aus dieser Lage! Ich gehe mit Ihnen aus Paris und kehre niemals zurück. In der Einsamkeit will ich wohnen, selbst wenn Sie mich verbergen müssten. Hier ist die Luft verpestet. Sagen Sie alles meinem mann. Er ist ein Pinsel, der gar keine Rechte auf mich hat. Fort! Gehen Sie noch jetzt hinüber zu ihm."

Als Cäsar mit dem Gesandten allein war, sagte er zu ihm: "Mein Herr, Sie vernachlässigen den Ruf und die Ruhe Ihrer Frau."

"In welcher Eigenschaft sagen Sie mir dies?" fragte der Gesandte.

"Als Bevollmächtigter und Beauftragter Ihrer Frau, als Freund des Hauses, dem sie angehört, als Teilnehmer an Wallys Lebensschicksalen, die sie betreffen, als beträfen sie mich selbst, zuletztwenn auch nurals Beschützer eines Wesens, das unschuldig ist und nicht die Kraft hat, sich von einer Intrigue loszusagen, in welche sie wider ihren Willen verwickelt wurde."

"Sie scheinen von den Verhältnissen meiner Frau mehr zu wissen als ich selbst. Doch will ich ihre Mitteilungen abwarten, um mich zu irgend etwas bestimmen zu lassen."

"Dann werden Sie freies Spiel haben, mein Herr! Wally lebt nicht mit dem, was um sie vorgeht."

"Dann scheint es, als bauten Sie ihr eine neue Welt."

"Ja, Sie können so sagen, wenn Sie darunter verstehen, dass ich die alte einreissen werde. Was können Sie tun, um Ihrem Bruder seinen Verstand wiederzugeben und die Reichtümer desselben, welche Sie sich das Ansehen geben, mit Ihrer Gattin zu teilen? Sie wagten es, eine himmlisch reine Seele zu beschmutzen. Sie wagten es, das Leben eines Bruders metodisch zu untergraben. Gegen das letzte werden die gesetz auftreten, gegen das erste aber Gesinnungen, die sich weder widerlegen noch bestechen lassen."

"Aber auch gegen diese tugendhaften Gesinnungen wird es gesetz geben; denn Sie wissen, dass diese Art Tugend nicht überall am Orte ist."

"Die gesetz werden zu spät kommen."

"Wie sollten sie von Ihnen vereitelt werden?"

"Durch die Entführung Ihrer Frau, die Brandmarkung Ihres Namens, durch die Aufhebung jeder ehrlichen Gemeinschaft mit Ihnen, durch tausend Vorsprünge, welche die Ehrlichkeit vor einem mann voraus hat, der mit dem guten Namen seiner Frau das Vermögen eines Bruders kauft, der zur einen Seite die Menschen übel berüchtigt, zur andern wahnsinnig macht. Wahrhaftig, ich schwöre Ihnen –"

Der Gesandte trat scharf auf Cäsar zu und hintertrieb hiedurch das, was dieser sagen wollte, er stiess einige Drohungen aus und verliess dann mit einem gemachten Stolze das Zimmer. Cäsar wollte ihm nach, aber die Tür war ins Schloss gefallen.

Als er in die Zimmer Wallys zurückkam und er hörte, dass sie im Bade sei, verliess er unmutig über die verlorne Mühe das Hotel. Seine Ausdauer war erschöpft. Er war nahe daran, jetzt alles so kommen und so gehen zu lassen, wie es ging. Aber noch an demselben Abende sollte eine Schlusskatastrophe den Knoten durchhauen.

Jeronimos Seelenzustand war unheilbar zerrüttet. Es war ihm nur noch eine Kraft geblieben, die gefährlichste für seinen unzurechnungsfähigen Zustand, die Kraft, Entschlüsse zu fassen und sie um so eher ins Werk zu setzen, weil ihn nichts in seinen Combinationen störte. Jeronimo war fast ein Bild des Todes. Das dunkle Feuer seines Auges hatte sich selbst verzehrt, ein Büschel dünner Haare deckte den kahlen Scheitel. In Regen und Frost stand er vor den Fenstern seiner unglücklichen Neigung, die ihn von sich wies und den ganzen Herbst und Winter mit ihm nicht gesprochen hatte. Dabei versagte er sich das Notwendigste. Er schien verhungern zu wollen. Da ihn aber die Langsamkeit dieser Todesart peinigte, so wählte er eine schnellere. Nur darum handelte es sich noch bei ihm, wie er vor den Augen Wallys sterben sollte.

Es war an demselben Tage, wo Cäsar mit dem Gesandten gesprochen hatte, als sich in der Nachtdämmerung eine blasse Gestalt von ihrem Lager erhob, nach einem Pistol griff und sich an den erleuchteten Häusern der Pariser Strassen dicht unter den ersten Stockwerken entlangschlich. Es war ein wenig Schnee gefallen. Die Strassen waren leer, oder doch hatte alles, was auf ihnen war, Eile, sie wieder zu verlassen. Nirgends brannten Laternen. Der Kalender hatte Mondschein.

Jeronimo stand endlich vor dem Hotel seines Bruders. Man sah es, dass dieses Haus kein Sitz der Freude