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und Ausgelassenheit. Sie bildete den wahren Mittelpunkt der Gesellschaft, so aber, wie es Wasserkünste gibt, wo man nur hier zu drücken braucht, um auf der entgegengesetzten Seite überall lustige Fontänen springen zu lassen. Cäsar war verschlossen und reflektierte viel. Dem Beobachter konnte es nicht entgehen, wie tief sich Wally in seine Neigungen eindrückte. Wenn es nicht Liebe war, die ihn trieb, so war es die Aufgabe, die sich seine Eitelkeit gestellt hatte, Wally, diese Ungezähmte und Unbändige, überwunden zu haben. Hütet euch, ihr Frauen! Die Liebe der meisten Männer ist nichts als eine Huldigung, welche sie sich selbst bringen.

Der Rhein sollte das Ziel einer Spazierfahrt sein, der sich eine grosse Anzahl von Badgästen angeschlossen hatte. Wally war noch vor diesem Ziele zu sehr ermüdet, als dass sie weiterkonnte. Sie blieb bei einem der Bedienten zurück, um die nachkommenden Wagen abzuwarten. So trennte sie sich unbemerkt von der Gesellschaft, so dass Cäsar, der auf Abwegen dem zug nachgeritten war, erstaunte, sie allein zu finden. Er sprang vom Pferde und gab es dem Bedienten. Wally und Cäsar gingen voran.

Der Verführung eines grünen Rasenplatzes mitten im wald widerstanden sie nicht. Während der Wagen und Cäsars Pferd auf der Strasse hielten, gingen sie dem einladenden Ruheorte entgegen und setzten sich auf abgesägte Baumrümpfe nieder. Es lag etwas Mechanisches in diesen Bewegungen, als wenn eine Verabredung stattgefunden hätte, und doch schwiegen beide. Sie sprachen noch immer nichts, auch als sie beide mit gestütztem haupt sich gegenübersassen.

"Seit einiger Zeit sind Sie auf mich erzürnt, Cäsar!" sagte dann Wally.

Ein Lächeln, das man kennen muss, um zu wissen, dass es nur die Maske eines tieferen Schmerzes ist, flog über ihre Mienen. Das Lächeln Cäsars konnte Beistimmung oder Verwunderung sein. Er war klug genug, sie darüber im unklaren zu lassen.

"Ihre Geschichten haben mich kaltgelassen", fuhr sie fort.

Daran dachte Cäsar nicht mehr; aber er sagte: "Hab' ich sie denn verfasst?"

Nach einer Pause seufzte Wally tief auf, schlug ihren blick zu Boden und begann eine Perspektive in ihr Inneres zu geben, die Cäsar neu war, an ihr zumal, und die ihn entzückte. "Ich muss mich, ich muss die Frauen hassen", sagte sie still; "von natur sind wir grausam, und zu den Gefühlen, welche wir zu äussern wohl unter Umständen fähig wären, haben wir ursprünglich nur die blossen Anlagen. Glauben Sie es, Cäsar, die Frauen gedeihen nur durch die Männer. Sie selber wären imstande, sich untereinander zu zerfleischen. Niemand kann bei dem Elende der Menschen, bei Krieg, Erdbeben, öffentlichem und Privatunglück empfindungsloser sein als die Frauen. Verstehen Sie mich recht, solange wir alleinstehen. Was wir von Gefühl ursprünglich haben, das ist mehr Schauer als Bewusstsein, mehr tierische Furcht als Reflexion einer edlen Seele. Ach, ich zittre oft vor einer Empfindungslosigkeit, die ich nicht zu heilen weiss!"

"Aber woher die spätere Metamorphose der Frauen?" fragte Cäsar, erstaunt über die Wahrheit, welche sich in Wallys Antlitze ausdrückte.

Sie stockte: sie blickte ihn an. Er erriet und sank zu ihren Füssen.

Solange diese Situation stumm war, konnte sie zwischen beiden wohl empfunden sein; als aber Wally nach einem Worte suchte, wies sie ihn zurück.

Ihm war es recht; denn die Reflexion schlug ihn in den Nacken und hatte ihn unwillkürlich aufgerissen, da er auf nichts in seinem Herzen Vorbereitetes stiess und ihm jede Situation fatal war, in der er sich selbst nicht hätte beobachten können.

Sie sassen beide wieder auf ihren Baumstämmen. Doch war es eine warme Stimmung, die sich ihrer bemächtigt hatte, in der sie wenn auch über nichts entscheiden, dennoch über alles unterhandeln konnten.

Wally verhehlte nicht, dass die Zauberrute, welche die im Herzen des Weibes schlummernden Gefühle erst wecke, die Liebe sei. Cäsar ergriff ihre Hand und sagte: "Wir sind für die Illusion beide nicht gemacht. Eine Mücke würde uns stören, wollten wir zu den Sternen beten. Jede Aufwallung, bei der wir nur einen Augenblick unsre Manieren nicht in der Hand hätten, würde uns lächerlich scheinen. Helfen wir uns beide! Eine kurze Übereinkunft kann uns auf die Stufe versetzen, welche uns alle jene Glückseligkeit gewährt, die wir durch Zurückhaltung, Scham, natürliches oder kokettes Wesen niemals erreichen. Wally! Wally!"

Jetzt lag Cäsar zu Wallys Füssen, wahrhaftig, ohne Bewusstsein, von einem ungeheuchelten Gefühle übermannt. Aber was warf ihn nieder? Nicht die Liebe, sondern der Gedanke an eine Humanitätsfrage, die niemanden von euch fremd ist: der Gedanke an jene Augenblicke, wo wir, überdrüssig der konventionellen Formen des Lebens, zu aller Welt herantreten möchten und ihr zurufen: "O warum dies Gehäuse von Manieren, in welches du Spröde dich zurückziehst? Warum diese Verhüllung des Menschen in und an dir? Warum Zurückhaltung, du, mein Bruder, du, meine Schwester, da du doch gleichen Wesens mit mir bist, eine Hand wie ich zum Drucke, einen Mund wie ich zum Kusse hast? Ach, wie sehe' ich rings um mich her eine so reife Ernte von Liebe und Schönheit! Warum zögern bis auf Jahre, dass ich sie breche? Warum nicht das Entzücken, dass wir alle Menschen sind, schwach und stark, sterblich und unsterblich